Fotos: pasteur.fr/ Sébastien Toubon

Berühmte Ungarn

Eine Ungarin am Eiffelturm

Erstmals werden auch Frauen auf dem Eiffelturm geehrt – darunter die Mikrobiologin Ágnes Ullmann, deren Name künftig in goldenen Lettern über Paris leuchten wird.

Paris korrigiert ein historisches Ungleichgewicht: Auf dem Fries der ersten Etage des Eiffelturms, der seit 1889 ausschließlich die Namen bedeutender männlicher Wissenschaftler trägt, sollen künftig auch 72 herausragende Forscherinnen verewigt werden. Die Initiative soll die Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaftsgeschichte stärken. Unter ihnen befindet sich mit Ágnes Ullmann eine Wissenschaftlerin ungarischer Herkunft, die zu den prägenden Figuren der modernen Molekularbiologie zählt.

Karriere nach der Flucht

Ágnes Ullmann wurde 1927 in Satu Mare (damals Ungarn, heute Rumänien) geboren und studierte nach dem Zweiten Weltkrieg in Budapest. Gemeinsam mit ihrem Ehemann veröffentlichte sie bereits früh Arbeiten über den Wirkmechanismus des Antibiotikums Streptomycin. In den 1960er-Jahren gelang ihr nach einer spektakulären Flucht aus dem Ostblock der endgültige Wechsel nach Paris, wo sie am Institut Pasteur unter dem Nobelpreisträger Jacques Monod arbeitete.

Ihre Arbeiten gehören heute zum Grundlagenwissen der Molekularbiologie. Spätere Forschungen fanden Eingang in moderne immuntherapeutische Ansätze. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen erhielt sie u. a. die Robert-Koch-Medaille. Nach ihrem Tod 2019 benannte das Institut Pasteur ein Gebäude nach ihr.

Mit der Aufnahme in den Eiffelturm-Fries wird Ullmann nun auch im öffentlichen Raum geehrt. Ihr Name steht künftig neben jenen von Marie Curie oder Sophie Germain – und erinnert daran, dass wissenschaftliche Exzellenz oft gegen politische, gesellschaftliche und biografische Widerstände erkämpft werden musste. Für Paris ist es ein symbolischer Schritt, für Ungarn und die internationale Wissenschaftsgemeinde ein sichtbares Zeichen der Anerkennung.

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