Gespräch mit Frank Strzyzewski, Teilnehmer am Budapest-Marathon
„Ich komme gerne wieder!”
Wie war der Marathon?
Er war super, es war ein tolles Event. Die Strecke war wunderschön und führte größtenteils entlang der Donau an den Highlights von Budapest vorbei. Es ging über drei Brücken und am Parlament entlang. Außerdem ging es über die Andrássy út und die Margareteninsel. Es war also eine ganz tolle Streckenführung. Das Wetter war auch super. Mit meiner Zeit von 3 Stunden und 41 Minuten bin ich hochzufrieden. Meine Herbstmarathons sind immer etwas langsamer, da ich im Sommer aufgrund der Temperaturen weniger trainiere. Es ging mir aber nicht um die Zeit. Ich hatte keine bestimmte Zielzeit im Blick, dafür aber umso mehr die Schönheit von Budapest.
Der Start und das Ziel waren in der Nähe der Technischen Universität, an der ich Ende der 1980er-Jahre fünf Jahre lang studiert habe. Die Strecke führte dreimal am Hauptgebäude der TU Budapest vorbei. Das war natürlich ein tolles Gefühl. Nostalgie pur! Ich musste den Budapest-Marathon einfach einmal mitmachen. Es war übrigens mein zehnter Städtemarathon. Ich war bereits mehrfach in Frankfurt dabei. Außerdem in Kopenhagen, Rotterdam, München, Freiburg und in meiner Geburtsstadt Chemnitz. Aufgrund der absolut positiven Erfahrung von heute werde ich ganz sicher noch einmal am Budapest-Marathon teilnehmen. Ich komme gerne wieder.
Was ist Ihnen vorhin noch aufgefallen?
Es waren unglaublich viele Nationen vertreten. Der Budapest-Marathon zieht ein internationales Publikum an. Das ist auch für die Stimmung und das internationale Flair wichtig. Für die beste Stimmung sorgten übrigens die Läufer und Touristen aus Spanien. Das könnte damit zusammenhängen, dass heute, am 12. Oktober, in Spanien Nationalfeiertag ist, der Tag der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Ihre gute Stimmung könnte aber auch mit ihren sportlichen Leistungen zu tun haben: in den Siegerlisten sind viele Spanier weit vorne zu finden.
Übrigens noch eine Episode am Rande: Nachdem ich mit meinem Lauf fertig war, bin ich in den Zielbereich gegangen und habe andere Läufer angefeuert. Dabei fielen mir zwei Läufer aus Israel auf, die einen großen Davidstern auf ihren Shirts trugen. Beim Zieleinlauf zeigten sie zudem eine israelische Fahne und ernteten dafür großen Jubel. So etwas wäre bei den Städtemarathons in Westeuropa heutzutage wahrscheinlich nicht mehr möglich.
Welche weiteren Unterschiede zu anderen Städtemarathons haben Sie wahrgenommen?
Die Abschnitte entlang der Unteren Kai-Straße direkt an der Donau waren praktisch ohne Publikum. Das hat etwas gefehlt. Wer einmal bei einem Marathon mitgelaufen ist, weiß, wie wichtig der Energieschub ist, den man von einem anfeuernden Publikum erhält. Besonders gegen Ende, wenn die letzten Kraftreserven abgerufen werden, ist das sehr wichtig und gibt einen enormen Kick. Nun ja, aber das Donau-Panorama war natürlich auch motivierend. Und man kann halt nicht alles haben.

Die Organisation war sehr gut. Es war alles super organisiert. Es gab keine größeren Schlangen beim Abholen der Startnummern. Es hat alles wunderbar funktioniert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top. Entlang der Strecke gab es deutlich mehr Verpflegungsstationen als bei anderen Marathons. Diese sollten allerdings besser angekündigt werden, damit sich die Läufer darauf einstellen können. Das ist aber nur eine Kleinigkeit. Im Großen und Ganzen war die Veranstaltung sehr gut durchdacht und organisiert. Eine solche Streckenführung auf die Beine zu stellen, ist sicher eine gewaltige organisatorische und logistische Leistung. Die Veranstaltung ist absolut toll organisiert, und ich kann mir vorstellen, dass auch viele andere Läufer gerne wiederkommen.
Sie können den Budapest-Marathon also wärmstens empfehlen?
Ja, absolut! Wie es sich bei Marathon-Profis verhält, kann ich allerdings nicht einschätzen. Mir ist jedenfalls aufgefallen, dass die afrikanischen Topläufer, die man sonst bei den großen westeuropäischen Städtemarathons immer sieht, in Budapest nicht dabei waren. Vielleicht hängt das mit dem Preisgeld zusammen, das in Budapest zu niedrig ist oder gar nicht erst ausgeschrieben wird, oder mit der Strecke, die insgesamt zu langsam ist. In Budapest wurden leider noch keine Rekorde gelaufen. In Rotterdam, wo ich auch schon gelaufen bin, wurden hingegen bereits drei Marathon-Weltrekorde aufgestellt. Die Strecke dort ist sehr flach und schnell. Selbst für einen Amateurläufer wie mich ist es natürlich ein großartiges Gefühl, auf einer Weltrekordstrecke zu laufen.
Womit kann das langsamere Tempo in Budapest zusammenhängen?
Vielleicht liegt es am Kopfsteinpflaster, über das die Strecke zuweilen führt. Auf so einem Belag kann man natürlich nicht so schnell laufen wie auf Asphalt. Bei einer offenen Strecke entlang eines Flusses gibt es außerdem häufig Wind, der die Läufer beeinträchtigt. Windgeschützte Strecken sind natürlich besser. In Budapest gibt es auch ein paar kleinere Anstiege, etwa wenn man über die Brücken läuft. Anstiege sind natürlich ebenfalls nicht so optimal für Rekordjäger. Ich würde die Streckenführung jedoch keinesfalls zugunsten einer schnelleren, aber langweiligeren Strecke ändern. Das tolle Donaupanorama gleicht das bei weitem aus. Und Rekorde kann man auch woanders aufstellen.
Generell würde ich sagen, dass die Motivation der meisten Teilnehmer an solchen Marathons zu 80 Prozent von der jeweiligen Stadt ausgeht. Nur der Rest ist sportlicher Ehrgeiz und Jagd nach Rekorden. Für viele ist es eher eine Art Sightseeing, bei dem sie eine Stadt von einer anderen Seite kennenlernen können. Ich schätze, dass nur zehn Prozent der Athleten wirklich persönliche Ziele haben und Bestzeiten laufen wollen. Sie sind extrem ambitioniert und laufen vorneweg. Der Rest nimmt zwar auch eine Bestzeit mit, wenn sich diese ergibt. In erster Linie geht es ihnen aber um Selbstüberwindung und darum, ihrer persönlichen Marathon-Liste eine weitere Stadt hinzufügen zu können.
Heimsiege zum Jubiläum
Der 40. Budapest-Marathon endete mit einem Triumph von Máté Vásárhelyi. Der amtierende Landesmeister und Titelverteidiger gewann das Rennen der Männer in 2:22:17 Stunden. Bei den Frauen siegte Viktória Nyikos in 2:50:28 Stunden.
In diesem Jahr hatte der Budapest-Marathon eine Rekordbeteiligung. Hat sich das eventuell negativ auf das Lauferlebnis ausgewirkt?
Nein, keinesfalls, die Teilnehmerzahl war absolut zu verkraften. Man konnte fast die gesamte Strecke über frei, also im selbst gewählten Tempo, laufen. Ich habe schon an Marathons teilgenommen, bei denen es teilweise richtig eng wurde. Es ist extrem frustrierend, wenn man laufen will und kann, aber durch die Mitläufer ausgebremst wird. Wenn man sich durch die Mitläufer hindurchschlängeln muss, kostet das natürlich viel Energie. Aber wie gesagt: In Budapest gab es dieses Problem kaum. Manchmal hätte ich mir sogar mehr Menschen um mich herum gewünscht, in deren Windschatten ich hätte laufen können – besonders auf dem Abschnitt zur Árpád-Brücke. Der war wegen des Windes recht unangenehm.
Der Budapest-Marathon könnte also durchaus noch weiter wachsen?
Ja, ohne weiteres. Auch die Fläche am Ziel würde weitere Teilnehmer verkraften. Abgesehen von der reinen Masse würde ich mich insbesondere freuen, wenn dieser Marathon von mehr Spitzenathleten aus anderen Sportarten entdeckt würde. Das zieht natürlich auch immer Leute aus dem Breitensport an.
Welche Tipps würden Sie den Organisatoren noch mitgeben?
Bei anderen Marathonveranstaltungen sieht man stets Werbung für andere Städtemarathons. Bei den Marathons, bei denen ich bisher mitgelaufen bin, habe ich jedoch noch nie Werbung für den Budapest-Marathon gesehen. Vielleicht sollte der Budapest-Marathon international besser vermarktet werden. Er hat aber schon jetzt ein ansehnliches internationales Publikum. Der Budapest-Marathon ist eine tolle internationale Visitenkarte für Ungarn und seine Hauptstadt.

Ein schöner Bericht über eine schöne Stadt, die noch so etwas wie Freiheit für alle bietet. Das schlägt auch auf die gute Regierung durch. Mit dem Stern an der Brust durch Berlin, wäre wohl der letzte Marathon :-).