So „sieht“ der Budapester Oberbürgermeister die drohende Verschandelung des Heldenplatzes. Foto: Sozialmedien/ Gergely Karácsony

Stadtplanung

„Mini-Dubai“ hinterm Heldenplatz

Budapest erhält möglicherweise noch mehr Wolkenkratzer. Die durchgesickerten Pläne lösten extreme Reaktionen aus.

Ein Wolkenkratzer von 220-240 m Höhe steht im Mittelpunkt ehrgeiziger Pläne, die der Immobilienmogul Mohamed Alabbar für Budapest hegt. Seine Emaar-Gruppe steht für den Burj Khalifa, das mit Abstand höchste Gebäude der Welt. Der Geschäftsmann aus den Emiraten soll bereits persönliche Verhandlungen mit hochrangigen Vertretern der Orbán-Regierung geführt haben, schreibt das linksliberale Nachrichtenportal hvg.hu unter Berufung auf vertrauliche Kreise und ein internationales Fachblatt. Demnach soll im 14. Stadtbezirk von Budapest, im Umfeld des heruntergekommenen Rangierbahnhofs Rákosrendező ein ganzes Viertel mit Hochhäusern entstehen. Für die neue Luxusmeile würde der Staat die Grundstücke zur Verfügung stellen.

„Sind die alle verrückt geworden?“

Das Problem: Die Silhouette der Wolkenkratzer würde im Hintergrund des in Luftlinie nur ungefähr anderthalb Kilometer entfernten Heldenplatzes aufscheinen. Angesichts solcher Konzepte kann sich der Oberbürgermeister der Stadt „nur an den Kopf fassen“, wie er in den Sozialmedien zum Besten gab. „Sind die alle verrückt geworden?“ – fragt Gergely Karácsony seine Anhänger. Die sollen sich den heutigen Heldenplatz genau anschauen, denn vielleicht wird dieser Blick bald Geschichte sein.

Erzengel Gabriel erhält Schatten

Die Regierung plane ein „Mini-Dubai“, das dem einst zu Ehren von tausend Jahren Landnahme eingerichteten Platz am Stadtwäldchen seine einzigartige Atmosphäre nehmen würde. „Ausgerechnet unsere sonst wie nationalkonservative Regierung will Wolkenkratzer, die den Erzengel Gabriel über den sieben Stammesführern der Magyaren sechs Mal überragen sollen?!“

Karácsony nutzte die Gelegenheit für einen weiteren Seitenhieb auf den MOL-Tower, der mit seinen 143 m „das herrliche Donau-Panorama verschandelt“. Diesem Bauwerk zeigte allerdings auch Bauminister János Lázár klare Kante, der sich schließlich jedoch dem Argument ergab, die größte Wirtschaftsgesellschaft des Landes habe das Recht auf einen symbolträchtigen Hauptsitz. Lázár meinte aber auch, es müsse bei dieser einzigen Ausnahme bleiben, Budapest sei keine Stadt für Wolkenkratzer. Zu den aktuellen Projektplänen liegt von seiner Seite noch keine Stellungnahme vor.

10 Antworten auf “„Mini-Dubai“ hinterm Heldenplatz

    1. Kari-Geri redet viel, wenn der Tag lang ist. Bis Europawahl werden tagtäglich irre ” Nachrichten” kommen.
      Gergely war gar nicht bei der Eröffnung des Völkerkunde Museum auch nicht des Haus der Musik.
      Beide sahnten alle internationale Preise vei Architekt Wettbewerbe ab Der OB war gar nicht da. Besser so.
      Es werden keine Wolkenkrstzwr hinter des Heldenplatzes kommen. Dafür aber Minaretten und Moscheen neben Kölner Dom

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      1. Mir gefällt der MOL Tower und die moderne Umgebung direkt an der Donau sehr gut. Er wirkt auch nicht störend. Ich befürworte durchaus neue Hochhäuser für Budapest den
        diese zeugen von einer aufstrebenden, modernen Stadt. Aber natürlich muss mit Bedacht gebaut werden und vor allen Dingen an einem passenden Ort.

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        1. So ist es. Abschreckendes Beispiele sind Wien oder Paris. Hochhäuser werden zum Problem, wenn Sie historische Altstädte bedrängen, ihnen zu nahe kommen. Der MOL-Tower gehört zu den schöneren Hochhäusern. Stimmt wohl. Steht man aber Nachts auf der Margaretenbrücke, so sieht man ihn blinken. Naja.
          Weltweit gibt es eine Art Wettbewerb unter den großen Architekturbüros, die sich mit bizarren Formen und Materialien überschlagen und bei der Höhe fast kein Ende kennen. Arabisch-islamischer oder amerikanischer Größenwahn steht oft dahinter, sind aber alles andere als Kathedralen des Geistes zu Gottes Ehre.
          Budapest ist weit entfernt von diesem Mist. Budapest ist eine Theaterbühne im Geiste der Romantik, sensibel inszeniert, in die Landschaftlichen Gegebenheiten wunderbar eingefügt, menschlich, charmant, verspielt aber niemals aufdringlich. Darum kommen Millionen. Sollte da eine moderne Stadt entstehen, dann weit am Rand. Aber das wäre öde. Also lässt man es lieber sein.

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  1. Verhandelt wird mit Orban, nicht mit dem Bürgermeister von Budapest, wenn die Gerüchte wahr sind.
    Ist das nicht seltsam, für was hat dann Budapest einen Bürgermeister?
    Hoffentlich wird das Vorhaben nicht wahr. Budapest ist so schön genug. Solche Monumentalbauten passen besser in die Wüste.

    Außerdem bauen die Geschäftsleute aus Dubai nur für ein hochpreisiges Segment. Kaum ein Budapester wird sich ein Büro, eine Wohnung oder ein Hotelzimmer in den Hochhäusern leisten können.

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  2. Ich teile den Standpunkt der Hochhausgegner. Hat sich schon mal jemand überlegt, dass deren Nutzungsdauer eingeschränkt sein könnte, Angriffspunkte für alles mügliche bietet und die Gebäude beim Bau als auch beim notwendigem Rückbau unheimliche Ressourcen verschlingt.

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