Blick über den Park Richtung Esztergomi utca. Foto: XIII. Kerület Önkormányzata

„Out & About – Architektur entdecken!”

Preisgekrönter Kindergarten öffnet seine Tore

Bereits zum 17. Mal wird in diesem Jahr der Mies-van-der-Rohe-Preis verliehen.

Der 1988 gegründete EU-Architekturpreis würdigt herausragende Leistungen der zeitgenössischen Baukunst und legt dabei sein Hauptaugenmerk auf die Komplexität von Architektur und Städtebau. In die engere Vorauswahl schaffte es für Budapest der Kindergarten Vizafogó im 13. Bezirk, der am 21. Mai seine Tore öffnen wird.

Premiere feiert in diesem Mai das Fest „Out & About – Architektur entdecken!”, bei dem alle in die Vorauswahl gelangten Bauten des Mies-van-der-Rohe-Preises in über 25 europäischen Städten öffentlich zugänglich sein werden. In Budapest wird aber nicht nur der ursprünglich in Plattenweise errichtete und um eine pfiffige Holzarchitektur erweiterte Kindergarten vorgestellt (siehe BZ Magazin 18/2021), sondern auch der jüngst eingeweihte Ökopark Vizafogó, nur ein paar Schritte vom prämierten Haus entfernt und vom gleichen Team entworfen.

Klimaschutz, Nachhaltigkeit und eine natürliche Oberflächengestaltung

Der Park – eine Zusammenarbeit von Archikon architects und dem Landschaftsplanungsbüro Objekt – möchte modellhaft ein ökologisch intensiver, öffentlicher Park nicht nur für den Bezirk, sondern auch für ganz Budapest sein. Planerische Schlüsselelemente waren die unmittelbare Nähe zur Natur – mitten in einer Plattenbausiedlung –, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und eine natürliche Oberflächengestaltung. Aber was heißt das konkret, was das Prinzip der sogenannten SmartCity umschreibt?

Blick über Vizafogó 1972, im Hintergrund der alte Bahnhof. Foto: Fortepan

Im Park gibt es nicht nur 59 junge Bäume und rund 20.000 Pflanzen, sondern auch Ruhebänke, an denen Mobiltelefone oder Tablets aufgeladen werden können, während für die öffentliche Sicherheit ein hochmodernes Technologiesystem sorgt. Aber auch ein stegartig angelegter Servicepavillon mit Restaurantnutzung und Toiletten stehen Spaziergängern zur Verfügung.

Herzstück des Parks ist der neue, eineinhalb Meter tiefe Kunstteich, aus dem die Skulptur „Fisch“ von János Lestyán-Goda ragt – schließlich ist Vizafogó, zu Deutsch Störfänger, Namensgeber des Stadtteils im 13. Bezirk. Das auf dem Dach des Pavillons gesammelte Regenwasser fließt über eine Regenwassernutzungsanlage in den Teich und gleicht so Verdunstungsverluste aus. Bei längerem Ausbleiben von Niederschlägen kann der Wasserverlust durch einen gebohrten Grundwasserbrunnen ausgeglichen werden, ein automatisches Anzeigesystem überwacht dabei stets den Wasserstand im Teich.

Der Vizafogó Kindergarten. Foto: Tamás Bujnovszky

Die Beleuchtung des Parks erfolgt über selbstregulierende LED-Leuchten, so dass die Helligkeit in besucherarmen Zeiten reduziert und somit Energie gespart werden kann. Über 30 Fahrradständer, Kicker- und Tischtennisplatten runden das modellhafte Parkkonzept ab.

Grüner Stadtumbau

Möglich wurde die Parknutzung auf der einst trostlosen Brachfläche von fast 10.000 Quadratmetern zwischen Párkány und Esztergomi utca erst durch eine bezirkliche Ba§uordnungsänderung: die ehemals bebaubare Fläche wurde in eine öffentliche Grünfläche umgewidmet.

Zugleich ist der neue Park Teilstück einer ganzen Reihe von Erneuerungsmaßnahmen im Bezirk. Die Modernisierung und Humanisierung der Vizafogó-Siedlung begann unter dem Titel „AngelGreen 3.0“ bereits vor einem Jahrzehnt. Die sanierte Kinderkrippe Ugribugri und der bereits erwähnte Kindergarten Vizafogó, das Ärztehaus an der Révész utca und zahlreiche sanierte Wohnzeilen sind Teil des grünen Stadtumbaus.

Die Bauarbeiten für den Park dauerten übrigens gerade einmal sieben Monate. Startschuss war Ende Juli 2021, Anfang März dieses Jahres konnte die 1 Hektar große Anlage bereits eingeweiht werden. Bei seiner Einweihungsrede stellte Bezirksbürgermeister József Tóth in Aussicht, dass die sogenannten „Hofhäuser“ des angrenzenden Viertels mit öffentlichen Mitteln in naher Zukunft saniert werden sollen.

Mehr Attraktivität durch ökologischen Umbau

Aus europäischer Sicht ist es in der Tat beispielgebend, wie stark eine sozialistische Großraumsiedlung der 1980-er Jahre durch schrittweisen ökologischen Umbau an Attraktivität gewinnen kann. Für Ungarn und Budapester selbst, die zu über 90 Prozent in eigenen Wohnungen leben, ist es ein Zeichen für die Zukunft, wenn die Bezirks- beziehungsweise Stadtverwaltung durch die Aufwertung des öffentlichen Raums zur Attraktivität und damit zu Werterhalt und -steigerung der Wohngegend beiträgt.

Der Kindergarten Vizafogó öffnet – ausnahmsweise – am Samstag, dem 21. Mai von 10 bis 12 Uhr seine Tore. Die Führung durch den Kindergarten obliegt Architekten von Archikon architects und GA Budapest. Los geht’s am Vizafogó Park mit einer Einführung in die Geschichte des Stadtteils.

Weitere Fotos in unserer Galerie.

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Alle Infos finden Sie auf der Homepage von Guiding Architects Budapest: ga-budapest.net

Kontakt: info@ga-budapest.net

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