Orbán
Ministerpräsident Viktor Orbán wurde von Olaf Scholz (r.) wie gewohnt frostig behandelt – das Lächeln des Bundeskanzlers war nur aufgesetzt. Foto: Ministerpräsidentenamt/ Vivien Cher Benko

Viktor Orbán in Berlin:

„Europa darf sich nicht einschließen“

„Die wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet die stabile Grundlage unserer Beziehungen“, meinte Ministerpräsident Viktor Orbán nach seinen Gesprächen mit dem deutschen Bundeskanzler am Freitag in Berlin. Politisch bleibt das Verhältnis zu Olaf Scholz frostig, der seinem Gast erneut keine Ehrenzeremonie gewährte.

Gegenüber den ungarischen Staatsmedien sprach Viktor Orbán im Anschluss von zwei Hauptthemen der Unterredung: Wie soll es weitergehen mit der EU und wie steht es um die bilateralen Beziehungen? Das deutsch-ungarische Handelsvolumen markierte 2023 mit mehr als 70 Mrd. Euro einen neuen Rekord, ein Viertel aller ungarischen Exporte geht nach Deutschland. Ein Großteil der bis zu 300.000 Arbeitsplätze, welche deutsche Unternehmen in Ungarn sichern, sind an die Automobilindustrie gebunden.

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Foto: Ministerpräsidentenamt/ Vivien Cher Benko

Ungarn wolle sich am „Generations- und Technologiewandel“ beteiligen, den die deutsche Automobilindustrie derzeit durchläuft, versicherte der Ministerpräsident seinem Gastgeber. Das gebiete schon die Sonderstellung des Landes, das neben China der einzige auswärtige Standort in der Welt ist, wo sich alle drei deutschen Premiumhersteller angesiedelt haben. Ungarn bilde das Rückgrat der deutschen Industrie und erhoffe sich im Gegenzug Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und Steuererlöse.

Orbán: EU muss fit sein für den globalen Wettbewerb

Orbán trat auch gegenüber Scholz dafür ein, die Wettbewerbsfähigkeit der EU im globalen Maßstab unbedingt zu erhöhen. Im Rahmen der ungarischen Ratspräsidentschaft wolle man einen Aktionsplan vorlegen, der bereits intensiv mit allen EU-Mitgliedstaaten beraten wird. „Europa darf sich nicht einschließen, darf nicht nach der Logik der Angst auf die Veränderungen in der Welt reagieren“, erklärte der Ministerpräsident. Stattdessen müssten die Wirtschaftsbeziehungen noch ausgeweitet werden, die EU müsse fit sein für den globalen Wettbewerb.

Orbán erklärte, er habe dem Bundeskanzler versichert, die Konflikte mit Manfred Weber seien keine deutsch-ungarischen Konflikte, sondern Spannungen zwischen Brüssel und Budapest. „Weber hasst die Ungarn, denen er die Schuld dafür gibt, dass er einst nicht EU-Kommissionspräsident werden konnte“, sagte der Premier den Staatsmedien.

Szijjártó: Keine neue Blockbildung!

„Ungarn ist auch weiterhin bereit, eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen den deutschen Automobilherstellern und ihren Zulieferern aus dem Osten zu gewährleisten.“ Das erklärte Außenwirtschaftsminister Péter Szijjártó (M.r.), der in Berlin mit dem Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Andreas Rade (M.l.), und Thomas Schwarz, Politikbeauftragter der Audi AG in Berlin, verhandelte.

Foto: Außenministerium

Der Minister verwies auf die schweren Milliardenbeträge, die von den deutschen Automobilherstellern in F+E-Projekte gesteckt werden, um die technologische Umstellung auf das Zeitalter der Elektromobilität zu meistern. Es sei deutlich zu erkennen, dass diese Umstellung nur gelingen könne, wenn der Welthandel frei von Bandagen bleibe.

„Leider richtet sich die Vorlage der EU-Kommission zur Einführung von Strafzöllen auf chinesische Elektroautos gegen diese Freiheit und gegen Wettbewerb“, beklagte Szijjártó. Die Schutzzölle werden mehr Schaden anrichten, als diese der europäischen Wirtschaft Nutzen bringen können.

Ungarn wolle seine anstehende Ratspräsidentschaft deshalb dazu nutzen, gegen die von Brüssel vorangetriebene neue Blockbildung zu agieren. Ungarn sei mit seinen deutschen Automobilwerken, die einwandfrei mit den Systemlieferanten aus China und Südkorea kooperieren, das beste Beispiel, dass die Sorgen der EU-Kommission unbegründet sind.

9 Antworten auf “„Europa darf sich nicht einschließen“

  1. Orban vor einigen Monaten: Scholz wüsste was Deutschland gut täte, er darf es aber nicht tun.
    Ergänzend zu Herrn Ackerman ist der Artikel von Boris Kalnoky.
    Die Haupziele der kommenden 6 Monaten sind, müssen unstrittig sein. Wettbewerb, Schengfngrenze schützen, Krieg/Frieden sind Interesse von 500 Million Menschen.

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        1. Den Link kopieren Sie ja ohnehin aus der Adresszeile des Browsers, während die gewünschte Seite geöffnet ist. I.d.R. gibt es dabei bei Seiten abseits der BZ keine Probleme.

          Auf den BZ-Seiten kopieren:
          Den zu kopierenden Text mit der Maus markieren und dann…
          – Unter Windows nutzen Sie die Tastenkombination “Strg + C”.
          – Auf dem Mac nutzen Sie die Tastenkombination “Apfel + C”.

          Auf den BZ-Seiten Einfügen:
          Den Cursor mit der Maus an die Stelle setzen, wo der Text eingefügt werden soll und dann…
          – Unter Windows nutzen Sie die Tastenkombination “Strg + V”.
          – Auf dem Mac nutzen Sie die Tastenkombination “Apfel + V”.

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  2. Orbán sagte auch im aktuellen Kossuth-Interview:

    Frühere Generationen haben zu ihren Kindern gesagt: „Sohn, wenn du fleißige Leute sehen willst, dann geh‘ nach Deutschland, wenn du gut organisierte Arbeit in Deutschland sehen willst, wenn du Ordnung sehen willst, dann geh‘ dorthin, wo es Ordnung gibt“, sagte Orban weiter. Nun sei Deutschland hingegen „eine bunte, veränderte multikulturelle Welt“, in der Migranten „nicht länger Gäste“ seien. „Das ist eine sehr große Veränderung“, sagte Orban.

    Da hat Orbán reichlich untertrieben. Dank SPD und anderen ist die BRD dabei, zum “shithole” Europas zu werden. Die Frage ist nur, ob es Frankreich beim Sprung in den Abgrund überholen wird.

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    1. Das BIP/Einwohner Ungarns liegt knapp über dem der Polen und noch etwas hinter dem Kolonialstaat Portugal, der nie zur kommunistischen Wirtschaft gezwungen war.
      Deutschland sollte sich Hilfe bei anderen Staaten suchen, damit es seine Idioten in der Regierung abschütteln kann. Es ist auch daher geboten, weil die BRD andere Staaten mit runter reißt.

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    2. Deutschland ist der größte Finanzsumpf: Es verschenkt massenhaft Geld ins Ausland und an Asylbetrüger, zu Lasten der Einheimischen, die oft Pfandflaschen aus dem Müll suchen müssen, und die müssen sich zudem überfallen, erstechen oder vergewaltigen lassen.

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  3. Ich meine dass es nie verkehrt ist, konsrtuktive Vorschläge zur Verbesserung von Gegebenheiten zu machen, egal wie reich oder arm ein Land ist.

    Ausser man will der Regierung eine Schuld dafür anhängen, dass das Land nicht noch wohlhabender ist. Tatsache ist aber doch, dass das BIP seit der Übernahme der Regierungsverantwortung 2010 durch den Fidesz gestiegen ist…

    https://anytools.pro/de/data/gdp/hun

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12. Juli 2024 9:25 Uhr