Ukraine
Foto: MTI/ Zsolt Czeglédi

Ukraine-Krieg

Ungarn wird keine Soldaten schicken

„Gemeinsam mit unseren Partnern in EU und NATO verurteilen wir das militärische Auftreten Russlands in der Ukraine“, sagte Ministerpräsident Viktor Orbán.

Vor dem Krisengipfel der EU in Brüssel zeigte er sich zuversichtlich, dass die Einheit der Europäer in dem Konflikt bewahrt werden könne und in gemeinsamen Schritten münden werde.

Sicherheit der Bürger an erster Stelle

„Ungarn muss sich aus diesem Militärkonflikt heraushalten“, bekräftigte Orbán den seit Tagen wiederholten Standpunkt seiner Regierung, den er damit begründete, dass für sie nichts über die Sicherheit der Bürger des Landes gehe. In diesem Sinne sei es vollkommen ausgeschlossen, dass Ungarn Soldaten oder Militärtechnik in die Ukraine schickt.

Selbstverständlich werde das Land jedoch humanitäre Hilfe leisten. Gleichzeitig teilte der Ministerpräsident gegen Vorschläge der linksliberalen Opposition aus, welche die Energieversorgungssicherheit und die niedrigen Wohnnebenkosten gefährdeten.

Szijjártó: „Krieg ist nie eine Lösung“

Kanzleramtsminister Gergely Gulyás verwies darauf, dass die Souveränität und die territoriale Integrität der Ukraine ausgerechnet in einem internationalen Vertrag garantiert wurden, der ungarischen Bezug habe: dem Budapester Memorandum im Rahmen der KSZE-Konferenz vom Dezember 1994. Zweifellos verletze Russland internationales Recht, die EU müsse nun eine gemeinsame Antwort auf die russische Aggression finden.

Auch am Donnerstag tagte unter Leitung von Ministerpräsident Viktor Orbán (5.v.l.) der Krisenstab für nationale Sicherheit, mit Verteidigungsminister Tibor Benkő (6.v.l.), Armeechef Romulusz Ruszin-Szende (7.v.l.), Innenminister Sándor Pintér (4.v.l.) und Finanzminister Mihály Varga (3.v.l.). Foto: MTI/ Zoltán Fischer

„Der Krieg ist nie eine Lösung, er verursacht nur Leiden und ist das schlechteste denkbare Drehbuch“, erklärte Außenminister Péter Szijjártó am Donnerstag aus Bahrein. Er sprach von einer außerordentlich beunruhigenden Entwicklung im Nachbarland Ungarns. Gleichzeitig lehnte er „Anregungen“ von Seiten der Linken als „unverantwortlich“ ab, Ungarn mit Waffen, Ausrüstungen oder gar mit Soldaten in diesen Konflikt hineinzuziehen.

Börse stürzt um zehn Prozent ab

Das Wirtschaftskabinett stellte auf seiner Sitzung unter Leitung von Finanzminister Mihály Varga am Donnerstagnachmittag fest, es gebe keine Probleme mit der Finanzstabilität Ungarns. Die Regierung habe sich systematisch auf die Risiken in der Weltwirtschaft vorbereitet, in diesem Sinne die Devisenreserven aufgestockt, Defizite und Schulden abgebaut bzw. das Vertrauen der Anleger und Ratingagenturen gestärkt.

Die Auswirkungen an den Märkten bemerkt freilich auch Ungarn längst. Just als Varga sprach, bewegte sich der Forint im Euro-Handel über der kritischen Marke von 370, nahe am historischen Tief. Gegenüber dem Euro verlor die einheimische Währung am ersten Tag der russischen Invasion in der Ukraine rund 10 Einheiten, gegenüber dem Dollar sogar knapp 20 Einheiten. Der Ertrag für die zehnjährige Staatsanleihe kletterte über 5% und nähert sich selbst für die Diskontschatzbriefe diesem kritischen Niveau an.

An der Börse zeigten die Blue Chips OTP und MOL die heftigsten Abstürze. Die Bankaktie verlor tagsüber mehr als 15% ihrer Kapitalisierung, so viel wie noch nie zuvor an einem einzigen Börsentag. Gemessen daran kam die Aktie des Mineralölkonzerns mit -7% noch glimpflich davon. Der Budapester Leitindex BUX stürzte um 10% auf 43.100 Punkte in die Tiefe. Der Handel war mit einem Kontraktvolumen von beinahe 60 Mrd. Forint außerordentlich intensiv. Die Anleger befreien sich im Grunde genommen panikartig von allen Wertpapieren.

Bürger der Stadt Ungvár im ungarisch besiedelten Transkarpatien warten an einem Bankautomaten. Foto: MTI/ János Nemes

Alle drei großen Mobiltelefonanbieter haben das Roaming in Relation zur Ukraine von allen Kosten befreit. Der humanitären Initiative von Marktführer Magyar Telekom schlossen sich im Tagesverlauf auch Vodafone und Telenor an. Damit werde die Kommunikation aus dem Mutterland mit der ungarischen Minderheit in Transkarpatien unterstützt. Die M-Telekom hatte als erstes Unternehmen mitgeteilt, die anfallenden Roaming-Gebühren für den Gesprächs- und Datenverkehr rückwirkend ab 1. Februar gutzuschreiben.

5 Antworten auf “Ungarn wird keine Soldaten schicken

  1. Bedauerlich, dass auch hier wieder Innenpolitik und Wahlkampf betrieben wird.

    Dass Ungarn Soldaten in die Ukraine schickt, ist natürlich nicht möglich, denn eine militärische Konfrontation eines Nato-Staates mit Russland darf es nicht geben.
    Waffenlieferungen sollte man jedoch nicht ausschließen, wobei es dafür nun eigentlich schon zu spät ist.
    Es ist zu befürchten, dass bald russische Panzer auch an der ungarischen Grenze stehen werden.

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    1. Zum Glück ist Ukraine nicht Mitglied der NATO. Es ist AUCH SZIJJARTO zu verdanken. Er hat x-mal zum Ausdruck gemacht, so lange, bis Ukraine ihre Minderheiten unterdrückt, kulturell und auch physisch, wird Ungarn immer aus seinem VETO Recht gebrauch machen.
      Ja, er hat in 1. Linie an die ungarische Minderheit gesprochen, aber die Unterdrückung betrifft auch die andere. Also. Herr Szijjarto, danke für Ihr Einsatz.

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  2. Aber die russischsprachigen Provinzen wurden nie gefragt, ob sie zur Ukraine gehören wollten. Und es gab 2014 einen US-gesteuerten Putsch (solche Einmischung gab Victoria Nuland zu) in Kiew, seither wurden die russischsprachigen Ukrainer zurückgedrängt. Das war der Grund für den Aufstand in Donezk, Lugansk und Charkow.

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  3. Soldaten in die Ukraine zu schicken, wäre nur denkbar, wenn die NATO-Zentrale welche schicken würde. Für diesen Fall ist wohl die Erklärung gemeint: “Ungarn wird keine Soldaten schicken”.
    Wenn die NATO das täte und ihre Soldaten mit den russischen zusammenstießen, wäre der Dritte Weltkrieg ausgebrochen. Aber nur in der West-Ukraine vormarschieren und Halt machen, sobald man sich den Russen nähert, in der Hoffnung, daß die dann auch Halt machen: Das wäre für beide Seiten ein unverantwortliches Risiko, daß es schief geht und der Dritte Weltkrieg begonnen hat.

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23. Mai 2024 11:37 Uhr