Bereits 2023 vertraute László Krasznahorkai seinen bis dahin entstandenen literarischen Nachlass der Österreichischen Nationalbibliothek an. Foto: MTI / János Marjai

Nobelpreisträger László Krasznahorkai

Literarischer Nachlass bleibt in Wien

Der umfangreiche Nachlass von László Krasznahorkai – sämtliche Materialien bis 2020 – wird seit eineinhalb Jahren von der Österreichischen Nationalbibliothek betreut. Seit der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahr 2025 steht die Sammlung international noch stärker im Fokus.

Dass der ungarische Schriftsteller László Krasznahorkai seinen bis 2020 entstandenen literarischen Nachlass der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) anvertraute, war eine bewusste Entscheidung. Wie Bernhard Fetz, Leiter des Literaturarchivs der ÖNB, gegenüber der ungarischen Tageszeitung Népszava erklärte, war man sich in Wien „seit Jahren der herausragenden Bedeutung des Autors in der ungarischen sowie der internationalen Literatur bewusst“. Bereits vor dem Nobelpreis dokumentierten Auszeichnungen wie der Man Booker International Prize (2015), der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur (2021) oder der Prix Formentor (2024) den internationalen Rang des Schriftstellers.

Manuskripte, Entwürfe, Notizen

Der Nachlass umfasst ein breites Spektrum an Materialien: Manuskripte, Entwürfe, Notizen, Typoskripte und Korrekturfahnen von Sátántangó bis Herscht 07769 sowie umfangreiche Korrespondenzen mit Verlagen, Künstlern und Schriftstellerkollegen aus 23 Ländern – darunter mehr als 2.200 Briefe. Besonders bemerkenswert ist ein Schreiben des amerikanischen Autors Thomas Pynchon. Der Bestand wird ergänzt durch persönliche Dokumente, Reiseaufzeichnungen, Tagebücher, Fotografien sowie digitale Materialien und audiovisuelle Aufnahmen.

Die ÖNB arbeitet seit der Übernahme des Archivs an der Erhaltung, systematischen Erschließung und Katalogisierung der Bestände. Erste Teile wurden bereits in der Ausstellung „Woher kommen wir? Literatur und Herkunft” im Literaturmuseum präsentiert. Weitere Einblicke sollen ab Dezember 2025 im Rahmen einer Sonderpräsentation folgen – zeitgleich mit der Nobelpreisverleihung. Auch die Universität Wien hat sich in wissenschaftlichen Tagungen bereits mit Krasznahorkais Werk befasst und dabei einzelne Archivmaterialien erstmals ausgewertet.

László Krasznahorkai – ein mitteleuropäischer Schriftsteller

Dass bedeutende ungarische Autoren ihre Nachlässe im Ausland hinterlegen, ist kein Einzelfall: Auch Imre Kertész, Péter Esterházy oder Péter Nádas entschieden sich für deutsche oder österreichische Institutionen. Fetz verweist dabei auf die internationale Ausrichtung der ÖNB und Krasznahorkais Selbstverständnis als mitteleuropäischer Schriftsteller, dessen Werk eng mit der österreichischen Literaturtradition – Kafka, Musil, Bernhard – verbunden ist.
Ein Teil des Bestands ist bereits im Lesesaal des Literaturarchivs einsehbar, jedoch noch nicht digital verfügbar. Die Digitalisierung und vollständige Erschließung befinden sich in Arbeit, zugleich bestehen jedoch nutzungsrechtliche Einschränkungen. Interessierte können die Materialien nach Voranmeldung und mit gültigem Leserausweis vor Ort konsultieren.

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