Der Andrang in den Impfzentren hält sich trotz Impfkampagne in Grenzen. Foto: MTI/ Tibor Rosta

Neues von der Corona-Front

Zerstörte Strukturen

Mitarbeiter des Gesundheitswesens haben einen Aufruf verfasst, in dem sie vor einem Zusammenbruch des Systems warnen.

Den Aufruf, der sich an die Regierung, die Gesundheitsbehörden und indirekt auch an die Patienten wendet, unterzeichneten die Ärztekammer MOK und die Kammer der Fachassistenten im Gesundheitswesen (MESZK). „Es gibt nur ein Gesundheitswesen und nur diese Mitarbeiter, die heute an der Front stehen und sich nicht austauschen lassen“, erklärte MOK-Präsident Gyula Kincses. Die Corona-Pandemie habe eine extreme (Dauer-) Belastung mit sich gebracht, die sich auf die Qualität der Patientenbetreuung auswirke. Die Patienten müssten Verständnis aufbringen, dass ihr Hausarzt nicht verfügbar ist, weil dem jede Menge zusätzliche Aufgaben und administrative Belange aufgehalst wurden, und dass operative Eingriffe ausfallen, weil die Ärzte in Covid-Abteilungen delegiert wurden. Die Strukturen einer normalen Arbeitsordnung wurden in der Corona-Pandemie zerstört.

Zusammenbruch ohne Warnstreiks

Die Unterzeichner formulierten zwölf Vorschläge, wie das Gesundheitswesen effizient (um-) gestaltet werden könnte (und müsste). Sie merkten an, mit einem Anteil von 4-5% am BIP lasse sich das System nicht auf dem Niveau moderner Länder unterhalten. Das größte Problem sei jedoch, dass niemand auf die Meinung der Fachleute hören will und an Stelle fachlicher laufend politische Entscheidungen getroffen werden. Es werde keine Warnstreiks geben, das System breche langsam, aber sicher zusammen. Heute arbeiten rund 180.000 Menschen im Gesundheitswesen, mit sinkender Tendenz. Obendrein hätten früher 8 von 10 Mitarbeitern noch nach Erreichen des Rentenalters weitergemacht, heute vielleicht noch einer oder zwei. Zudem hält die Abwanderung in den privaten Sektor an, weil sich dort eine Perspektive biete, die im staatlichen System nicht zu erkennen sei.

Medien erkämpfen freien Zutritt

Unterdessen haben die freien Medien einen Teilerfolg gegen das für das Gesundheitswesen zuständige Ministerium (EMMI) errungen. Der Gerichtshof Budapest urteilte, das EMMI habe kein Recht, die Medien aus den Kliniken auszuschließen. Es liege allein in der Befugnis der Krankenhausdirektoren, wen sie in die Einrichtungen lassen und wer draußen bleiben muss. Das EMMI hatte reichlich diskriminierend entschieden, während der Corona-Pandemie keinen Presseorganen mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der amtlichen Nachrichtenagentur MTI den Zutritt zu den Gesundheitseinrichtungen zu gestatten. Das linksliberale Portal telex.hu zog gegen diese Entscheidung vor Gericht, nachdem es mehr als 50 Mal vergeblich um eine Fotoerlaubnis beim Ministerium ersucht hatte.

Aktuell nimmt die Zahl der klinisch behandelten Corona-Patienten wieder markant zu, die nun bei 4.500 Personen angekommen ist. Unterdessen verharrt die Zahl der auf Beatmungsgeräte angewiesenen Intensivpatienten seit zwei Wochen auf einem niedrigen Niveau, unter 200 Personen. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden hierzulande 1,6 Mio. Infektionen nachgewiesen, von denen sich 41.600 als tödlich erwiesen. Die Impfkampagne kommt nur schleichend voran: 6,1 Mio. Ungarn sind vollständig geimpft, 3,7 Mio. Ungarn erhielten außerdem die auffrischende Impfung.

11 Antworten auf “Zerstörte Strukturen

  1. Am Zustand des Gesundheitssystems lässt sich recht gut die Politik einer Regierung bemessen – zumal, wenn diese Regierung seit mehr als einem Jahrzehnt die Verantwortung dafür trägt.
    Wer Fußballstadien und Aussichtstürme baut, hat offensichtlich kein Geld mehr für das Gesundheitssystem übrig.
    Von den Fidesz-Verantwortlichen nutzt wohl kaum jemand das Gesundheitssystem, auf die der ungarische Bürger angewiesen ist.

    Es liegt nicht an der Qualifikation des Personals, sondern an der finanziellen Ausstattung und der politischen Führung, …

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    1. Im Vergleich zu Ungarn hat Deutschland gewaltige Kassenbeiträge. Und das für ignorante Ärzte, für Werbung für unnötige lukrative Behandlungen, für Krankenhausschließungen gerade in dieser Zeit. für die Pharmakonzerne, für die Asylbetrüger usw. Ich bin froh, in Ungarn davon verschont zu sein.
      Die Kritiken aus diesem Artikel gelten für Deutschland auch.

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      1. Wenn man Ungar und Deurschland kennt, weiß will, dass 7-9 MonatWartezeit fur Aufenartz oder 3 fur Orthopäde keine Seltfnheit ist . Für Hausarzttermine außer Dringlichkeit oft 3-4 Woche.
        In Ungarn sind die Uberweisungrn, Rezepte o den “Wolken” in Deutschland 2 mal zum Arzt gehen. In Dänemark gibt nicht ” Krankschreibrn” .Arbeitnehmer ruft an , dass er krank ist. Es geht ohne Attest. Und und und. In Danemark kommt auch kein Notarzt. Und man kann auch nicht selbst zu Ambulant gehen.( Man telefoniert mit einer Schwester und die entscheidet nach Gutdünken.
        Also bitte nicht pauschalisieren.

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    2. Der ganze Ostblock hat immer noch die Last der kommunistischen Regime. Aber zu Ihrer Kritik wollen Sie etwa behaupten, das sei 2002 plötzlich besser und 2010 wieder schlechter geworden? Wirklich schlecht würde es mit dem Begräbnis der Landes unter dem Zug der Asylbetrüger, wofür Sie ja kämpfen.

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  2. Sehr vereinfachte Darstellung. Wann war das Gesundheitssystem gut? Als Kranken mehrere Monatsgehalt als Paradolvrntia bezahlt haben? Woran kann man es messen? In Ungsfn gibt es cc 40.000 Arzte in Deutschland 350.000.
    Also keine wesentliche Unterschiede. Ja, es gibt von der USA durch England, Deutschland, Bulgarien, Ungarn, Slowakei, Rumänien, Spanien kein Land mit tadellosem Gesundheitssystem.

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    1. Wer das ungarische Gesundheitssystem kennt, der schließt als Deutscher eine deutsche Zusatzkrankenversicherung ab, auch wenn er in Ungarn arbeitet.
      Die meisten Ungarn können dies jedoch nicht und können sich eben die privaten Anbieter auch nicht leisten.
      Nicht die Ärtze, Krankenpfleger oder Krankenschwestern sind das Problem, sondern dass man z.B. in einem Wartesaal wie in einem Bahnhof herumsitzen muss, auch wenn es einem “nicht gut” geht.

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      1. … und in den USA kommen Sie erst gar nicht in den Wartesaal rein, egal wie schlecht es Ihnen geht, wenn Sie nicht versichert sind.
        Deutschen als Expats in Ungarn kann man den Abschluss einer Zusatzversicherung empfehlen, denn die privaten Gesundheitsleistungen hierzulande sind nicht die schlechtesten.

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        1. Auch in den USA ist die Gesundheitsversorgung sehr gut – für die, die sich eine Krankenversicherung leisten können.
          Es ist eben immer eine Frage der Qualität der Grundversorgung und dem Unterschied zwischen gesetzlicher und privater Krankheitsversorgung.
          Mir hatte mal ein Unfallchirurg den Unterschied bei einer Knieverletzung erklärt:
          Wer eine private Versicherung und Dollar hat, der bekommt eine amerikanische Schraube eingesetzt.
          Wer eine private Versicherung und einheimische Währung vorweisen kann, der erhält ein heimisches Imitat eingesetzt.
          Wer nur gesetzlich krankenversichert ist, der bekommt einen Gips ums Knie.
          Dieser Unfallchirurg war nun zwar nicht aus Ungarn und auch nicht aus Deutschland, aber das Beispiel zeigt die generelle Problematik.

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      2. In anderen Ländern ist es auch nicht anders, USA, England, Dänemark, Österreich…..
        Nach einem Unfall auf der Straße, rief ich einen Niedergelassenen Arzt, um erste Hilfe zu leisten. Kein Spur. Er tat es nicht. In jedem Land gibt es wohl gutes und schlechtes. Jeder hat gute und schlechte Beispiele.
        Wie hieß eine Gesundheitsministerin? Agnes Horvath. Sie hat angeordnet, dass jedes Bett ein Tresor erhalten soll. Die Tresors wurden von “Umfeld” gefertigt. kein WC Papier, kein Tee, aber Tresor. Also. es gibt niemand in dem Moslekkoalition, die irgend etwas gut gemacht hätten – außer SALE was zu verkaufen war und an Brüssel sich anbiedern.

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  3. Schädigung des Gesundheitswesens durch Corona-Maßnahmen mag es geben, wie in anderen Ländern mindestens so schwer. Das sollte man allerdings abstellen, vor allem kein Personal durch die unnütze gefährliche Zwangsimpfung zum Kündigen veranlassen. Mit einer Personal-Zwangsimpfung ist der Personalmangel allerdings unvermeidbar. Wer diese fordert, darf sich nicht über fehlendes Personal beklagen.

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  4. Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der besten der Welt. Klar mit Problemen, wie überall. In Ungarn, da gebe ich Ihnen Recht, ist das im privaten Sektor ganz gut. Aber wie gesagt, das kostet auch entsprechend. In Deutschland ist doch schon sehr viel mehr von der “Kasse” abgedeckt, vor allen, auch bei Medikamentenzuzahlungen. In Ungarnr trägt doch ein Rentner sienen halben Rente in die Apotheke. Wartezeiten bei CT oder MRT in Ungarn zum Teil ein halbes Jahr. Was will man denn da noch untersuchen. Sehen Sie auch die Betreung ausserhalb Budapests an. Man kann nicht immer in Ungarn alles gut finden, und in Deutschland schlecht. Der Artikel beschreibt doch nur, was die MOK kritisiert. Und ja mit 4 % vom Lohn, lässt sich ein solches System nicht finanzieren. Aber was ist denn das teuerste was wir haben ? Richtig, die Gesundheit. Und das kostet halt was. (auch ohn die Millarden Flüchtlinge in den Krankenhäusern)

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