Eine der bekanntesten Kneipen des Szenenviertels: „Das Szimpla hat sich meines Erachtens beispielhaft darum bemüht, der Situation Herr zu werden.” (Foto: Facebook)

Hauptstadttourismus steht vor Veränderungen

Schluss mit Partys und Kurzzeitvermietung?

Es ist kein Geheimnis: Der Tourismus steht in diesem Jahr vor nie dagewesenen Herausforderungen. Zu Beginn der Woche wurden neue Zahlen veröffentlicht, denen zufolge im April der Touristenverkehr in Budapest um fast 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen ist. Neben dem Coronavirus dürften dieser Tage zwei weitere Entwicklungen jenen das Leben schwer machen, die in der ungarischen Hauptstadt vom Tourismus leben.

Bereits Ende März erließ die Kommunalverwaltung im 7. Bezirk eine Verordnung, die es Lokalen und Geschäften im sogenannten „Partyviertel” nur noch dann erlaubt, Gäste nach Mitternacht zu bewirten, wenn diese gewissen Kriterien entsprechen. Mit Blick auf die Corona-Krise wurde das Inkrafttreten jedoch auf die Zeit nach dem Notstand verschoben. Diese ist nun gekommen und Kneipiers im Bezirk bereiten sich auf das Ende der Übergangszeit und den Genehmigungsprozess vor. Dabei ist die Stimmung durchwachsen.

„Keine ausreichende Kenntnis des Bezirks“

Zsolt betreibt gleich mehrere Lokale und Lebensmittelgeschäfte in der Innenstadt. „Ich bin hier aufgewachsen und habe mich schon immer für Handel und Gastwirtschaft interessiert. Für mich war klar, dass ich einmal etwas in diese Richtung machen will.” Eine seiner Bars ist das Stifler32 in der Rákóczi út. „Die Pandemie hat den Tourismus komplett eingestampft. Mit ungarischen Gästen könnten wir zumindest einen Teil des Ausfalls kompensieren. Vielleicht würde sich dabei nicht dieses riesige Partyfeeling einstellen, aber eine gemütliche Hausparty würde allemal zusammenkommen.”

Mit der Einführung der Sperrstunde im Bezirk sieht Zsolt diese Möglichkeit jedoch in Gefahr. „Die technische Umsetzung der Anforderungen ist nicht einmal das Problem. Ich persönlich finde ja, dass ein Lokal, das etwas auf sich hält, sich eh darum kümmern sollte, dass der Bereich vor der eigenen Tür in Ordnung gehalten wird. Wir machen jedenfalls jeden Tag sauber.” Auch in der Lärmregulierung durch doppelte Türen sieht Zsolt kein Problem. Was ihn jedoch massiv stört, ist, dass die Bezirksverwaltung seiner Meinung nach nicht genügend Kenntnis des Bezirks habe. „Seit zwei bis zweieinhalb Jahren halten die meisten Lokale ihren Bereich in Ordnung. Wir haben angefangen, die Verantwortung für unser Umfeld zu übernehmen.”

Airbnb-Wohnungen sind auf die Bedürfnisse dieser Klientel zugeschnitten. (Foto: pixabay)

Für Zsolt bedeutete dies, dass er beispielsweise sein Sicherheitspersonal explizit anwies, den Lärmpegel vor der Tür niedrig zu halten und Drogendealer zumindest aus dem Umkreis seines Lokals zu verbannen. „Der positive Einfluss war sehr spürbar”, ist sich Zsolt sicher. Er geht sogar noch weiter und führt als Beispiel die kürzliche Messerstecherei am Deák tér an: „Vor der Krise, als dort tagtäglich Tausende Menschen Spaß hatten und sich vergnügten, gab es sowas nicht. Eben weil jeder Lokalbetreiber darum bemüht war, eine freundliche und sichere Atmosphäre zu gewährleisten – auch durch Sicherheitspersonal. Kaum ist dieses nicht mehr da, passiert so etwas.”

Mit gutem Beispiel voran

Barbara betreibt die Dzzs Bár in der Nagydiófa utca, mitten im Herzen des Partyviertels. Sie steht den neuen Regulierungen wesentlich entspannter gegenüber: „Es ist möglich, den Anforderungen zu entsprechen.” Doch Barbara sieht das eigentliche Problem nicht in bautechnischen Details, sondern in den auf der Straße trinkenden Menschen.

„Der Bezirk hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert und die verschiedenen Verwaltungen haben einfach nicht damit Schritt halten können. Wo mehr Leute unterwegs sind, muss es mehr Polizeipräsenz geben und mehr Einsätze der Stadtreinigung. Außerdem ist es schlicht ein Unding, dass Polizisten in der Innenstadt kein Englisch sprechen!”, kritisiert sie.

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten seien viele Aufgaben, die eigentlich der Bezirksverwaltung obliegen würden, auf die Betreiber von Lokalen abgewälzt worden: „Das Szimpla beispielsweise hat sich meines Erachtens beispielhaft darum bemüht, der Situation Herr zu werden.”

Andere bekannte und stark frequentierte Etablissements hätten hingegen nichts getan. Bis heute würden Taxis dort hupend vor dem Club in engen Straßen auf ihre Passagiere warten. „Ich glaube, wir brauchen eine schrittweise Regulierung, auch wenn ich die gewünschte Umstellung auf „hochklassigere Touristen” für vollkommen unrealistisch halte. Denn selbst diese wollen sich das Partyviertel nicht entgehen lassen, weil es einfach eine Sehenswürdigkeit ist.”

Auf die Frage, wo Barbara den größten Bedarf für Reglementierungen sieht, antwortet sie: „Bei Partyhostels und den Organisatoren von Junggesellenabschieden, denn diese, da bin ich mir vollkommen sicher, operieren zu großen Teilen in kompletter Illegalität.”

Neue Auflagen im Partyviertel

Diesen Bedingungen müssen Lokale im 7. Bezirk demnächst entsprechen, um nach Mit­ter­nacht noch Gäste bewirten zu dürfen:

  • in die Musikanlage muss ein zertifiziertes Instrument zur Lautstärke­regelung eingebaut sein
  • am Eingang des Lokals muss eine Vorrichtung zum Zählen der Gäste installiert werden (um Kapazitätsbestimmungen einzuhalten)
  • zwischen 22 und 8 Uhr dürfen keine Warenlieferungen erfolgen
  • Toiletten müssen öffentlich zugänglich sein und kenntlich gemacht werden
  • es müssen Vorkehrungen getroffen werden, damit Gäste ihre alkoholischen Getränke nicht auf der Straße trinken (dazu muss ein Aktionsplan erstellt werden)
  • es muss stets ein Angestellter vor Ort sein, der die Gäste über die geltenden Regelungen im Bezirk informiert
  • der Bereich vor dem Lokal bzw. vor dem gesamten Haus muss täglich mindestens einmal mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden
  • für die Müllentsorgung muss ein gesonderter Vertrag abgeschlossen werden
  • Einwegplastikbecher sind verboten

Verbote – nein! Ordnung – ja!

Mit gemischten Gefühlen blickt auch Lokalbetreiber Tamás, der hier nicht mit richtigem Namen genannt werden möchte, den Veränderungen entgegen. Seine Bar befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Deák tér. „Wir haben jetzt damit angefangen, uns technisch auf das Genehmigungsverfahren vorzubereiten, sprich, eine neue Tür einbauen zu lassen und Ähnliches.”

Generell empfindet er die neuen Regelungen keineswegs als Verbote: „Wir müssen sehen, wie sie letztlich angewendet werden, ob man uns verbieten oder nur Ordnung schaffen will.”

Letzteres wäre dringend nötig, sagt Tamás, insbesondere wenn es um die Einhaltung von Lokalkapazitäten geht: „Es gibt Bars, die kümmern sich nicht um die Anwohner, vor allem kleine Lokale, die ihre Gäste mitsamt Getränk vor der Tür stehen lassen.” Hier sieht er großen Handlungsbedarf, da dies auch negative Auswirkungen auf die umliegenden Lokale habe.

Zwischen dem existierenden Party- und einem von vielen präferierten Kulturviertel sieht Tamás keine Unterschiede: „Diese beiden Entwürfe schließen sich keineswegs aus, es müssen einfach nur die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ Er hält es für den falschen Weg, sollte die Bezirksverwaltung nun versuchen, mittels Hürden und Erschwernissen die organisch gewachsene Ausrichtung des Viertels zu verändern. Auch weil Lokalbetreiber wie er in den vergangenen Jahren viel Geld und Arbeit investiert haben, um das Viertel zu dem Touristenmagneten zu machen, der es heute ist.

Anwohner haben ein Recht auf Ruhe

Laut Gábor Hermann, Kommunikationsbeauftragter des Bezirks, gehe es bei den neuen Regelungen jedoch keineswegs um eine gezielte Umgestaltung des Viertels. Gegenüber der Budapester Zeitung betont er: „Unser Ziel ist, dass diejenigen, die hierherkommen, um sich zu vergnügen, stets im Hinterkopf behalten, dass hier auch Menschen wohnen. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht vergnügen darf, aber die Anwohner sehnen sich am Wochenende, wie alle anderen auch, nach Entspannung und Ruhe. Unser Ziel ist es, ihnen die Möglichkeit dazu zu geben.”

Nach Hermanns Meinung wird die Verordnung bisher positiv angenommen: „Wir erhalten fortlaufend Rückmeldungen, dass Menschen sich freuen, dass sich ihrer Probleme endlich angenommen wird.” Sowohl im Vorfeld als auch jetzt gebe es im Rahmen einer Arbeitsgruppe einen fortlaufenden Dialog zwischen Anwohnern, Lokalbetreibern und Verwaltung. Im Rahmen der Diskussionen hält Hermann es für besonders wichtig, alle Beteiligten ausreichend zu informieren. Bisher gebe es hier zum Teil noch massive Defizite: „Aktuell gibt es, da die Verordnung ja noch nicht in Kraft ist, nur verstärkte Kontrollen”, erzählt er.

Überprüft werde dabei beispielsweise auch, ob Terrassen tatsächlich nur bis 22 Uhr geöffnet sind. Eine entsprechende Verordnung dazu ist bereits seit acht Jahren in Kraft. Trotzdem sei dieser Umstand vielen Lokalbetreibern vollkommen neu. Der Kommunikationsbeauftragte erklärt: „Es fühlt sich für die Betreiber ein wenig befremdlich an, dass die Bezirksverwaltung jetzt verstärkt darauf achtet.”

Wohnen im Partyviertel

Eine, die weiß, wie es ist, mitten im Partyviertel zu leben, ist Ildikó. Die junge Mittzwanzigerin lacht, wenn sie nach ihrer Meinung zu den Problemen im Bezirk gefragt wird: „Ich bin bestimmt das Kuckucksei, aber ich liebe es, dort zu wohnen, wo das Leben pulsiert.”

Ildikós Wohnung liegt im heißen Herzen des Viertels, in unmittelbarer Nähe zum Szimpla, vor dem sich allabendlich lange Schlangen bilden. Auch wenn die junge Frau nichts gegen diese Lokale im Allgemeinen hat, stört sie sich doch an jenen Feierwütigen, die auf der Straße trinken und damit den Lautstärkepegel unnötig in die Höhe treiben. „Wenn die neuen Regelungen hier ansetzen würden, dann glaube ich, ist das eine gute Richtung”, sagt Ildikó.

Ihrer Meinung nach würden Gäste so wieder in die Bars und Clubs umgeleitet und die Straßen ruhiger. „Früher gab es schon mal den Versuch, dass Leute in bunten Kostümen die Menschen auf der Straße auf witzige Art dazu aufriefen, leise zu sein. Mehr davon!” Ildikó ist sich sicher: Wenn man nur die Feiernden dazu bringen könnte, sich auf der Straße besser zu benehmen, würden sich alle wesentlich besser fühlen im Viertel.

Ende für Kurzzeitvermietungen?

Doch nicht nur die neuen Auflagen könnten sich zukünftig als Herausforderung für die Betreiber von Lokalen und Geschäften im Partyviertel erweisen. Zsolt, Betreiber der Bar Stifler32, sieht seinen Umsatz auch durch die geplante massive Beschränkung kurzfristiger Wohnungsvermietungen bedroht. Die Corona-Krise habe ihm einen Vorgeschmack darauf gegeben, was es bedeutet, wenn die Touristen nicht mehr direkt im Viertel unterkommen: „Mir ist aufgefallen, dass seit Beginn der Krise viel weniger Menschen in unseren Lebensmittelladen kommen. Viele Fenster in den Wohnhäusern bleiben abends dunkel.”

Sollten die geplanten Beschränkungen so umfassend ausfallen, wie viele Vermieter fürchten, könnte dies auch in Zukunft so bleiben. Nach einem Entwurf der Hotellobby, der nun auch von der Regierung abgesegnet wurde, sollen die Nächte, in denen eine Wohnung für touristische Zwecke (kurzfristig) vermietet werden kann, auf 120 pro Jahr beschränkt werden. Viele Wohnungsinhaber, die in diesem Bereich tätig sind, bangen nun um ihr Einkommen.

Klára (Name von der Redaktion geändert) hat in den vergangenen Jahren viel Zeit und Geld in eine kleine Wohnung gesteckt, die sie als Investition gekauft hatte: „Ich wollte mit den Airbnb-Einnahmen meine Mutter unterstützen, die nur eine kleine Rente bezieht.” Damit könnte nun Schluss sein, denn Klára sieht keinen Weg, wie sie mit nur 120 Übernachtungen im Jahr genügend Einnahmen generieren könnte.

Eine langfristige Vermietung kommt für Klára nicht in Frage. Die Wohnung sei einfach nicht darauf ausgelegt, da die junge Frau sich bei der Renovierung ausschließlich an den Bedürfnissen von Übernachtungsgästen – nicht Mietern – orientiert habe. So gibt es nur wenig Stauraum, da Gäste, die nur kurz bleiben, diesen nicht brauchen. Dafür ist die Wohnung, wie viele andere Ferienwohnungen auch, sehr viel hochwertiger ausgestattet als eine durchschnittliche Mietwohnung und zudem auch vollständig möbliert.

Aussteigen ist für Klára jedoch keine Option: „Ich habe die Wohnung vor knapp zwei Jahren gekauft, wenn ich sie innerhalb von fünf Jahren wieder verkaufe, muss ich eine wahnsinnig hohe Steuerlast tragen. Außerdem werden die Immobilienpreise jetzt vermutlich einbrechen. Ich werde noch die nächsten 3,5 Jahre brauchen, um den Kredit für die Wohnung abzuzahlen. Das einzige, was ich momentan tun kann, ist heulen.”

Touristen würden im Zweifelsfall andere Reiseziele wählen

Balázs Schumicky vom Ungarischen Verband der Apartmentvermieter findet klare Worte: „Der Vorschlag der Reglementierung kommt direkt von der Interessenvertretung der Hotelverbände. Diese sagt, sie wolle, dass Apartments den gleichen Bedingungen unterliegen wie Hotels. Aber warum soll diesen dann der Betrieb das ganze Jahr über gestattet sein?”

Balázs Schumicky vom Ungarischen Verband der Apartmentvermieter: „Der Vorschlag der Reglementierung
kommt direkt von der Interessenvertretung der Hotelverbände.“

Das Argument, dass Gäste, die bisher in Ferienwohnungen abgestiegen sind, mit deren Zurückdrängung auf Hotels ausweichen würden, ist Schumicky zufolge nicht haltbar: „Die ungarische Tourismusagentur MTÜ hat Meinungsumfragen durchgeführt. 80 Prozent der Apartmentgäste sagen, dass es ihnen wichtig sei, in dieser Form der Unterbringung abzusteigen. 60 Prozent der Befragten wären überhaupt nicht gekommen, wenn es keine Apartments gegeben hätte.”

Diese Touristen würden im Zweifelsfall andere Reiseziele wählen. Mit ihnen macht auch das Geld, dass sie anderenfalls hier ausgeben würden, um Budapest einen Bogen. Schumicky weiß: „Einerseits bleiben Gäste, die in Wohnungen absteigen, im Schnitt 3,5 Nächte, wohingegen Hotelgäste nur rund zwei bis 2,5 Nächte bleiben. Andererseits gibt, wer in Apartments seine Ferien verbringt, mehr Geld in Gaststätten und anderen Lokalen aus.”

Mehr Kontrolle bei Kurzzeitvermietungen nötig

Die rund 3,1 Millionen Apartment-Übernachtungen pro Jahr verteilen sich laut Schumicky auf rund 7.000 Vermieter, zumeist Familien und Privatpersonen: „Unsere Erfahrung ist, dass der Großteil der Wohnungsbesitzer tatsächlich nicht massenweise Apartments betreibt, sondern sich mit einer oder zwei Wohnungen einen Zuverdienst schafft.”

Zumindest trifft dies auf den offiziell registrierten und auch Steuern abführenden Teil der Wohnungseigentümer zu: „Doch rund 30 Prozent der Kurzzeitvermietungen geschehen schwarz.”

Sowohl Kurzzeitvermieterin Klára als auch Balázs Schumicky sehen in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik. Klára erinnert sich, dass es vor einigen Jahren eine Welle an Kontrollen gab, bei der die Steuerbehörde Buchungsportale durchstöberte und verglich, wer seine Immobilie registriert hat – und dementsprechend Steuern zahlt: „Aber seit dieser einen Welle ist nichts mehr passiert.”

Dabei wäre es laut Schumicky ganz einfach, sicherzustellen, dass sich nur diejenigen auf Buchungsportalen registrieren können, die auch administrativ erfasst sind: „Wer sich beim Nationalen Zentrum für touristische Datenerhebung (NTAK) anmeldet, der bekommt eine Nummer. Wenn diese bei Buchungsportalen verpflichtend angegeben werden müsste, wäre das Problem der Schwarzvermietungen gelöst.”

Weniger Airbnb bringt keine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt

Ein weiteres Argument gegen die kurzfristige Wohnungsvermietung lautet, dass diese die Immobilien- und Mietpreise in die Höhe treiben würde. Doch auch hier sieht Schumicky eine Diskrepanz zwischen wahrgenommener und faktischer Realität: „In Budapest sind nur ein Prozent der Wohnungen als Gästeunterkünfte registriert, selbst in der Innenstadt sind es nur 4,5 Prozent.”

Laut offiziellen Angaben, so Schumicky, stehen zudem allein im 5., 6. und 7. Bezirk 24 Prozent aller Wohnungen leer, niemand ist dort gemeldet. Es kann jedoch vermutet werden, dass die Bewohner dieser Unterkünfte sich auf Wunsch oder Drang der Vermieter nicht haben registrieren lassen.

Ähnlich skeptisch sieht Schumicky auch das Argument der Mietpreissteigerungen: „Das ist ein populistisches Argument. Nicht wegen der Kurzzeitvermietungen sind die Preise gestiegen, sondern weil es keinen sozialen Wohnungsbau gibt.”

Sollten demnächst, wie es Klára befürchtet, viele frühere Ferienwohnungen auf den Markt kommen, werde dies das Mietproblem auch nicht lösen. Schumicky argumentiert, dass die Preise nicht nur in Budapest in den vergangenen Jahren massiv angestiegen sind, „sondern in ganz Ungarn und auch da, wo es absolut kein Airbnb gibt.”

Dass die neue Regelung den Markt auf den Kopf stellen wird, sei jedoch sicher: „Apartments operieren meist mit einer Belegungsquote von 70 Prozent. Wenn wir nur noch 120 Tage im Jahr zur Verfügung haben, machen wir dicht.”

Was bleibt, ist Unsicherheit

Und der Interessenvertreter sieht noch eine weitere negative Konsequenz: „Wenn durch die Vermietung weniger Geld reinkommt, dann wird auch weniger in die Objekte investiert. Das ganze Haus verliert damit.”

Doch nicht nur den Kurzzeitvermietern entfallen Einnahmen, mittelbar werden auch Dienstleister negativ betroffen sein: „Der Apartmentmarkt bietet vielen Menschen Arbeit. Menschen, die entweder schlecht ausgebildet sind oder sich noch in der Ausbildung befinden. Diese zwei Gruppen sind im Dienstleistungssektor rund um Apartments überrepräsentiert. Ihr Auskommen ist nun ebenfalls in Gefahr.”

Auch Kneipier Tamás sieht die Entwicklungen kritisch: „Klar, Reglementierung ist notwendig, aber in Zeiten, in denen der Tourismus eh schon am Boden liegt, sind beschränkende Regeln genau das Falsche.” Er fürchtet, dass mit der Beschränkung der Kurzzeitvermietung die Budapester Innenstadt bald einer ähnlichen Saisonalität unterworfen sein wird, wie man sie sonst nur von Badeorten kennt: überfüllt im Sommer, verlassen im Winter.

Ein Abgesang, wie ihn die Organisatoren eines „Trauerzuges für das Budapester Nachtleben” am 29. Juli planen, ist vielleicht noch verfrüht, doch eines ist gewiss: Budapest stehen Veränderungen ins Haus.

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