Neues von der Corona-Front
Wissenschaftler verbreiten Schrecken?
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Zum einen stellte sich die Akademie der Wissenschaften (MTA) hinter jene Wissenschaftler, die öffentlich die Wirksamkeit der bei der Behandlung von Covid 19-Patienten eingesetzten Favipiravir-Tabletten in Frage stellten.
Akademie kontert Aufsicht
Die Aufsicht hatte noch im Januar Anzeige wegen der Verbreitung von Schreckensmeldungen gestellt und meinte dabei die Veröffentlichung von Artikeln, die das hierzulande gebilligte offizielle „Heilungs“-Protokoll angreifen. Die MTA schrieb in ihrer Stellungnahme, Favipiravir erschien in der frühen Phase der Corona-Pandemie als effizientes Mittel, um die Virenbelastung von Patienten zu senken und ihren Heilungsprozess zu beschleunigen. Bis Ende 2021 hätten jedoch immer mehr Untersuchungen eben diese Effizienz angezweifelt. Die Akademie schlägt deshalb die Ablösung durch andere Medikamente (Molnupiravir, Paxlovid) vor. Die MTA spricht sich für eine Zusammenarbeit der Wissenschaftswelt mit den Regierungsorganen aus, hält jedoch überhaupt nichts von amtlichen Verfahren gegen Wissenschaftler, die ihre fachliche Meinung kundtun. Vollkommen abwegig sei, in ihrem Fall von „Schreckensmeldungen“ zu sprechen.
Nasenspray wieder zugelassen
Zum anderen erlitt das OGYÉI eine Niederlage vor Gericht: Der Gerichtshof Budapest hob nämlich rechtskräftig ein Vertriebsverbot für das Nasenspray Virostop auf. Die Aufsicht hatte der Fytofontana Kft. Verstöße gegen die einschlägigen Vertriebsregeln vorgeworfen und die seit 2016 vorhandene Zulassung inmitten der Corona-Pandemie zurückgezogen. Dabei gelten Nasensprays als ein effizientes Mittel, um die Vermehrung des Coronavirus zu verhindern. Schon im Sommer 2020 berichtete die Budapester Zeitung von Forschungen der Universität Pécs und der Biotech-Firma Cebina in Wien, die eine Anwendung handelsüblicher Antiallergen-Nasensprays gegen Covid-19 nahelegten. Gemeinsam mit der Firma Ursapharm aus Saarbrücken wurden ein Jahr später klinische Tests zum Wirkstoff Azelastin mit Erfolg absolviert. Bei Virostop soll ein spezieller Extrakt der Kretischen Zistrose diese „Wunderwirkung“ besitzen.
„Das Virus hat sich ausgetobt“
Die Gesundheitsbehörden teilten in dieser Woche mit, bislang seien 87.000 Kleinkinder zwischen 5 und 11 Jahren sowie 277.000 Teenager zwischen 12 und 17 Jahren geimpft worden. Unterdessen meinte der bekannte Virologe Miklós Rusvai, SARS-CoV-2 habe sich mit der 5. Welle praktisch „ausgetobt“. Wer sich bislang impfen ließ, habe gut daran getan, wer es bisher nicht tat, will es auch nicht. Der Professor sieht deshalb ein nahendes Ende der Impfkampagne, die im Frühling keinen Sinn mehr mache. Er sei zuversichtlich, dass in Kürze auch die letzten Beschränkungen aufgehoben werden können.
Nach offiziellen Angaben haben sich seit Beginn der Pandemie rund 1,75 Mio. Ungarn mit dem Virus angesteckt, unter denen 43.000 an und mit Covid-19 verstarben. Während die Zahl der täglichen Neuinfektionen gegenüber dem Höhepunkt der 5. Welle auf ein Drittel gesunken ist, bleibt die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken recht hoch (rund 5.000) und sterben an der Omikron-Variante im Februar wieder so viele Ungarn pro Tag, wie an der Delta-Variante um die Feiertage am Jahresende. Die 7-Tage-Inzidenz ist derweil in der Landesmitte unter 500, und auch in den kritischen Landesteilen (Baranya, West-Transdanubien, Nordostungarn) deutlich unter 1.000 Fälle je 100.000 Einwohner gefallen.
