Orbán
Ministerpräsident Viktor Orbán beim Point-Interview: „Was bitte schön ist es denn anderes als Erpressung, wenn die Kommissionspräsidentin vor dem Europäischen Parlament erklärt, Ungarn werden die ihm zustehenden Gelder solange zurückgehalten, bis es seinen Standpunkt zu illegaler Migration und Gender korrigiert?!“ Foto: Sozialmedien/ Viktor Orbán

Orbán-Interview

„Das ist ein Erpressungs-Szenario!“

„Unser Standpunkt ist weiterhin eindeutig: Im Ukraine-Krieg gibt es keine militärische Lösung“, so Ministerpräsident Viktor Orbán gegenüber dem französischen Nachrichtenmagazin „Le Point“.

Leider bleibe Ungarn mit diesem Standpunkt in der EU allein. „Sie wollen, dass wir der Ukraine über vier Jahre hinweg 50 Mrd. Euro geben. Wir haben das Recht, diesen Vorschlag abzulehnen. Schließlich hat die EU vor drei Jahren einstimmig einen Haushaltsrahmen verabschiedet, der nun willkürlich geändert werden soll“, kritisierte Orbán in dem Interview.

Armageddon über Ungarn?

Orbán betrachtet dies als eine Frage der Souveränität, wolle aber auch die Einheit der Gemeinschaft nicht gefährden. Deshalb unterbreitete Ungarn einen Kompromissvorschlag, wonach die Entscheidung über die Ukraine-Hilfe jährlich zu überprüfen wäre. „Uns geht es dabei nicht um ein Veto oder Erpressung, sondern darum, die Einheit der EU zu bewahren“, stellte der ungarische Ministerpräsident klar.

Wie die Reaktion der EU darauf ist, zeigte sich jüngst an einem Artikel der Financial Times. „Das ist eine Art Erpressungs-Szenario. Sie sagen auf den Punkt gebracht: Wenn wir uns wie ein souveränes Land verhalten, dann wird Ungarn mit einer Finanzblockade belegt und die Ukraine-Frage mit der Rechtsstaatlichkeit verknüpft. Dann soll ein Armageddon über Ungarn hereinbrechen. So steht es in dem durch die Zeitung gelüfteten Dokument. Wer Brüssel kennt, hat keinen Grund, an der Echtheit dieses Dokuments zu zweifeln.“

Orbán: „Wir sind keine blutigen Anfänger in diesem Geschäft“

Zur anschließenden „Richtigstellung“ eines hochrangigen EU-Beamten merkte Orbán an, „wir sind keine blutigen Anfänger in diesem Geschäft. Wenn die Financial Times etwas konkret niederschreibt, können wir sicher sein, dass jenes Dokument existiert.“

Insbesondere seit dem Brexit habe sich die EU in eine imperialistische Richtung entwickelt und entfernt sich zunehmend von der Gemeinschaft souveräner Staaten. Dazu gehöre der anhaltende ideologische Feldzug gegen Ungarn, gespickt mit ständigen Erpressungsversuchen. „Was bitte schön ist es denn anderes als Erpressung, wenn die Kommissionspräsidentin vor dem Europäischen Parlament erklärt, Ungarn werden die ihm zustehenden Gelder solange zurückgehalten, bis es seinen Standpunkt zu illegaler Migration und Gender korrigiert?!“

7 Antworten auf “„Das ist ein Erpressungs-Szenario!“

  1. Von der BZ auf den Punkt gebracht. Da also die Slowakei wie auch Österreich unter Brüsseler und Kiewer Druck ihren eigentlichen Standpunkt verlassen, ist damit zu rechnen, dass Brüssel versucht, seine Maximalforderung durchzusetzen. Ungarn bleibt aber standhaft, was man schon jetzt daran erkennt, dass der Forint abwertet. so jedenfalls meine Wertung der Ereignisse. Erlösung gibt es erst nach der EU-Parlamentswahl, wenn sie die Mehrheitsverhältnisse zu Gunsten Ungarns und anderer verändern, die nicht die Zentralistische EU wollen.

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  2. Wenn es in einer Ehe keine Kompromisse mehr gibt, oder die Bereitschaft dazu, dann wird sie geschieden. Hier wäre es doch auch ganz einfach, weiterhin souverän zu entscheiden. Einfach die Scheidung einreichen. Anscheinend hats bei den Briten doch auch funktioniert.

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  3. Herr Hohensohn, ich glaube nicht, dass bei der Wahl der erhoffte Rechtsruck eintritt. Vergessen Sie bitte nicht, dass das Wahlalter auf 16 Jahre herabgesetzt wurde. In Ungarn aber mit der Kommunalwahl verknüpft wurde (Um die Wahlbeteiligung zu erhöhen) die widerum erst ab 18 ist. Die jungen Wähler entscheiden in der Regel anders.

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    1. Wollen Sie spekulieren, mit 18 Jahren würden die Wähler sich umentscheiden, oder das Ergebnis würde mit jedem Jahr nur deswegen für Ihre Bonzen günstiger? Und wenn es so wäre, wie Sie behaupten, dann wäre das wahlentscheidend, weil die Wähler von 18 bis 100 Jahren nicht die allermeisten sind? Und alle Umfragen wären deswegen dilettantisch?

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  4. Herr Hohensohn, das habe ich so nicht gemeint. Aber die linke Parteien, besonders die Grünen haben ihre Wählerschaft eher bei den jüngeren. Bei der letzten Wahl waren bei den unter 25-Jährigen die Grünen nämlich die beliebteste Partei. 23 Prozent in der jüngsten Wählergruppe haben ihre Stimme den Grünen gegeben. Konservative Wähler sind eher aus der älteren Wählerschaft. Das war bei den ltzten Wahlen so, dürfte sich kaum geändert haben. Was sind denn “meine Bonzen” ? Und das behaupte ich ja nicht, das sind einfach Erkenntnisse der letzten Wahlen.

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  5. Es ist eine Unverschämtheit und bodenlose Frechheit, was die EU-Kommissionspräsidentin und andere Kommissionsverantwortliche sich erlauben (lt. FT), einen souveränen Mitgliedsstaat derart schädigen zu wollen. Es ist unfassbar, in welche Richtung diese EU abgedriftet ist. Bisher galt uns Deutschen das Sowjetreich als das `Reich des Bösen`, doch nun sitzen wir bald in einem anderen mittendrin und müssen zusehen wie unsere Wirtschaft deindustrialisiert wird. Eine Hilfe von der EU ist nicht zu erwarten; im Gegenteil. Hoffentlich bekommt dieses Gebilde EU im Juni 2024 die Quittung.

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