Neues von der Corona-Front
Ein weiterer Irrtum
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Derzeit werden die Daten von den Gesundheitsbehörden noch im Wochentakt mitgeteilt; demnach gibt es weniger als 5.000 Neuinfektionen pro Woche und nur wenige tägliche Todesfälle zu beklagen. Die kritische Zahl handelt von den klinischen Corona-Patienten und hat sich binnen einer Woche auf knapp 500 verdoppelt.
„Es war ein Irrtum zu glauben, das Coronavirus könnte sich im Sommer in Europa nicht verbreiten“, sagte der Infektiologe János Szlávik. „Wir haben es nun mit Varianten zu tun, die viel leichter von Mensch zu Mensch übertragen werden.“ Günstiger sei die Lage aber deshalb, weil die meisten Infektionen nach 4-6 Tagen abklingen und kaum jemand ins Krankenhaus muss.
Virologen zu Impfungen
Der Virologe Gábor Kemenesi rät zur Rückkehr der Masken (-pflicht) in Innenräumen. In Portugal tobe eine Sommerwelle, die aber auch zeige, dass nahezu alle Todesopfer älter als 80 Jahre sind. Deshalb sollten insbesondere die älteren Menschen zur auffrischenden Impfung schreiten. Der Virologe Miklós Rusvai hebt derweil hervor, das Coronavirus sei auf dem besten Wege, zu einem „Schnupfen“ zu mutieren, ohne klinische Symptome. Die meisten Infizierten würden nämlich Husten, Heiserkeit und Schüttelfrost erleben, aber kein ernsthaftes Fieber. Allgemeine einschränkende Maßnahmen hält er deshalb für unnötig, örtliche Entscheidungen würden ausreichen. „Im Herbst erhalten wir hoffentlich einen Impfstoff, der gegen die Omikron-Variante entwickelt wurde. Die jetzt gebräuchlichen Impfstoffe erhöhen nur die Immunität gegen die ursprünglichen Varianten des Virus“, erläuterte Rusvai.

Etwas weniger Corona-Todesfälle 2021
Unterdessen haben die Gesundheitsbehörden (NNK) die Corona-Todesfälle des Jahres 2021 um knapp 1.500 auf 28.150 nach unten korrigiert. Diese Daten übermittelte die NNK dem Enthüllungsportal atlatszo.hu. Aus dem Datenschatz geht hervor, dass drei Viertel der Opfer keine Impfung erhielten. Ungeachtet von zwei Schutzimpfungen verstarben noch 3.800 Ungarn, mit drei Impfungen weitere 700 Ungarn an und mit Covid-19. Weil die genauen Impfdaten weiterhin nicht übermittelt wurden, lassen sich aber keine weitreichenden Schlüsse aus diesen Zahlen ziehen. Bis zum Jahresende 2021 hatten knapp 3,2 Mio. Ungarn die auffrischende Impfung erhalten. Heute sind 6,4 Mio. Ungarn geimpft, von denen 60% drei oder sogar vier Impfungen aufnahmen.
Kaum Viren im Abwasser
Wegen der fortgeschrittenen Durchimpfung der Bevölkerung und dem aktuell zurückhaltenden Infektionsgeschehen haben die Behörden die Impfkampagne weiter eingeschränkt: Seit Ende Juni stehen die klinischen Impfzentren nur noch Freitagnachmittag (14-19 Uhr) offen. Zwar zeigt die in den Klärwerken nachgewiesene Konzentration des Coronavirus an den meisten Orten landesweit Stagnation, im Umland von Budapest und in Eger steigt die Konzentration aber wieder. Entspannt ist die Lage nur noch im Landeswesten und im Südosten, auf einer Schneise von Szombathely über Szekszárd bis Békéscsaba.
