Kreativer Weihnachtsbaum bei Mercedes in Kecskemét. (Foto: Máté Lakos)

Holzdesign von Hello Wood

Denken mit den Händen

Wer im vergangenen Sommer in der Nähe des Deák Ferenc tér zu tun hatte, der kam nicht umhin, die bunten Sitz- und Sportgelegenheiten im Park hinter dem hauptstädtischen Rathaus wahrzunehmen. Die farbenfrohen und begehbaren Installationen stammten aus der Werkstatt von Hello Wood. Wir sprachen mit Hello-Wood-Gründer Dávid Ráday über die Geschichte der Kreativfirma und die Renaissance der Handarbeit.

Der „Pop-Up Park 2.0“, wie Hello Wood das Projekt im Városháza Park nennt, vereint fast alles, was die Arbeit des Herstellers und Verleihers außergewöhnlicher Holzkunst ausmacht: „Unsere Designs sollen sowohl eine Funktion erfüllen, als auch ein ästhetisches Erlebnis bieten”, erklärt Dávid Ráday, einer von drei Gründern von Hello Wood. Mit dem Pop-up-Park ist ihnen das zweifelsohne gelungen.

Designer Dávid Ráday: „Unsere Designs sollen sowohl eine Funktion erfüllen, als auch ein ästhetisches Erlebnis bieten.” (Foto: Zsuzsa Darab)

Der Platz wurde in den Jahren davor nur während der Weihnachtsmarkt-Saison genutzt. Mit den ausgefallenen Sitzgelegenheiten wurde jedoch nicht nur bisher leerstehender Raum gefüllt, sondern auch eines der größten Probleme der ungarischen Hauptstadt angegangen: Das Fehlen von Gemeinschaftsplätzen, an denen man einfach nur zusammen sein kann.

Darin liegt eine weitere Zielsetzung des engagierten Unternehmens: „Wir versuchen immer auch einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen”, erzählt Ráday. Hello Wood findet dabei immer neue Wege. So bauten sie 2013 den ersten Weihnachtsbaum aus Schlitten. Das elf Meter hohe Kunstwerk war damals vor dem Palast der Künste in Budapest zu bestaunen und mehr als nur ein Blickfang: Die 365 Schlitten, aus denen sich der Baum zusammensetzte, wurden nach Weihnachten an SOS-Kinderdörfer gespendet.

Die Idee, mit einer Installation auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen, schien zu zünden, denn in den Jahren darauf wurde Hello Wood auch in London und Wien beauftragt, solche Schlittenbäume zu verwirklichen. Doch während die Kreativfirma heute international tätig ist, liegen ihre Anfänge in Ungarn.

Alles begann an der Uni

„Eigentlich hat alles an der Uni angefangen”, erinnert sich Ráday. Gemeinsam mit den Architekten Péter Pozsár und András Huszár hatte er die Idee, eine Non-Profit-Agentur zu gründen, die talentierte Studierende mit Firmen zusammenbringen sollte, die Designer suchen. „Viele Unternehmen suchen nach jungen, kreativen Köpfen für ihre Projekte”, erklärt Ráday. Und so wurde Hello Wood geboren.

Der nächste bedeutende Schritt kam, als Mitgründer Péter Pozsár etwa 30 Studierende der Budapester Moholy-Nagy-­Universität für Kunsthandwerk und Gestaltung, kurz MOME, zu einem sogenannten „Builders´ Camp” einlud. Dies war das erste Hello-Wood-Camp.

In drei Projekten konnten die jungen Talente beweisen, was sie bislang gelernt hatten – und nebenher die Erfahrung machen, wie gut es tut, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen. Doch die Früchte der mehrtägigen Arbeit sorgten nicht nur unter den Teilnehmern für Begeisterung. Im Anschluss wurde eine der im Rahmen des Events verwirklichten Installationen nach Budapest gebracht und der Öffentlichkeit präsentiert: Das Ausmaß der positiven Reaktionen überraschte selbst die erfahrenen Designer. So beschlossen sie, im kommenden Jahr erneut ein solches Camp anzubieten, jedoch mit noch mehr Menschen und noch mehr Projekten.

„Nach zwei, drei Jahren stellten wir fest, dass die Teilnehmer, wir und auch Außenstehende die dabei geschaffenen Installationen so sehr mochten, dass es sich lohnte, Hello Wood als Design-Firma zu etablieren“, erzählt Ráday. „Ganz von null haben wir allerdings nicht begonnen. Wir waren alle bereits als Designer und Architekten aktiv, hatten eigene Büros und Aufträge.”

Und noch einen bedeutenden Vorteil brachten die Gründer von Hello Wood mit: „Wir sind eine ‚Design and Build‘-Firma.” Das bedeutet, dass rund 90 Prozent der bei Hello Wood bestellten Projekte auch durch das hauseigene Team verwirklicht werden. „Einerseits bauen wir gerne selbst, andererseits sind viele der Dinge, die wir planen, für externe Auftragnehmer einfach schwer umzusetzen.”

Dabei reichen die Hello-Wood-Projekte von Installationen wie den Weihnachtsbäumen über Pop-up-Parks, Pavillons und Marktstände bis hin zu einfach zusammenzusetzenden Holzhütten: „Es gibt eine stetig wachsende Gruppe von Menschen, die sich einen Rückzugsort im Grünen wünschen, und sich dabei bewusst für eine nachhaltige Option und keinen Palast entscheiden”, sagt Ráday dazu. Diese Besinnung auf Nachhaltigkeit steht im Einklang mit einer weiteren Veränderung, die er in der Gesellschaft wahrnimmt.

Eine Kreationen von Hello Wood. (Foto: Tamás Bujnovszky)

Das gute Gefühl, etwas selbst zu bauen

Schon während der Builders’ Camps wurde dem Designer klar, dass gerade Menschen, deren tägliche Arbeit sich am Computer vollzieht, sich nach dem Erlebnis sehnen, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen. Die Workshops und mehrtägigen Camps von Hello Wood bedienen diese Sehnsucht: „Bei uns arbeiten die Teilnehmer mit Kiefernholz. Einerseits ist es ein nachwachsender Rohstoff, den wir ausschließlich aus nachhaltigen Forstwirtschaften beziehen. Andererseits ist der Werkstoff einfach zu bearbeiten, die Handhabung der benötigten Werkzeuge schnell zu erlernen.”
Deswegen können bereits Kinder daran teilnehmen. Bei Hello Wood Junior geht es aber nicht nur ums Arbeiten mit Holz – den kleinen Kreativen wird eine ganze Palette an möglichen Aktivitäten geboten. Neben Holzarbeiten können sie beispielsweise an Projekten im Bereich Formplanung, Grafikdesign, Animation oder Textildesign teilnehmen. Es sind sowohl junge, talentierte Designer, als gelegentlich auch bekannte Größen des Fachs, die im Rahmen der Veranstaltungen ihr Wissen mit den Teilnehmern teilen.

Die Workshops stehen mittlerweile nicht mehr nur Kindern und Studierenden offen. Dreimal pro Jahr veranstaltet Hello Wood Design-Freizeiten, an denen jeder teilnehmen kann, der das Erlebnis des Schaffens gerne mit anderen teilen möchte.

Laien, die Spaß daran haben, etwas mit ihren eigenen Händen zu erschaffen, nennt Hello Wood „Builders“ oder auch „Makers“ und diese will das Unternehmen – auch auf internationaler Ebene – in einer Gemeinschaft vereinen. Den ersten Schritt in diese Richtung macht Hello Wood durch die Ausrichtung eines jährlichen Builders’ Camp in Argentinien.

Die jährlich stattfindende „Freizeit“ in Tokaj, auf der jedes Mal spannende Projekte, wie beispielsweise ein Spielplatz für eine arme Gemeinde oder eine Fußgängerbrücke für die Region, verwirklicht werden, ist ebenfalls seit Jahren ein Jour fixe im Jahreskalender des Unternehmens. 2020 musste die Veranstaltung jedoch aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden. „Unser internationales Camp, welches wir sonst auf unserem eigenen Campus abhalten und für das gewöhnlich Teilnehmer aus aller Welt anreisen, haben wir in diesem Jahr gar nicht erst angesetzt“, so Ráday.

Große Pläne

Doch obwohl dieses Jahr für Hello Wood – wie wohl für jeden – voller Schwierigkeiten steckt, lässt sich Ráday nicht entmutigen: „Viele der von uns geplanten Projekte wurden storniert. Wir versuchen, wo möglich, mit der Planung anzufangen, auch wenn wir die Verwirklichung auf später verschieben müssen.”

Doch auch für die ferne Zukunft schmieden Ráday und sein Team bereits große Pläne: „Wir wissen, dass unser Lehrkonzept funktioniert. In den vergangenen zehn Jahren haben wir daran gefeilt, es weiterentwickelt und verbessert.” Das Hello-Wood-Prinzip „Denken mit den Händen und lernen durch Erfahrung” ist international anerkannt – und wurde sogar schon ausgezeichnet. Ráday wünscht sich, dass dieses nun auch weltweit Anwendung und vielleicht sogar in den regulären Schullehrplan Eingang findet. „Wir träumen gerne groß”, gesteht er lachend.

Mehr Informationen zu Hello Wood, den Camps und Workshops finden Sie auf www.hellowood.eu.

Galerie

  • Das Vörösmarty-Denkmal auf dem gleichnamigen Budapester Platz. (Foto: Zsuzsa Darab)

  • Foto: Bujnovszky Tamás)

  • Foto: Zsuzsa Darab

Schreiben Sie einen Kommentar

Weitere Artikel

Budapester Designstudio Flying Objects

Brücke zwischen Technologie und Anwender

Ergonomie, Gebrauchstauglichkeit, Ökonomie, Marketing – es gibt viele Aspekte, die ein Produktdesigner bei seiner Arbeit berücksichtigen muss. Seine Aufgabe ist es, Produkte so zu gestalten, dass sie nicht nur anwenderfreundlich sind, sondern beim Kunden sogar Emotionen wecken. Auch das Budapester Designstudio Flying Objects sieht ...

Online-Veranstaltung zur „Woche der Meinungsfreiheit“

Krise macht informationshungrig

In der Coronavirus-Krise geraten die freie Rede und unabhängige Medien weltweit unter Druck. Das befindet zumindest die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen. Kann und darf man also in einer Ausnahmesituation wie der Coronavirus-Krise überhaupt noch debattieren? Was sind die Vorteile und die Nachteile?

3D-Designer Bence Koós

Design auf einer neuen Ebene

Dem einen oder anderen sind seine Arbeiten vielleicht schon in Budapests Kneipen begegnet: Bence Koós entwirft Skulpturen aus Papier, die etwas ganz Besonderes an sich haben. Ihr geometrisches Design erinnert an die frühen Tage von 3D-Computerspielen oder auch an Minecraft. Das ist kein Zufall, ...