Neues von der Corona-Front
Ende des Erbsenzählens
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Das „Erbsenzählen“ der Personen, die sich seit Beginn der Corona-Pandemie mit SARS-CoV-2 infizierten oder daran genesen sind, hielten wir bei der Budapester Zeitung seit langem für weniger relevant, als in den „maßgeblichen“ deutschsprachigen Medien vorgegaukelt wird. Eine neue Studie aus Großbritannien bestätigt nun diese Einschätzung.
Risiko steigt, aber schwere Fälle schwinden
Die dortigen Gesundheitsbehörden fanden nämlich heraus, dass sich mit der Omikron-Variante ungefähr zwei von drei Personen neuerlich anstecken. Dieses Risiko einer zweiten Infektion mit dem Coronavirus sei gegenüber der Delta-Variante um mehr als das Fünffache angestiegen. So wie seit Monaten bekannt ist, dass die Zahl der verabreichten Impfungen nicht deckungsgleich mit der Zahl der (gegen schwere Krankheitsverläufe) geschützten Personen ist, relativiert sich nun endlich auch die Zahlenangabe der dank Infektion immunisierten Personen. Ganz zu schweigen von der eifrig kumulierten Zahl der Personen mit „Genesenenstatus“, die wir von vornherein als statistisch unsinnig einstuften, ergo nicht verfolgten.
Eine weitere wichtige Erscheinung als Mitbringsel der Omikron-Variante handelt von deren Gefährlichkeit. Während die 5. Welle in Ungarn absolute Rekordzahlen von 20.000 und mehr aufgedeckten Neuinfektionen pro Tag brachte, ist die Zahl der klinisch behandelten Corona-Patienten nur ein wenig gestiegen, während die Zahl der auf Beatmungsgeräte angewiesenen Intensivpatienten stagnierte bzw. eher weiter abnimmt. Sorgte die Delta-Variante in der 4. Welle im Spätherbst für bis zu 10% Krankenhaus-Einweisungen anteilig zu den Infektionsfällen, sind es mit Omikron nur noch 2%. Hinsichtlich der künstlich beatmeten Patienten hat sich die Spitzenquote der 4. Welle von rund 1% derweil auf ein Zehntel reduziert!
Mathematiker führen Behörde vor
Derweil ermittelte das Mathematiker-Team um Prof. Gergely Röst an der Uni Szeged, dass die Omikron-Variante bereits Anfang Dezember Ungarn erreicht haben muss. Bekanntlich hatte das Privatlabor Neumann Labs die ersten Omikron-Fälle nachgewiesen, die Gesundheitsbehörde NNK behauptete daraufhin Anfang Januar, Omikron mache nur 11% der Neuinfektionen aus. Mitte Januar verteidigte Landesamtsärztin Cecília Müller das Vorgehen der NNK und sprach von einem Omikron-Anteil, der aktuell 29% erreiche. In dieser Woche gab Müller den Anteil mit 87% an und erklärte, die Omikron-Variante sei nun auch hierzulande dominant. Prof. Röst verwendete derweil ein spezielles exponentielles Wachstumsmodell, das den heutigen Erkenntnisstand als Schätzung für die vorangegangenen Wochen zurückrechnet. Demnach hatte die Omikron-Variante schon Mitte Dezember einen Anteil von 10-20% erreicht, der zu Weihnachten auf 40-50% kletterte. Als sich die NNK mit der Thematik ernster zu befassen begann, dürfte Omikron mit 80-90% längst dominant gewesen sein; ungefähr seit Mitte Januar gilt Delta demnach als verdrängt.
