Bahati Venus
Bahati ist bekennender Sisi-Fan und erfüllte sich mit dem Prinzessinnen-­Shooting einen großen Wunsch. (Foto: Christina Noel)

Deutsch-Rapperin Bahati „Bryna” Venus

„Mach, wofür dein Herz schlägt”

Bahati Venus ist wandlungsfähig wie nur wenige Frauen. Je nachdem, wo man sie antrifft, trägt sie einen gemütlichen Schlabberpulli oder ein sexy Outfit und Highheels. Dafür verstellt sich Bahati nicht etwa. Sie gehört zu einer neuen Generation von Frauen, die sich einfach nicht kategorisieren lassen will. Betrachtet man ihr Leben, wird schnell klar, warum.

Obwohl die Halb-Kenianerin ihren Lebensmittelpunkt in Wien hat, liebt sie Budapest. Lachend gesteht sie, ein riesengroßer Sisi-Fan zu sein. Sie könne es kaum erwarten, erneut das Schloss in Gödöllő zu besuchen, sagt sie. Doch noch etwas anderes verbindet die dunkelhaarige Schönheit mit Budapest: Im Rahmen einer Workshop-Serie soll Bahati einen Vortrag vor Mädchen aus Kinderheimen halten, um über ihr Leben zu sprechen. Denn hauptberuflich ist sie Rapperin.

Musik in den Genen

„Eigentlich wollte ich Krankenschwester werden, aber während des zweiten Ausbildungsjahres wurde ich ungeplant schwanger.” Bahati behielt das Kind – und stieg nach der Geburt sogar wieder in die Ausbildung und den Schichtdienst ein. Schnell merkte sie jedoch, dass die Arbeit und das Lernen – trotz aller Hilfe ihrer Eltern – unvereinbar waren, mit ihrem Willen, eine gute Mutter zu sein. Doch vielleicht hätte die willensstarke Bahati sogar diese Hürde genommen, wäre da nicht etwas anderes gewesen, das sie beschäftigte. Denn ihr sehnlichster Wunsch war es schon immer, Musikerin zu werden.

„Wenn du als Frau unfair behandelt wirst, heißt das Gegenmittel, einfach weitermachen!“ (Foto: Christina Noel)

„Mein Vater kam als Musiker nach Wien, doch leider blieb ihm die große Karriere versagt”, erzählt sie. Dass Musik in ihrer Familie eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich nicht nur bei Bahati. Einer ihrer zwei Brüder ist ebenfalls Rapper und trat sogar schon im Vorprogramm des deutschen Rappers Samy Deluxe auf. „Schon damals fand ich Rap faszinierend, weil man einfach die Möglichkeit hat, so viel auszudrücken”, so Bahati.

Mehr als ein „hübsches Dummchen“

Schon als Kind sang sie bei Disney-Filmen ihre Lieblingslieder mit. Auch ihr Bruder vertiefte in ihr den Wunsch, sich musikalisch zu verwirklichen. Bahatis erste Veröffentlichung war jedoch ein Popsong – für sie geschrieben und produziert. Der zugegeben eingängige Song beinhaltet vieles, wogegen Bahati heute steht: „Als das Lied aufgenommen und das Video fertig war, merkte ich, dass ich mich damit nicht mehr wirklich identifizieren konnte. Das Ganze war mir einfach zu seicht.”

Nur wenige Dinge sind für die selbstbewusste Musikerin so irritierend, wie als „hübsches Dummchen” abgestempelt zu werden. Ein Schicksal, das ihr nur zu oft widerfahren ist. Die Erfahrung hat sie jedoch nicht verbittert. Nach wie vor ist sie entschlossen, der Welt zu zeigen, was sie kann und wer sie ist.

Der Wunsch nach Selbstverwirklichung treibt sie an: „Wenn die eigenen Eltern sterben, fängt man an, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Den entscheidenden Schub in Richtung Rap gab mir der Tod meines Vaters. Ich wusste, der einzige Weg, der für mich in Frage kommt, ist, mich an meinen eigenen Ratschlag zu halten: ‚Mach, wofür dein Herz schlägt.‘“

„Ich werde anders behandelt, weil ich eine Frau bin“

Als junge, attraktive Frau ist das nicht immer ganz einfach. Das weiß auch Bahati: „Ich habe das Gefühl, dass ich grundsätzlich anders behandelt werde, weil ich eine Frau bin.” Mittlerweile könne sie ganz gut damit umgehen, sagt sie, aber gerade am Anfang ihrer Musikkarriere sei es eher schwierig gewesen. „Weil es einfach unfair ist”, findet sie.

Dies ist wohl auch einer der Gründe, warum Bahati so entschlossen für sich und andere Frauen einsteht: „Das Schlimmste ist vielleicht, nicht ernst genommen zu werden. Das Heilmittel heißt für mich: einfach weitermachen. Irgendwann macht es ‚Klick‘ und du kommst voran und motivierst auch andere damit.”

In ihren Rap-Texten teilt sie zwar auch aus…
…doch Bahati lebt strikt nach dem Motto: „Queens support Queens!“ (Foto: Propaganda)

Manchmal spielt auch der Zufall eine Rolle. Für Bahati, die als Rapperin unter dem Namen Bryna aktiv ist, ist auch das nur ein Zeichen, dass sie sich auf dem richtigen Weg befindet. „Zum Videodreh von ‚Buzinezz‘ waren eigentlich auch männliche Models gebucht, die aber im letzten Moment nicht dabei sein konnten.” Am Ende habe es sich aber genau richtig angefühlt, im Videoclip nur von starken Frauen umgeben zu sein. Auch Produzent Ivan Fox – selbst Tänzer und Choreograph – habe gespürt, dass hier nicht von unglücklichen Umständen die Rede sein kann.

Bahati glaubt fest an das Motto: “Queens support Queens”. „Es ist einfach toll, mit starken Frauen zusammenzuarbeiten“, sagt sie. „Dabei kommen immer die besten Sachen heraus.”

Bahati teilt in ihren Texten teils kräftig aus. Sie schätzt alle, die denselben Werten folgen. „Mir passiert natürlich auch Negatives mit Frauen, das macht mich traurig. Man kann nur mit gutem Beispiel vorangehen. Ich habe einfach keinen Platz in meinem Leben für negative Menschen und Energien.”

Die Musikerin versucht, mit traditionellen Denkmustern zu brechen: „In der Werbung und in den Medien wird oft suggeriert, dass wir Frauen ständig in Konkurrenz zueinander stehen. Frauen sollten hingegen erkennen, dass wir mehr erreichen, wenn wir einander unterstützen. Niemand wird besser, wenn er schlecht über jemanden redet.”

Doch nicht nur hier geht Bahati ihren eigenen Weg. Jüngst zog sie sich für den Playboy aus, als Geschenk an sich selbst zu ihrem Geburtstag. Bahati hat keine Angst davor, sich nackt und in sexy Pose zu zeigen, ganz im Gegenteil: „Ich hatte schon lange den Wunsch, im Playboy zu sein. Zu meinem 33. Geburtstag habe ich gemeinsam mit meiner Freundin und Fotografin Christina Noel eine Fotostrecke gemacht und die Aufnahmen auf gut Glück an den Playboy geschickt.”

Foto: Christina Noel

Eigentlich hat das renommierte Erotikmagazin seine eigenen Fotografen, aber die Bildredaktion konnte sich den optischen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Und so wurde Bahati zum Playboy-Bunny.

Auf die Frage, wie ihre Tochter im Teenager-Alter damit umgeht, antwortet Bahati selbstbewusst: „Meine Tochter kennt mich als Mutter und als Künstlerin und hat mich in dieser Doppelrolle schon sehr früh wahrgenommen. Ich glaube nicht, dass es ihr Weg wäre, aber sie akzeptiert, dass ich meinen Weg als Künstlerin gehe. Und Mama bin ich ja trotzdem. Daran ändert auch ein Playboy-Shooting nichts.”

Bryna, die Starke

Unter dem Namen Bryna verwirklicht sich Bahati seit knapp einem Jahr auch als Künstlerin: „Raptexte habe ich schon länger geschrieben, aber erst vor rund einem Jahr habe ich Bryna als künstlerisches Alter Ego für mich geschaffen.”

Der Name war erneut ein glücklicher Zufall, denn Bahati recherchierte erst Monate nach der „Geburt” von Bryna, was der Name eigentlich bedeutet. Nämlich „die Starke“. Und tatsächlich hilft Bryna Bahati oft dabei, mutiger zu sein: „Bryna ist für mich die starke Frau, die ihren Weg geht. Wenn ich persönlich Zweifel habe, geht Bryna voran. Das gibt mir Schutz.”

Vielleicht fällt es Bahati auch deswegen so leicht, trotz aller Vorurteile immer umwerfend sexy zu sein: „Ich möchte sexy sein, ich muss niemanden um Erlaubnis fragen, gerade als Künstlerin.”

Dieses neue Bild einer emanzipierten, selbstbestimmten Frau, die keine Angst davor hat, sich so zu präsentieren, wie sie es will, ist etwas, das nicht nur in der von Männern dominierten Musikbranche längst überfällig ist. Auch deswegen wurde Bahati, alias Bryna nach Ungarn eingeladen. Sie soll hier ihre Sicht auf die Welt mit jungen Mädchen und Frauen teilen. Schließlich braucht die Welt mehr so starke, furchtlose Frauen wie Bahati.

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