Neues von der Corona-Front
Orbán warnt vor Pharmalobby
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Ministerpräsident Viktor Orbán sagte dem Kossuth-Radio am Freitag, es wäre „ein großer Fehler, wenn wir uns der von der EU organisierten westeuropäischen Pharmalobby ausliefern“. Damit diese Geschäftskreise keine „Extraprofite“ einstreichen können, müsse man mehrere Standbeine haben und auch andere, unabhängige Lieferungen vereinbaren.
Unklar blieb bei dem Interview, ob der Regierungschef damit nur die Beschaffung östlicher Impfstoffe (Sputnik V, Sinopharm) nachträglich rechtfertigen wollte, oder ob Ungarn auch in Zukunft andere Vakzine als die EU bei ihrer zentralen Beschaffung bezieht. Die Rede kam auch nicht auf das Nationale Impfstoffwerk, das derzeit in Debrecen entsteht.
Wieder mehr Patienten, aber nicht intensiv
Zum Thema „Dauerimpfen“ hat der Infektiologe und Chefarzt des Zentrumskrankenhauses Süd-Pest eine klare Meinung. János Szlávik sagte dem Kossuth-Radio, Kinder, die sich mit der Omikron-Variante ansteckten, bräuchten „eine Weile lang“ keine weitere Schutzimpfung. Das gelte zumindest für gesunde Kinder in dieser Phase der Corona-Pandemie, ausgehend von den überwiegend schwachen Krankheitsverläufen. Für Erwachsene halte er derweil daran fest, die Grundimmunisierung durch zwei Impfungen nach drei, vier Monaten durch eine auffrischende Impfung zu stärken. Eine vierte Impfung wiederum sei nach Erfahrungen aus Israel nur für ältere Menschen zweckmäßig.
In der 5. Corona-Welle bewegt sich die Zahl der aufgedeckten Neuinfektionen weiterhin um 15.000 Fälle täglich. Der extrem hohe Anteil von 30-50% an positiven Tests lässt jedoch darauf schließen, dass die Gesundheitsbehörden keinen Schimmer haben, wie verbreitet die Omikron-Variante tatsächlich ist. Die Zahl der Corona-Todesfälle ist derweil im Januar nur noch langsam gegen 50 Fälle am Tag gesunken. In den Krankenhäusern werden nun wieder 4.000 Corona-Patienten behandelt. Dieser Trend zeigt seit Monatsende wieder deutlich aufwärts, ohne einen parallelen Anstieg bei der Zahl von Intensivpatienten, die auf ein Beatmungsgerät angewiesen sind.
Status bedroht
In Ungarn wurden seit Beginn der Pandemie gut 1,55 Mio. Infektionen nachgewiesen, knapp 41.500 Menschen starben an und mit Covid-19. Mittlerweile sind 6,1 Mio. Ungarn vollständig geimpft, knapp 3,7 Mio. Ungarn haben auch die auffrischende Impfung erhalten. Seit Mitte Januar wird die vierte Impfung angeboten, die bereits rund 50.000 insbesondere ältere Menschen erhielten. Die wöchentlichen Impfaktionen (jeweils donnerstags bis samstags ohne Voranmeldung) werden auch im Februar fortgesetzt. Ab 15. Februar wird der bisherige Immunitätsnachweis in einen sog. Impfausweis umgewandelt, mit der Folge, dass der Status für Personen sechs Monate nach der zweiten Impfung wieder auf „ungeimpft“ zurückgestellt wird. Aktuell droht Millionen Bürgern ein Verlust ihres Immunitätsstatus.
