Fotos: Ministerpräsidentenamt/ Vivien Cher Benko

Orbán in Zürich

„Ungarn ist nicht das schwarze Schaf, sondern die erste Schwalbe“

„Europa hat seine Fähigkeit zur Selbstbestimmung verloren. Es kann seine Ziele nicht definieren und die Mittel zu ihrer Verwirklichung nicht erkennen“, erklärte Ministerpräsident Viktor Orbán in seiner Züricher Rede zum 90. Geburtstag der konservativen Schweizer „Weltwoche“ am Mittwoch im Nobelhotel Dolder. Eingeladen hatte „Weltwoche“-Verleger Roger Köppel.

„Europa ist heute nicht mehr Herr seiner selbst, sein Anteil am Welt-BIP sinkt, bis 2030 wird nur noch Deutschland unter den Top 10 sein. Die EU ist weder in der Lage, die Erweiterung zu bewältigen, noch kann sie mit regionalen Konflikten umgehen, sei es in der Ukraine oder auf dem westlichen Balkan“, erklärte Orbán.

Arbeit als Basis für Wohlstand

Ungarn baut keine Wohlfahrtsgesellschaft auf, sondern eine arbeitsorientierte Gesellschaft, die zu Wohlstand führt. Statt Migration will die Regierung die demografischen Herausforderungen durch Familienpolitik angehen und Familienwerte statt Genderpolitik fördern. „Ungarn ist nicht das schwarze Schaf, sondern die erste Schwalbe in der EU.“ Als Elemente des ungarischen Modells hob er die zentrale Bedeutung der Familienpolitik, die vollständige Eindämmung der illegalen Migration, niedrige Steuern und das Absorbieren von Investitionen aus Ost und West hervor. All dies unterscheide sich vom westlichen Modell.

Europa könnte alleine bleiben

Ungarn habe mit der Schweiz mindestens ein Problem gemeinsam, sagte Orbán in seiner gut 45-minütigen Rede. Und dieses sei die EU, die „voller Bürokraten statt Politiker“ sei. Die Schweiz ist zwar nicht Mitglied der EU, doch ihre Entscheidungen wirken sich ebenso auf sie aus, wie auf Ungarn.

Europa müsse sich darauf einstellen, dass es im Falle einer politischen Wende in den USA mit dem Konflikt in der Ukraine allein gelassen werde. Wenn die skeptischeren Republikaner an die Macht kämen, müsse Europa einen riesigen geopolitischen Konflikt allein bewältigen, eine politische Lösung für ein fast unmögliches Problem finden und die Kosten tragen. „Der Rest der Welt ist für die USA wichtiger als Europa, während Brüssel keine Antworten auf die Herausforderungen hat“, konstatierte Orbán. Dabei wäre doch gerade die Wiedererlangung der europäischen strategischen Souveränität so wichtig, wie die Franzosen in letzter Zeit immer wieder betonen. Die EU-Führung in ihrer jetzigen Form sei kaum in der Lage, die Gemeinschaft aus der Flaute zu holen, da sie zu bürokratisch ist und die Institutionen intellektuell sowie ideologisch von den USA bzw. progressiv-liberalen Kräften besetzt wurden. Ungarn habe 2010 mit der progressiv-liberalen Hegemonie gebrochen.

„Ein großer Europäer definiert sich dadurch, dass er erkennt: Nicht überall, wo EU draufsteht, ist auch Europa drin.“

Illegale Einwanderung zu hohes Risiko

Im Anschluss an seine Rede nahm Orbán an einer Podiumsdiskussion teil. Moderator Köppel fragte, worin Orbáns Erfolg im Umgang mit der illegalen Migration bestehe. Orbán zufolge müsse diese zweigeteilt werden, nach Migranten mit christlichem oder nicht-christlichem Hintergrund. Derzeit sei das Christentum in Europa sehr schwach. Daher sei es sehr gefährlich, entschlossene muslimische Massen aufzunehmen, weil diese früher oder später die christliche Mehrheit zerstören werden. „Wir wollen nicht bei dieser Entwicklung assistieren.“

Ungarn hat immer die Position vertreten, dass das Risiko der illegalen Einwanderung zu hoch ist und dass dagegen etwas unternommen werden muss. Seine Regierung wollte schon seit 2015 nicht das westliche Argument akzeptieren, die unkontrollierte Zuwanderung könnte dazu beitragen, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu lindern und eine liberalere Gesellschaft herbeizuführen. Budapest habe ständig davor gewarnt, die massenweise Aufnahme von Migranten führe zu Parallelgesellschaften in Europa. Das ungarische Modell sei auch deshalb so effektiv, weil es für Migranten „null Anziehungskraft“ besitzt.

Wirtschaftliche Beziehungen zu China wichtig

Auf die Frage, warum Orbán nach China gereist sei und sich mit Xi Jinping und Wladimir Putin getroffen habe, sagte er, diese Kritik sei heuchlerisch, denn in Peking wurde er von ehemaligen Staats- und Regierungschefs aus Westeuropa begleitet. Im Übrigen müssten die wirtschaftlichen Beziehungen zu China aufrechterhalten werden, da es eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt sei, die enorme Investitionen nach Europa bringt. Er sprach zudem von der Notwendigkeit, die russische Denkweise zu verstehen, die sich stark von der westlichen unterscheidet. In Bezug auf den Krieg in der Ukraine bestätigte er, dass es sich bei diesem um eine Aggression handelt.

Unter den vielen illustren Gästen der Veranstaltung waren Nobelpreisträger Ferenc Krausz und der ehemalige tschechische Präsident Václav Klaus, den Orbán als „intellektuellen Vorreiter“ der europäischen konservativen Politik bezeichnete.

Im Livestream startet die Orbán-Rede (mit deutscher Simultan-Übersetzung) ungefähr ab 1:30 h, das auf Englisch geführte Podiumsgespräch mit Weltwoche-Verleger Roger Köppel ab 2:20 h.

10 Antworten auf “„Ungarn ist nicht das schwarze Schaf, sondern die erste Schwalbe“

  1. Nicht das schwarze Schaf sondern die erste Schwalbe kann man es besser sagen? Der Stolz der ungarischen Bevölkerung auf eine Ministerpräsidenten ist mehr als berechtigt! Es ist wie fast immer eine pures Vergnügen, seine Reden zu verfolgen! Besonders deshalb weil sie keine leeren Worte sind sondern auf der Grundlage der realen Politik der erfolgreichen ungarischen Regierung basieren! Ein Ministerpräsident der nur ca. 10 Millionen großen Nation ist jetzt schon eine geschichtlich bedeutende Persönlichkeit nicht nur in Europa.!
    Für uns ist deshalb um so schmerzlicher, dass in Ungarn eine Putschisten-Schatten -Regierung ungehindert ihr Unwesen treiben kann. Dass die auslandsfinazierten Dollar- Soros – Anhänger in Ungarn selbst und in Europa ihr Vaterland verunglimpfen, beschimpfen und behindern können hat nichts mit Demokratie zu tun sondern ist pure Macht- und Geldgier.

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  2. Ja, auch ich habe gerade eben diese markigen Worte von Herrn Premier Viktor Orban auf dem
    90. ten Geburtstag DER WELTWOCHE in Zürich vernommen: “Ungarn ist nicht das schwarze Schaf, sondern die erste Schwalbe!” Ebenfalls sagte Herr Orban z.B. etwas über die EU: ” Was man heute sieht, das schmerzt “. Es war eine fulminante Rede des Ministerpräsidenten ohne Vorbehalte.
    Den Ausführungen von Frau Helga und Herrn Hermann Pulz kann man in allen aufgeführten Punkten beipflichten, denn kritische Bürger erkennen die heutige politische Lage sogar in Einzelheiten.
    Mir war neu, dass lt. Herrn Orban mittlerweile 270.000 Grenzübertritts Versuche nach Ungarn abgewiesen wurden. Das ist besonders beispielhaft für jedes EU-Mitgliedsland.

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  3. Was die Fegner sage , die Orban als Feind betrachten gilt also nicht, Orban wäre isoliert.
    Ich habe auch die Rede verfolgt und die anwesende Gäste.
    In 1946 hat Churchill in Zürich eine Rede gehalten: “Europa wache auf!” Churchill Zuricher Rede ist in die Geschichte eingegangen.
    Ich wünsche und hoffe, dass Orban Zuricher Rede in Europa große Aufmerksamkeit erntet.
    Wenn BZ veröffentlichte, empfehle ich sie an Bekannten weiterzugeben.

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  4. Die Welt:

    Tunnel unter Schifa-Klinik – „Sie nutzen das Krankenhaus, um sich selbst zu schützen“

    Ausländische Journalisten haben unter dem Al-Schifa-Krankenhaus eine ungewöhnliche Tour bekommen: Begleitet von israelischen Soldaten wurden sie unter der Klinik einen schmalen Tunnel entlang zu mehreren Bunkerräumen der Hamas mit Klimaanlage, Küche, Bad und Metallbetten geführt. Praktisch in fast allen Krankenhäuser, Moscheen, aber auch in vielen Kindergärten und Schulen hat man solche Tunnelsysteme gefunden.

    Nun meine Frage an die, die die Toten in Gaza beklagen und mit vielen Worten versteckt die Schuld alleine Israel unterschieben wollen, ist die Hamas, die ihre eigene Bevölkerung als bewusst Schutzschilde missbraucht und ihre Führung, die sich überwiegend im sonnigen Katar aufhält und dort ein luxuriöses Leben führt, nicht mindestens genauso Schuld, wenn nicht so gar mehr, weil sie durch den Terroranschlag bewusst den Tod der eigenen Zivilisten in Kauf nahmen.

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    1. Sie provozierten es mit voller Absicht, nur um wieder in den Schlagzeilen zu sein.

      Davon hört man von den neuen Araber-Freunden, die sonst die Araber hier eher verwünschen und verachten und am liebsten im Mittelmeer “ersaufen lassen wollen”, wenn es um die Migration in Europa geht, leider nichts und nur weil nun Juden betroffen sind, entdecken sie plötzlich ihre Liebe zu den armen Arabern! Das ist aber leicht durchschaubar.

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      1. Die Machthaber in Europa treiben sonst den Volksaustausch gegen Araber und lassen Christentum durch Islam verdrängen. Jetzt sehen sie, daß das wegen Israel zum Bumerang wird, aber es stört sie nicht sehr. Bloß widersprüchlich, nachher die Palästinenser zu den Flüchtlingen zu zählen (die im Unterscheid zu anderen wirklich solche werden), also auf Flucht vor Israel, und trotzdem zu sagen, Israel tue ihnen recht an. Solche Flüchtlinge werden sich noch mehr gegen europäische “Gastgeber” wenden, weil sie sich das nicht sagen lassen; und das versprochene Kalifat in Europa errichten, denn sie sind zahlreicher als die Polizei.

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  5. China:

    „Management außer Kontrolle“ – Liquiditätskrise bei Zhongzhi erschüttert Chinas Schattenfinanzmarkt

    Chinas Finanzgruppe Zhongzhi warnt vor „schwerer Insolvenz“. Die Liquiditätsprobleme auf Chinas Schattenfinanzmarkt kommen ins Rampenlicht.

    Die chinesische Finanzgruppe Zhongzhi, eine der größten auf dem umfangreichen Schattenfinanzmarkt Chinas, steht laut „Financial Times“ vor einer finanziellen Lücke von bis zu 36,4 Milliarden US-Dollar (circa 33,4 Mrd. Euro) und hat in einem Anlegerschreiben vor einer „schweren Insolvenz“ gewarnt. Damit rückt das Thema Liquiditätsprobleme auf Chinas nahezu 3 Billionen Dollar (2,75 Billionen Euro) schweren Schattenfinanzmarkt und dessen Einbindung in Chinas Immobilienkrise ins Rampenlicht.

    Zhongzhi, ein weit verzweigtes Finanzkonglomerat, führte in einem von der „Financial Times“ eingesehenen Schreiben aus, dass es nur Vermögenswerte von 28 Milliarden Dollar gegenüber Verbindlichkeiten von bis zu 64,4 Milliarden Dollar besitzt

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    1. Zerlina Zeng, Kreditanalystin bei CreditSights, stellte klar laut „Financial Times“ klar, dass ein staatlicher Rettungsplan für das Unternehmen unwahrscheinlich erscheint. „Der größte Teil der Verluste wird wohl von vermögenden Privatanlegern getragen werden, daher sehen wir diesmal nicht den Staat eingreifen“, fügte sie hinzu.

      https://www.focus.de/finanzen/boerse/finanzgigant-im-freien-fall-zhongzhi-in-der-klemme-liquiditaetskrise-erschuettert-chinas-schattenfinanzmarkt_id_251274753.html

      Wenn Zhongzhi die einzige Firma wäre, wäre das für chinesische Wirtschaft sicher kein Problem. Leider wackelt aber der gesamte Immobilienbereich. Die Größenordnung würde sogar den chinesischen Staat überfordern. Das größte Problem für China wären auch nicht die finanziellen Verluste, sondern die vielleicht daraus resultierenden sozialen Verwerfungen.

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4. März 2024 11:08 Uhr