Jugend in Osteuropa

Vertrauen in die EU

Die ungarische Jugend ist politisch am stärksten gespalten.

Das zeigt eine Erhebung der Friedrich-Ebert-Stiftung in den Visegrád-Staaten (V4) und dem Baltikum. In Ungarn nahmen 1.500 junge Leute zwischen 15 und 29 Jahren an der Umfrage teil, die aus Online-Fragebogen, Tiefeninterviews und Gruppengesprächen bestand.

Sie zeigten eine starke nationale Identität, bekannten sich aber ebenso zu einem starken Europa. Jeder vierte Jugendliche überlegt auszuwandern, zwei Drittel würden einen Austritt Ungarns aus der EU ablehnen. Unter den V4-Staaten ist die ungarische Jugend am wenigsten mit ihrem Leben zufrieden. Nichtsdestotrotz befinden sich die zufriedenen jungen Leute mit 57% nicht nur in der Mehrheit, gleich vier von fünf dieser Befragten schauen zudem zuversichtlich in die Zukunft – und damit mehr als in jedem anderen Land der Untersuchung.

Sich persönlich zu verwirklichen, Verantwortung zu übernehmen, Karriere und Unabhängigkeit sind die wichtigsten Kriterien für den jungen Ungarn, ziviles Engagement, Markenkleidung und politische Beteiligung am wenigsten relevant. Angst machen den jungen Leuten vor allem Umweltverschmutzung und Klimawandel (55%), soziale Ungerechtigkeit (46%) und Korruption (42%), mit deutlichem Abstand gefolgt von schweren Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Pandemien und der Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden. Nur jeder vierte bis fünfte Ungar hat Angst vor Einwanderern bzw. vor Terroranschlägen. Muslime, Homosexuelle oder Juden würden die jungen Leute in der Nachbarschaft weniger stören, als Zigeuner (7-24%), Letztere aber immer noch weitaus weniger, als Drogensüchtige (56%).

Nur 4% tauschen sich regelmäßig mit Eltern und Bekannten über Politik aus, 15% nie und 35% auch nur selten. Mit Blick auf Demonstrationen, das Unterzeichnen von Petitionen oder zivile Aktivitäten werden die Ungarn von den Jugendlichen in Polen, Tschechien und der Slowakei klar abgehängt. Dementsprechend vertrauen nur 9% den Parteien, 11% den Medien, 13% dem Parlament und 17% der Regierung. Armee, Polizei und EU sind praktisch gleichauf jene Institutionen, denen die Heranwachsenden am ehesten vertrauen. Als größte Herausforderung sehen die jungen Ungarn niedrige Löhne und Renten an (42%), aber auch Armut, Korruption und die Qualität der öffentlich gebotenen Leistungen (Gesundheit, Bildung) bereiten ihnen Sorgen (27-29%).

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