Als wäre die Trickfilmfigur der realen Exponentin der ungarischen Coronavirus-Abwehrfront nachempfunden worden...

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Risikofaktor: Schnuffeltuch

Der operative Stab der ungarischen Regierung erfährt heutzutage viel Kritik, vor allem ob seines Unwillens, auf Fragen von regierungskritischen Medien zu antworten. Und auch das Verhältnis der Netzgemeinde zu Cecília Müller, Leiterin des Nationalen Zentrums für Volksgesundheit und Mitglied eben jenes Stabes, ist zwiegespalten. Ihre etwas (groß-)mütterliche Art ist einerseits liebenswert, wird andererseits aber auch belächelt.

Zudem gibt es kritische Stimmen, die behaupten, dass sie schlicht ungeeignet sei, eine wichtige Schlüsselrolle in einer solchen Krisensituation einzunehmen. Viele fragen sich beispielsweise, warum sie und nicht etwa Minister Miklós Kásler am Rednerpult steht. Dieser jedoch hat gleich zu Beginn der Krise bewiesen, dass er über das Kommunikationsgeschick eines Apfelkerns verfügt. Und so schickte man eben „Tante Cili”, wie Cecília Müller in manchen Kreisen scherzhaft genannt wird, vor die Kamera.

Dass ihr das nicht wirklich liegt, zeigen Sätze wie: „Das Kind sollte sein Schnuffeltuch (ungarisch „nyunyó” oder „nyunyóka”) nicht mit in den Kindergarten nehmen! Die Eltern sollten ihren Kindern daher die Schnuffeltücher stibitzen.”

„Ich gebe mein Nyunyóka nicht her!”

Kultstatus hat mittlerweile auch folgender Satz erlangt: „Er wurde von einem Auto überfahren, hatte aber auch andere chronische Erkrankungen.” Eine wahre Perle der Weisheit ist auch: „Das Coronavirus ist für junge Menschen nicht gefährlich, nur für die, die es sich einfangen.”

Auch wichtige Verhaltensregeln hat Tante Cili für uns: „Nur der sollte zum Arzt gehen, der vollkommen gesund ist!”

Kein Wunder also, dass die ungarischen Meme-Macher da aktiv wurden. Dabei ist die seit mehr als zehn Jahren in Umlauf befindliche Meme „Disaster Girl” nur der Anfang. Das Bild des diabolisch lächelnden Mädchens, das vor einem brennenden Haus steht, ist übertitelt mit dem Spruch: „Ich hab mein Schnuffeltuch desinfiziert.”

Auch eine der alten Sowjetstatuen im Memento-Park in Budapest musste als Witzgrundlage herhalten. Der kämpferische Genosse mit dem empor gestreckten Arm hat nur eine Botschaft:

„Ich gebe mein Nyunyóka nicht her!”

Müller wird zudem eine wenig schmeichelhafte, aber nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeit zu einer bekannten Trickfilmfigur nachgesagt. Ein entsprechendes Bild wurde jüngst zahlreich geteilt: Consuela, die wortkarge Haushaltshilfe aus der Serie Family Guy, ist darauf zu sehen. Die Kommentatoren des Bildes sind sich einig – selbst der monotone Tonfall ist derselbe.

Doch hoffentlich wird uns Tante Cili auch weiterhin erhalten bleiben. Denn solange Minister Kásler die einzige Alternative ist, ist Tante „Gib mir dein Nyunyóka” doch eindeutig die bessere Wahl!

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