Mit dem BudaPart entsteht in Südbuda ein Stadtteil der Superlative. Foto: Arne Hübner

Immobilienentwicklung BudaPart

Zurück ans Wasser

Endlich erobert sich Budapest seinen größten Schatz zurück: Die Ufer der Donau.

Während Ende des 19. Jahrhunderts prachtvolle öffentliche Neubauten der Donaumetropole ein neues Image verpassten, wächst nun im Süden der Stadt ein hochmoderner Stadtteil in die Höhe, der in Budapest neue Maßstäbe setzen wird, sowohl in seiner funktionalen Mischung, seiner logistischen Ausführung, als auch in seiner städtebaulichen und architektonischen Qualität.

Schon der Name der ältesten Siedlungsanlage des heutigen Budapests verrät es: Aquincum, die alte Hauptstadt der römischen Provinz Pannonien, war am Wasser gebaut. Auch das mittelalterliche Buda hat seinen Namen wahrscheinlich dem slawischen Wort für Wasser – voda – zu verdanken.

Noch bis zum Ausgleich mit Österreich 1867 behielten die beiden Donaustädte ihren eigenständigen Charakter bei: am westlichen Ufer das hügelige, barocke Buda mit der Königsburg und seinen geschwungenen Gassen zwischen Burgberg und Donauufer, auf östlicher Seite das für den Handel ideal angelegte flache Pest mit seinen zum Ufer parallel verlaufenden Geschäftsstraßen, Gassen und Plätzen. Sechs Jahre nach dem Ausgleich kam es dann zur Vereinigung zur Gesamtstadt Budapest und kurz darauf zum größten Bauboom der Stadtgeschichte. Der bereits 1849 fertiggestellten Kettenbrücke folgten rasch die Margareten- (1876), Franz-Joseph- (1896, heute Freiheitsbrücke) und Elisabeth-Brücke (1903), die die Stadthälften wie ein Reißverschluss miteinander verzahnten, aber gleichzeitig ein vollkommen neues Gesicht der noch jungen, unabhängigen Hauptstadt schufen.

Blick vom Gellértberg über die Technische Uni nach Südbuda 1926 … Foto: fortepan/TEHTUBE
… und heute. Foto: Arne Hübner

Dem Fluss zugewandt und somit ihre Bedeutung zur Schau stellend reihten sich um die Jahrhundertwende zahlreiche öffentliche Bauten am Donau­ufer entlang: das fast 300 Meter lange Parlamentsgebäude, die Akademie der Wissenschaften, die großen Hotels zwischen Ketten- und Elisabeth-Brücke, das Hauptzollamt (die heutige Corvinus-Universität) und die Große Markthalle, die Technische Universität und das Gellért-Bad zu beiden Seiten der Franz-Joseph-Brücke, sowie der Burggarten-Basar den Hotels gegenüber. Der Budaer Burgpalast selbst wurde bis 1905 auf eine Länge von 304 Metern erweitert und krönte gewissermaßen die radikalen städtebaulichen Umbaumaßnahmen.

Infrastruktur und Repräsentation – so lässt sich zusammenfassen, waren vor 120 Jahren die Aufgaben der größtenteils öffentlichen Neubauten mit direktem Wasserbezug. Wohnnutzung am Wasser zum Beispiel gab es vor allem im Norden des Budaer Ufers sowie zwischen Elisabeth- und Franz-Joseph-Brücke auf Pester Seite. Südlich der Franz-Joseph-Brücke dominierten auf Pester Seite Lagerhäuser und Vorarbeiten für den zukünftigen Frachtenbahnhof. In Buda hingegen war an diesem Flussabschnitt ein Infrastrukturprojekt in vollem Gange, das keinen weiteren Aufschub erlaubte: die Verengung und Vertiefung des Flussbettes.

Der MOL-Tower wird eine Höhe von 120 Metern haben. Foto: fortepan/TEHTUBE

Schutz vor dem Wasser

Die schmale Donau zwischen Buda und Pest war zwar strategischer Vorteil bei der Gründung der Städte im Mittelalter, aber ein verheerender Nachteil zu Hochwasserzeiten. Als im März 1838 die zugefrorene Donau zu tauen begann, stauten sich am flachen und breiten Donauabschnitt südlich des Stadtgebiets die Eisschollen meterhoch, sodass die eiskalten Wassermengen nicht abfließen konnten und die Gassen und Plätze vor allem auf Pester Seite überflutet wurden.

BUDAPART IN ZAHLEN

  • konzipiert für rund 7.000 Bewohner und 23.000 Büroangestellte
  • 54 ha Gesamtfläche davon:
    – 17 ha Baufläche
    – 11 ha Wasserfläche
    – 26 ha Grünfläche
  • 250.000 qm Bürofläche in 13 Bürobauten
  • 3.000 Wohnungen in 15 Wohnbauten
  • 15.000 qm Handelsfläche in den Erdgeschossen
  • ein Hotel mit 198 Zimmern
  • Etwa ein Viertel des Entwicklungsgebiets, das in vier Bauabschnitten errichtet wird, ist bereits vollendet, u.a. 700 Wohneinheiten, zwei Bürogebäude und mehrere Geschäfte.

Grundsteinlegung BudaPart: Juni 2017
Grundsteinlegung MOL Campus: Oktober 2018
Beendigung: 2027

Die Ursache der Naturkatastrophe wies den Weg zur Lösung des Problems: zwecks eines schnelleren Wasserabflusses musste auch im Süden der Stadt, dort wo der Palatinal-Garten (Nádorkert) lag, das Flussbett verengt und vertieft werden. Sehr schnell war mit dem sogenannten Regulierungsdamm technische Abhilfe geschaffen, der die Flussbreite ähnlich schmal regulierte, wie weiter flussaufwärts. So entstand vorübergehend eine separate Wasserfläche: etwa zwischen Franz-Joseph- und heutiger Rákóczi-Brücke lag der Lágymányoser See, dessen Areal nach der Aufschüttung 1885 von der Technischen Universität genutzt und überbaut werden konnte. Südlich der Rákóczi-Brücke blieb die Wasserfläche erhalten und bildet seitdem die Lágymányoser Bucht. Der zum Fluss hin abgrenzende, sogenannte „Kahle Damm“ (Kopaszi-gát) bekam seine Bezeichnung von der früher hier liegenden Sandbank gleichen Namens. Genau hier wiederum ist momentan eines der ambitioniertesten Wohn- und Geschäftsviertel der Stadt im Bau.

Von den 28 Geschossen des Mol-Tower existieren bereits 24. Foto: Arne Hübner

2003 gründete der 11. Stadtbezirk die bezirkseigene Öböl XI Kft., um die Landzunge und das an der künstlichen Bucht liegende Gebiet zu entwickeln. Bereits vier Jahre später konnte der nach Plänen der Landschaftsplaner Garten Studio neugestaltete „Kahle Damm“ als öffentlicher Park eingeweiht werden. Den Verantwortlichen fehlte allerdings der Mut, den 20 ha großen Park als reinen Park zu revitalisieren, sodass sich nun mehrere Pavillons nach Entwürfen des Büros t2a den Damm entlang reihen und eine parkuntypische Nutzungsdichte erzeugen.

2015 wurden der Damm und die noch nicht bebauten Flächen an der Bucht, insgesamt 57 ha, an die neu gegründete Property Market Kft., ein Tochterunternehmen der Market Bau Kft., verkauft, eine für die Entwicklung der Wasserlage zweifellos richtige Entscheidung: im Jahresrhythmus wurde die Vision für das von nun an BudaPart (dt.: BudaUfer) genannte Entwicklungsgebiet immer klarer.

Für das Gesamtprojekt ist das renommierte britische Architekturbüro Foster + Partners verantwortlich. Planstudie: Foster + Partners

2016 gewann das dänische Büro ADEPT den städtebaulichen Wettbewerb, der sehr gekonnt Budapester Straßen- und Hof-Typologien mit den Anforderungen eines Immobilienkomplexes am Wasser kombiniert und auch eine Höhendominante zulässt – für Budapest eher unüblich. 2017 präsentierte dann Ungarns größtes Unternehmen MOL den Siegerentwurf für den 120-Meter-Turm. Das international bekannte britische Architekturbüro Foster + Partners (u.a. Neugestaltung des Reichstags in Berlin, Apple Park in Kalifornien und das gurkenförmige Bürohaus „Gherkin“ in London) gab das Design für die neue Firmenzentrale vor, die in Kooperation mit dem namhaften Budapester Büro Finta Studio aller Voraussicht nach bis 2022 errichtet wird. Von den 28 Geschossen ragen bereits 24 aus dem Sandboden des früheren Palatinal-Gartens.

Planstudie: Foster + Partners

Wohnen und Arbeiten – so lässt sich zusammenfassen – wird die Funktionsmischung des neuen Stadtteils BudaPart sein. Fünf Wohn- und drei Bürobauten sind bereits fertiggestellt beziehungsweise im Bau, was etwa einem Viertel des gesamten Bauvolumens entspricht.

Und was kann die öffentliche Hand zum gesamtstädtischen Erfolg des Privatprojekts beitragen? Die Ungarischen Staatsbahnen MÁV, das Innovations- und Technologieministerium und nicht zuletzt das Budapester Entwicklungszentrum (BFK) planen im Rahmen des Verkehrsprojekts Budapest2040 drei neue Haltepunkte für den öffentlichen Nah- und sogar Regionalbahnverkehr im Süden Budapests, einer davon soll Nádorkert (Palatinal-­Garten) heißen.

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auf der Homepage von

Guiding Architects Budapest: ga-budapest.net

Kontakt: info@ga-budapest.net

Ein Gedanke zu “Zurück ans Wasser

  1. Toller Bericht, 200% lesenswert. Budapest gehört zu den europäischen Hauptstädten, in deren Mitte in den kommenden ein bis zwei Jahren architektonisch besonders viel Neues und saniertes Altes zu sehen ist. Darüber sollte die Deutsche Welle mal berichten!

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