Familienpolitik
Ein gemeinsames Problem – zwei verschiedene Antworten
Die Geburtenrate in Deutschland liegt aktuell bei 1,35 Kindern pro Frau und damit auf dem niedrigsten Stand seit 1994 (1,24). In Ungarn liegt diese aktuell nur geringfügig darüber, nämlich bei 1,38. Die gesellschaftliche Stimmung und der Umgang mit diesem Umstand könnten in beiden Ländern jedoch nicht unterschiedlicher sein. Während Deutschland in einer eher kinderfeindlichen Apathie verharrt, fördert Ungarn eine kinder- und familienfreundliche Politik und Kultur. Dieser Artikel beleuchtet, wie öffentliches Denken, politische Rahmenbedingungen und individuelle Lebensweisen ein Familienglück begünstigen oder behindern.
Die Familie in Deutschland und Ungarn: Zwei Welten!
In Deutschland sehen sich kinderreiche Familien oft mit einer gewissen gesellschaftlichen Skepsis konfrontiert. Familien mit drei oder mehr Kindern sind eher eine Ausnahmeerscheinung. Es herrscht zudem die Ansicht vor, dass Kinder kontraproduktiv bei der Bewältigung des Klimawandels wären und die individuelle Freiheit einschränken würden.
In Ungarn plädiert hingegen Ministerpräsident Viktor Orbán für eine Lebensweise, die die Gemeinschaft und den Fortbestand der Nation in den Mittelpunkt rückt. Kinderreiche Familien würden dazu beitragen, eine Gesellschaft zu schaffen, in der Werte wie Verantwortung, Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl vorrangig sind. Konservative Werte wie Gemeinschaft, Tradition und Glaube seien fundamental für eine starke Nation. Orbán setzt sich daher für eine Politik und Kultur ein, die Mehr-Kinder-Familien als Schlüssel zur Bewältigung der demografischen Herausforderung betrachtet.
In Deutschland hingegen priorisieren immer mehr Frauen beruflichen Erfolg und Aufstieg. Im Durchschnitt bringen Frauen ihr erstes Kind mit 31,5 Jahren zur Welt. Aufgrund langer Ausbildungszeiten reduziert sich so auch die Aussicht auf Familien mit mehreren Kindern. Hohe Lebenshaltungskosten, insbesondere für Wohnen, führen dazu, dass Frauen zunächst finanzielle Sicherheit gewährleisten wollen. Kaum flexible Beschäftigungsmodelle und ein ungenügendes Angebot an Kindertagesstätten lassen viele Frauen ihren Kinderwunsch immer wieder zurückstellen. Kinderlosigkeit wird gesellschaftlich zunehmend akzeptiert: 20 % der Frauen des Jahrgangs 1975 sind kinderlos. Rückläufige Eheschließungen (minus 11 % seit 2010, trotz Einführung der Ehe für alle im Jahr 2018) und eine hohe Scheidungsrate (36 %) verstärken die Zweifel an langfristigen Beziehungen.
In Ungarn ist die Scheidungsrate mit 38 % ähnlich hoch, was jedoch auch an den fast doppelt so häufigen Eheschließungen im Vergleich zu 2010 liegt. In Ungarn gilt es noch immer als gesellschaftliche Norm und Ideal, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen. Es gibt flächendeckend Kindertagesstätten und Spielplätze. Traditionelle ungarische Autoren wie József Nyírő und Albert Wass, die in ihren Werken für die Ideale der Familie und Gemeinschaft eintreten, werden in weiteren Kreisen der Bevölkerung noch immer geschätzt. Ihr gemeinsames Credo: „Die ungarische Seele lebt in der Familie, im Zusammenhalt der Gemeinschaft, die unsere Nation stark macht.“ Auch zeitgenössische Kinderbuchautoren wie János Lackfi prägen mit pro-natalistischen Ansichten das gesellschaftliche Klima.
Der Großfamilienvater János Lackfi
János Lackfi erfreut sich in der ungarischen Gesellschaft großer Beliebtheit. Lackfi hat bisher über 80 Bücher geschrieben, die Hälfte davon für Kinder. „Milyenek a magyarok?” („Wie sind die Ungarn?“) ist mit circa 80.000 verkauften Exemplaren sein größter Erfolg. Als 45-jähriger Großvater gibt er ergreifende Einblicke in seine Lebenserfahrung als junger, kinderreicher Familienvater.
„Meine Frau begann ihr Studium mit unserem ersten Kind und beendete es mit unserem fünften. Also ging einer von uns vormittags und einer nachmittags studieren; wir planten alles sehr gut durch. An der Metrostation Astoria gab Juli die Kinder ab, wo ich sie später abholte. Während sie zur Universität ging, brachte ich die Kinder nach Hause. Als Vater kann man viele interessante Dinge herausfinden. Zum Beispiel, dass es bei der Hausarbeit kein Geschlecht gibt. Der Mann wäscht ab, und die Sache funktioniert. Das Bügeln und Bettenmachen funktioniert auch. Mit klopfendem Herzen lädt er die Waschmaschine und drückt atemlos auf den Knopf – und sie legt los! (…) Was auch immer du in der Welt tust, welchen Job du auch hast, welchen Erfolg du auch hast, wie viel Geld du auch hast, früher oder später wirst du feststellen, dass du ersetzbar bist. Man lässt sich krankschreiben und stellt fest, dass der Ersatz viel fähiger ist. Doch wenn du dein neugeborenes Baby oder Enkelkind in den Armen hältst, gibt es niemanden, der deinen Platz einnehmen kann.“
So werden in Ungarn Mütter unterstützt
Wenn Familien vor der Wahl stehen, in welchem Land sie Kinder bekommen und aufziehen möchten, dann ist das Thema Sicherheit von hoher Bedeutung. Während die Kriminalitätsrate in deutschen Städten seit der Migrationskrise drastisch zugenommen hat, sind die Straßen Ungarns friedlich und sicher geblieben. Pro 100.000 Einwohner geschehen in Deutschland 43 gewaltsame Diebstähle, während es in Ungarn mit 6 Fällen die wenigsten sind.
Auch die finanzielle Absicherung spielt bei der Abwägung eine große Rolle. Junge Menschen sollten frei entscheiden können, Kinder zu bekommen, ohne dabei durch größere finanzielle Nachteile oder gesellschaftliche Zwänge eingeschränkt zu werden. Diesen Anspruch untermauert der ungarische Staat mit einer beeindruckenden Liste an Unterstützungsleistungen.
So sind seit Januar 2023 junge Mütter unter 30 Jahren bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe von der Einkommensteuer befreit. Seit Oktober 2025 genießen Mütter mit mindestens drei Kindern eine lebenslange Einkommensteuerbefreiung. Im Rahmen des Wohnungsbauprogramms werden Subventionen für Renovierungen oder den Hausbau/-kauf für Familien mit Kinderwunsch angeboten. Es besteht absoluter Kündigungsschutz während der Schwangerschaft und des Mutterschaftsurlaubs. Der Urlaub umfasst 24 Wochen und kann ab vier Wochen vor der Geburt flexibel in Anspruch genommen werden. Nach der Geburt werden der Mutter 70 % ihres vorangegangenen durchschnittlichen Bruttogehalts bis zum 2. Geburtstag des Kindes gezahlt.
Elon Musk kommentierte die ungarische Familienpolitik auf X mit den Worten „Great policy“. Auch Papst Franziskus äußerte sich während seines Besuchs in Ungarn im April 2023 sehr anerkennend zu den ungarischen Bemühungen um die Familie und den Lebensschutz. Aktuell verwendet Ungarn circa 5 % des BIP für die staatliche Familienförderung, was deutlich über dem internationalen Durchschnitt von circa 3 % liegt – in Deutschland sind es 3,2 %. Kein Wunder, dass die Familienförderpolitik innerhalb der verschiedenen Themenbereiche des Staates von den Bürgern mit einem beachtlichen zweiten Platz gewürdigt wird – die Wiedereinführung der 13. Monatsrente liegt übrigens auf Platz eins.
Fazit
Die demografische Herausforderung besteht in beiden Ländern. Während die deutsche Politik diese kaum adressiert und Zurückhaltung weit verbreitet ist, begegnet ihr Ungarn mit einer Fülle an teils sehr originellen, einzigartigen Maßnahmen.
Der Autor ist Praktikant beim Deutsch-Ungarischen Institut für Europäische Zusammenarbeit am Mathias Corvinus Collegium und Autor zahlreicher Bücher zum Thema gesunde Lebensführung.

Überhaupt: Deutschland heute:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/heilige-kuh-cdu-keine-partei-ist-wichtiger-als-deutschland-li.10004585
Ob der Ex Blackrock Fritze sich opfern wird? nein wohl.
Was hat das nun mit Demografie zu tun?
Jedes Thema wird hier mit Deutschland Bashing zu gespammt.
Unbestritten ist aber das Ungarn einiges für Familien tut, gar keine Frage.
Hoffentlich haben diese Maßnahmen einen großen Erfolg.