Viktor Orbán (r.) versicherte seinem schwedischen Gast Ulf Kristersson, mit der Wiederherstellung des Vertrauens sei der Weg frei für die Ratifizierung des NATO-Beitritts. Foto: MTI/ Zoltán Fischer

Schwedens Ministerpräsident in Budapest:

„Wir sind ab sofort enge Bündnispartner“

Am Freitag kam es endlich zu dem von ungarischer Seite so lang ersehnten Treffen: Ministerpräsident Viktor Orbán durfte seinen schwedischen Amtskollegen Ulf Kristersson in Budapest empfangen.
Die Ministerpräsidenten Viktor Orbán (r.) und Ulf Kristersson konnten eine Ausweitung der Gripen-Partnerschaft vereinbaren. Foto: MTI/ Zoltán Fischer

Das ungarische Parlament wird am Montag den NATO-Beitritt Schwedens ratifizieren, versicherte Orbán seinem Gast. Bekanntlich ließ Ungarn die Schweden am Ende noch länger als die Türkei warten, was die Orbán-Regierung zu begründen wusste: Wenn der schwedische Premier den Türken mit einem Besuch in Ankara entgegenkommen konnte, sollte er bitte schön auch Budapest einen Besuch abstatten.

14+4 Gripen für die NATO

Unter diesen Vorzeichen durfte Viktor Orbán nun Ulf Kristersson an seinem Amtssitz im Karmeliterkloster auf der Burg empfangen. Die wichtigste Vereinbarung, die bei dem Treffen unterzeichnet wurde, handelt von den JAS 39 Gripen-Maschinen. Modifiziert wird der Leasingvertrag für die seit 2001 der Ungarischen Armee (MH) dienenden 14 Kampfflugzeuge, die 2026 in ungarisches Eigentum übergehen; zudem beschafft Ungarn vier weitere Gripen C/D. Der Hersteller Saab sorgt auch für benötigte Auffrischungen und den entsprechenden Support, damit Ungarn seinen Bündnispflichten in der NATO weit über den eigenen Luftraum hinaus gerecht werden kann. Gemäß einer Vereinbarung zwischen dem ungarischen Verteidigungsministerium und Saab wird ein KI-basiertes Kompetenzzentrum für VR-Technologien beim Forschungsinstitut für Innovationen in der Verteidigungsindustrie eingerichtet.

Vertrauensbeweise der Schweden

Viktor Orbán erinnerte daran, dass das erste von ihm zwischen 1998 und 2002 geführte Kabinett die Entscheidung traf, auf eine eigenständige Luftraumverteidigung zu setzen. Im Wettstreit der Technologien erhielten damals die Schweden den Zuschlag. Auf der Pressekonferenz am Freitag wies er Spekulationen einzelner Medien zurück, der „Gripen-Deal“ sei eine Kompensation für die ungarische Zusage zum NATO-Beitritt Schwedens. Orbán räumte ein, das früher vorhandene gute Vertrauen wurde in jüngster Zeit „ein wenig ramponiert“, weshalb es seine Zeit brauchte, um das zerschlagene Porzellan zu kitten. Er erinnerte zugleich an wichtige Vertrauensbeweise von Seiten der Schweden, die 1956 zahlreiche ungarische Flüchtlinge aufnahmen und die sich entscheidend für die Osterweiterung der EU einsetzten, die schließlich 2004 auch Ungarn die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft brachte.

Zur späten Ratifizierung des schwedischen NATO-Beitritts durch Ungarn meinte Ulf Kristersson: „Das ungarische Parlament trifft hierzu eine eigenständige Entscheidung, das ist keine Formalität.“ Foto: MTI/ Zoltán Máthé

Kristersson: Ungarn stärkt die Sicherheit Europas

„Unsere am heutigen Tag geschlossenen Vereinbarungen dienen den Interessen beider Länder“, hob Ulf Kristersson auf der gemeinsamen Pressekonferenz hervor. Er bezeichnete die Gespräche mit Orbán als konstruktiv, die sich neben Sicherheits- und Verteidigungsbelangen vor allem um die anstehende ungarische Ratspräsidentschaft und die EU-Zukunftsstrategien drehten. Mit dem Ausbau der von Schweden beschafften Gripen-Flotte stärke Ungarn zugleich die Sicherheit Europas, indem die ungarische Fliegerstaffel am Schutz des baltischen Luftraums mitwirkt, würdigte Kristersson. Neben U-Booten und Radartechnologie seien die Gripen der Stolz der Schweden und ihr Beitrag zur Stärkung der NATO.

Der konservative Ministerpräsident hob des Weiteren jene 180 schwedischen Unternehmen hervor, die mit ihren Investitionen in Ungarn rund 170.000 Existenzen sichern helfen. Wie stark Ungarn in Sachen Wissenschaften und Innovationen sei, hätten nicht zuletzt die zwei Nobelpreise des Jahres 2023 gezeigt. „Schweden ist nicht in allen Dingen einer Meinung mit Ungarn. Wir sind uns jedoch einig, dort enger zusammenzuarbeiten, wo Übereinstimmung herrscht“, erklärte Kristersson, der Orbán ausdrücklich für die Einladung nach Budapest dankte.

12 Antworten auf “„Wir sind ab sofort enge Bündnispartner“

  1. Es ist inzwischen durchgesickert, dass Schweden massiv mit dem Migrationsthema zu tun hat. Seit neuestem wird sogar das Militär zu Hilfe gerufen. Mit einem Blick auf Ungarn wird klar, dass hier vorausschauende Politik betrieben wurde. Schweden müsste also einen Fehler eingestehen und wer macht das schon gerne ? Aber Ungarn in den schwedischen Schulbüchern mies darzustellen ist einer toleranten und offenen Gesellschaft
    unwürdig.

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  2. Schon gut! Die NATO Mitglieder haben gerade heute – EU Mitglieder haben heute in Paris etwas wichtiges zu tun!
    Gerade Frankreich und Tschechien zu sagen, nicht einmal im TRAUM sollen sie darüber nachdenken, in Ukraine Bodentruppen zu schicken . Falls sie es tun, genießen NICHT NATO Hilfe.
    Nicht nur FICO, sondern auch Zeitungen schreiben über diese “Erwägung”. STOPPP!!!!
    Etwas interessantes aus New York Times. Nach Rechechieren ist es herausgekommen, dass die CIA schon mehr, als 10 Jahre CIA SPIONAGE ZENTRALE in großem Zahl in Ukraine unterhält.
    Also. Putin hatte recht mit dieser Aussage, es war kein Hirngespenst.
    Dritte: die Kriegshetze seitens Deutschland kann sehr gut die Folge sein, dass die Russen die 2+4 Vertrag – Wiedervereinigung Deutschlands KÜNDIG EN. “Aus deutschem Boden kommt kein Krieg” (Taurus unter anderem). Ich möchte wieder den KUJAL Interview von http://www.Weltwoche empfehlen. Diese oben genannte Fakten sind entlarvend für die Kriegshetze Politik der NATO und EU.

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  3. Es geht Marcon nicht darum, heute oder morgen französische oder Nato-Bodentruppen in die Ukraine zu schicken, obwohl Frankreich es mit seiner Fremdenlegion sehr viel einfacher hätte als Deutschland, denn es handelt sich dabei um Ausländer, denen die Franzosen sicher keine Träne nachweinen. Übrigens auch in Deutschland diskutiert man gerade sehr ernsthaft darüber, Ausländer den Zugang zur Bundeswehr zu öffnen. Sollte es dazu wirklich kommen, wird man bei einer Verpflichtung sicherlich mit einer üppigen Gegenleistung winken.

    Warum geht es dann? Es geht darum, das bisher Unausgesprochene anzusprechen. Ein Tabu, das mit der Häufigkeit seiner Ansprache seine Tabueigenschaft verliert. Ähnlich war es mit den schweren Waffen, dann mit den Panzern und zuletzt mit den Flugzeugen. Übrigens etwas, was die rechten Parteien in Europa in den letzten Jahren auch intensiv praktizierten. Es gibt dafür im Deutschen auch ein Sprichwort: Steter Tropfen höhlt den Stein.

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      1. Also bis jetzt ist die Slowakei, Ungarn, Österreich und Schweiz? die keine Waffen, geschweige Truppen schicken. Ich sage immer und wieder. man möge HERRN KUJAT in der WELTWOCHE zuhören.
        Die NATO EU Politiker sind alle Verrückt! “Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen” Erich Maria Remarque.
        Er war in dem 1. Weltkrieg. es wäre höchste Zeit auf die Strasse zu gehen! GEGEN KRIEG!

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        1. Die Schweiz verkauft Leopard an Deutschland, die Deutschland in die Ukraine weiterschickt. So ähnlich ist es vermutlich auch bei der Munition für den Gepard, deren schweizer Produktionsstätte einer deutschen Firma gehört. Wie die Verhandlung mit der Schweiz im Moment bei der benötigten Artilleriemunition ist, kann ich im Moment nicht sagen. Ich vermute aber, dass auch hier eine Lösung gefunden wurde oder gefunden wird.

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              1. Ich gehe davon aus, dass die Nato das selber nicht genau weiß und dass unter den Natomitgliedern dazu genau so viele unterschiedliche Meinungen existieren, wie es Mitglieder gibt.

                Es ist nur ein Schlagwort wie “wir schaffen das”, ohne wirklich etwas auszusagen, mit dem aber sich die Mehrzahl der Mitglieder identifizieren können.

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  4. Um irgendwelchen falschen Meinungen entgegenzuwirken, möchte ich das Thema Macron hier nochmals aufgreifen und aus meiner Sicht kurz erläutern.

    Der slowakische Premierminister Robert Fico sagte nach einem Treffen vor dem Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs in Paris zur Unterstützung der Ukraine, dass einige Staaten der Nordatlantischen Allianz und der Europäischen Union die Möglichkeit einer Stationierung ihrer Truppen auf dem Territorium der Ukraine diskutieren.

    Macron hat eine solche Möglichkeit nicht ausgeschlossen, aber es gibt keine Verhandlungen auf der Ebene der Europäischen Union oder der NATO, das ist derzeit einfach völlig ausgeschlossen. Was Robert Fico betrifft, hat er jedoch einen innenpolitischen Grund, als er sagte, dass jemand die Slowakei zwingen könnte, ihre Truppen in die Ukraine zu schicken.

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    1. Was sind die innenpolitischen Gründe für diese Aussage? Demnächst finden Präsidentschaftswahlen in Slowakei statt. Es lässt sich nicht vorhersagen, ob der Kandidat der Regierungskoalition, Peter Pellegrini, diese Wahl gewinnen wird. Fico zielt mit seinen Äußerungen auf die Wähler des prorussischen Politikers Štefan Harabin, weil dieser im Moment nur auf dem dritten Platz liegt und deshalb nicht in die nächste Runde kommen wird.

      Der zweite Kandidat mit echten Chancen ist der prowestliche Kandidat Ivan Korčok. Fico ist besorgt, dass es Pellegrini im zweiten Wahlgang nicht gelingen könnte, die prorussischen antiwestlichen Wähler auf seine Seite zu ziehen. Er möchte den Fall so darstellen, dass, wenn der ehemalige Außenminister und prowestliche Kandidat Ivan Korčok Präsident wird, er die Slowakei dann in den Krieg gegen Russland hineinziehen und slowakische Truppen in den Krieg in die Ukraine schicken würde. Einfach gestrickte Wähler sind sicher bereit, das zu glauben. Also es ist alle nicht so heiß wie es gekocht wird.

      Soweit ich weiß, trifft die Ukraine gerade Vereinbarungen über eine strategische Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich mit Dänemark und Großbritannien. Dänemark hat meines Wissens bereits seine gesamte Artillerie, was es einmal hatte, in die Ukraine transferiert oder ist dabei, die letzten Reste zu transferieren. Die strategische Zusammenarbeit zielt auf eine verbesserte Unterstützung bei der Lieferung von Waffen und auf die Ausbildung des ukrainischen Militärs, natürlich nicht auf dem Territorium der Ukraine. Aber es werden Spezialisten, Experten und einige technische Hilfskräfte sein, aber keine Kombattanten. Das Abkommen über strategische Zusammenarbeit beinhaltet nicht die Entsendung von Truppen zur Kriegsführung. Es wird auch einen Informationsaustausch, einschließlich Geheimdienstinformationen, geben.

      Es ist klar, dass dies Konsequenzen für die politische Unterstützung der Ukraine haben wird. Die Staaten, die ein solches Abkommen unterzeichnen, werden die Ukraine selbstverständlich auf allen Ebenen uneingeschränkt unterstützen, auch innerhalb internationaler Organisationen als Mitglieder der Europäische Union, der NATO, der OSZE, der UNO usw. Es zeigt deutlich, dass der Abschluss dieses Abkommen nur der letzte Schritt zur Stärkung der Zusammenarbeit ist.

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  5. Mag sein. Ich meine die Regierungen der meisten Stastes haben ihr Schwur vergessen. Sie haben ihr Eid NICHT auf die Ukraine oder die USA Wohl abgelegt sondern auf ihre Bürger.
    Sie laufen umher, wie Hühner, deren Kopf abgeschnitten wurden.
    Wie Mario vor dem Zauberer sind die von Blut, das die andere vergießen verzaubert. Gab es in der Geschichte, dass Nato/EU fast 1 Milliard Menschen sich von ihrer Regierungen für 25 Million ofpfern lassen? Und sie wissen nicht das Ziel und warum?

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23. April 2024 12:40 Uhr