George Tabori
Jürgen Kramer, Dániel Pálinkás und Barbara Szitás in den Hauptrollen. Foto: BE

Budapester Ensemble spielt „Clowns“ von George Tabori

Skurril, verrückt, hoch brisant

George Tabori, der weltberühmte ungarisch-jüdische Autor und Theatermacher, der als 22-jähriger vor den Nazis aus Budapest geflohen ist, lange Jahre in Los Angeles und New York lebte und letztendlich als britischer Staatsbürger in Berlin verstarb, wurde gehasst, geliebt, missverstanden und angehimmelt.

Der Blick seiner Freunde – wie Berthold Brecht, Alfred Hitchcock und Charly Chaplin – auf die Welt beeinflusste auch seine Sichtweisen. So sind seine Theaterstücke und Inszenierungen oft mit schwarzem Humor und absurder Komik gespickt. George Tabori lotet die menschliche Moral aus, seine Texte provozieren das Publikum. Er bedient sich der schauspielerischen Groteske und erreicht auch damit, das beim Zuschauer zwiespältige Gefühle für Figuren und deren Aussagen entstehen. Tabori ist ein Meister darin, unterschiedlichste zwischenmenschliche Konfliktsituationen bis ins Lächerliche zu beschämen.

George Tabori ist aktueller denn je

Sein Stück „Die Clowns“, geschrieben in den Sechzigern, ist heute aktueller denn je. Es beschreibt mit Hilfe des Wortes und seiner skurrilen Figuren den über Jahrtausende scheinbar immer wiederkehrenden Konflikt der Rassen und deren Diskriminierungen, den Generationskampf und auch den der Geschlechter, sexuelle Machtausübungen und Erniedrigungen, Gleichgültigkeit und verschrobene missinterpretierte Liebe zu wem oder zu was auch immer, Kämpfe und auch das Wahrnehmen ihrer Nutzlosigkeit und seelische Verwahrlosungen.

Es scheint, als hätte Tabori weitaus mehr Vertrauen in die Tiere als in den Homo sapiens: die heimliche Hauptfigur des Stückes ist ein anrührend bösartiger Hund, der rassistische Sprüche von sich gibt und trotzdem mit seinem Herrn eine Art Liebesbeziehung hat. Die Boa-Schlange, als Zeichen der Falschheit, windet sich durch und um die aufgestellten Figuren. Und auch eine Spinne hat noch schnell etwas zu sagen. So was Entrücktes, Verrücktes kann nur Tabori schreiben.

Brisant, komisch, erschreckend

Die Menschen in diesem Stück sind dagegen mit sehr weltlichen Eifersuchtsdingen, mit politischer Feigheit und erotischen Kamasutra-Turnübungen beschäftigt. Auch die Vater-Sohn-Dialoge kommen einem bekannt vor. Der Vater begrapscht das Dienstmädchen, das ihm dann das totgeborene Kind vor die Füße legt. „Das Ding“ beschläft die Mutter zu deren Freude. Der Sohn, der alle möglichen Tiere und Wesen mit nach Hause bringt und sie im Schrank versteckt… Und, und, und… Skurril, verrückt, hoch brisant, heutig, komisch, erschreckend.

Das Budapester Ensemble hat sich unter der Regie von Danielle Dutombé bemüht, dieses Theaterstück mit Respekt und weitgehend im Sinne von George Tabori zu inszenieren.

Man muss bei der Vorführung lachen, ohne eine Komödie gesehen zu haben.

 

Golem Theater (1077 Budapest, Csányi u. 3)

18. und 19. Februar sowie am 1. und 2. April.

Tickets hier.

Unterstützt durch das „Europe for Citizens program“ der EU.

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