Wie jedes Jahr schlug die Rede von Ministerpräsident Viktor Orbán im siebenbürgischen Tusnádfürdő auch dieses Mal wieder hohe Wellen. Foto: Ministerpräsidentenamt/ Vivien Cher Benko

Siebenbürger Sommeruni

Nachwehen des Orbán-Vortrags

Am Montagmorgen wurde Ungarns Botschafter in Bukarest ins rumänische Außenministerium bestellt.

Beobachter sehen dies im Zusammenhang mit Äußerungen ungarischer Spitzenpolitiker auf der Sommeruniversität in Tusnádfürdő (Bad Tuschnad).

Nachdem Ministerpräsident Viktor Orbán seinen Vortrag auf der Siebenbürger Sommeruni ungestört von Provokationen rumänischer Nationalisten halten konnte, bedankte er sich noch am Samstag in einem Brief bei seinem rumänischen Amtskollegen Marcel Ciolacu für die Gewährleistung der Sicherheit. Im Vortrag selbst hatte sich Orbán aber über das Außenministerium in Bukarest lustig gemacht.

Westliche Werte im schlechten Licht?

Man habe ihm in einer Art „Leitfaden“ zu seiner Rede geraten, keine rumänischen Verwaltungseinheiten in den Mund zu nehmen, die nicht existent sind. Dazu meinte der ungarische Ministerpräsident: „Wir haben nie behauptet, dass Siebenbürgern oder das Szeklerland rumänische Territorialeinheiten wären.“ Zu weiteren Handlungsanweisungen, wonach der Gastredner „westliche Werte“ wie Migration und LGBTQ oder aber den Ukraine-Krieg nicht in einem schlechten Licht darstellen sollte, merkte Orbán schnippisch an: „Das muss ich nicht tun, das geschieht von ganz alleine.“ Schließlich lud er Rumäniens Präsidenten zu einem Vortrag nach Ungarn ein, bei dem die ungarischen Behörden ganz sicher nicht vorschreiben würden, worüber er sprechen solle und was er sagen dürfe.

Immer ehrlich und respektvoll

Warum der ungarische Botschafter am Montag ins Bukarester Außenministerium bestellt wurde, behielt Außenminister Péter Szijjártó zwar für sich. Er meinte jedoch, dies sei keine große Überraschung gewesen. Das Treffen mit einem Unterstaatssekretär habe jedenfalls in einer sachlichen und höflichen Atmosphäre stattgefunden. So konzentrierte sich auch Szijjártó auf die positiven Momente: „Wir sind an einer Zusammenarbeit der Nachbarn interessiert, die auf gegenseitigem Respekt basiert, denn dies gereiche beiden Staaten und Nationen zum Vorteil. Wir werden von unserer Seite immer danach streben, unsere Pläne, Ziele und die Bewertung der aktuellen Lage ehrlich und respektvoll vorzutragen.“

Hier können Sie die Rede von Ministerpräsident Viktor Orbán auf Deutsch nachlesen.

16 Antworten auf “Nachwehen des Orbán-Vortrags

  1. “Zu weiteren Handlungsanweisungen, wonach der Gastredner „westliche Werte“ wie Migration und LGBTQ oder aber den Ukraine-Krieg nicht in einem schlechten Licht darstellen sollte,…”

    Also, wenn er LGBTQ oder einen Krieg nicht als Übel ansprechen, und das auf ungarischem Boden in Großrumänien, dann ist es nicht mehr weit dahin, dass man in der EU bald nur noch so reden darf, wie es die Linken EU-Bankrotteure vorgeben.
    Romänien hat auf jedenfalls mit seiner Reaktion und vorherigen Anweisung an Orbán ein paar Pluspunkte in Brüssel bekommen. Schließlich will die SPD, dass das nächste BMW-Werk mitten in den Karpaten gebaut wird.

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  2. “The Critic”com uk.
    ” Finanzielle Belastung der EU”
    Original in Englisch.
    Sehr guter Artikel von Balázs Orban.
    Wenn jemand nicht aus deutschen Zeitungen verstanden hat, warum vLeyen wieder und wieder ohne ” Buchführung” Geld verlangt, gute Nachhilfestunde.
    Kalnoky hat in seinem Twitter mich darauf aufmerksam gemacht.
    ” Information ist Macht”.

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  3. Auszüge aus Focus.de dazu:

    In seiner traditionellen Rede im siebenbürgischen Kurort Bad Tuschnad prophezeit Ungarns Premier Viktor Orban den Untergang der USA und Europas. Ungarn hingegen sei unter seiner Führung wieder auferstanden.

    Generell gibt sich Orban in Bad Tuschnad jedesmal gleichermaßen als Untergangsprophet wie als Retter. Er zeichnet das Bild eines schwächlichen, verkommenen Westens, dem er ein starkes christlich-nationales Ungarn unter seiner Führung entgegensetzt. Nebenbei schlägt der Budapester Premier gern polemisch-feindselige Töne gegen Rumänien an – und zwar in einer Weise, als sei Siebenbürgen noch immer Teil Ungarns und er, Orban, der Herr im Land.

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    1. lesen Sie selbst die Rede. In Ungarn aus erster Hand, “Ungarnreal”- deutsche Seite ist die Rede zu lesen.
      An Orban – nach Journalisten vor Ort – hatte man keinen “Griff” . Also, am besten die Rede lesen.

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  4. In diesem Jahr schien jedoch eine Überraschung anzustehen. Erstmals seit vielen Jahren war Orban kurz vor seiner Rede in Bad Tuschnad nach Bukarest gereist und hatte dort den derzeitigen rumänischen Premier Marcel Ciolacu getroffen. Dessen Sozialdemokratische Partei (PSD) steht Orbans rechts-nationalistischem Fidesz ideologisch teils sehr nahe. Doch wer nun erwartet hatte, dass Ungarns Premier in Bad Tuschnad gemäßigte Töne anschlagen würde, sei es gegenüber Rumänien oder gar gegenüber Europa, der wurde enttäuscht.

    Und schließlich zerstörte Orban auch gleich die „schöne Freundschaft“ mit Rumänien, die noch gar nicht richtig begonnen hatte. Seinen Amtskollegen Ciolacu verspottete er als den „20. rumänischen Premier“ seit seinem eigenen Amtsantritt 2010 (was falsch gezählt war, er war 18.). Und er machte sich über eine diplomatische Note aus dem rumänischen Außenministerium lustig, die er erhalten hatte und in der man ihn bat, über bestimmte Dinge, die „für Rumänien sensibel“ seien, nicht zu sprechen. Unter anderem, zitierte Orban, möge er nicht über „inexistente rumänische Verwaltungsgebiete“ reden – eine Anspielung auf Autonomieforderungen für die Ungarn im Szeklerland. „Wir haben nie behauptet, dass Siebenbürgen und das Szeklerland rumänische Gebietseinheiten sind“, polemisierte Orban.

    Auch als Großungarn-Nostalgiker tritt Orban schon seit Jahren auf – beispielsweise hängt in seinem Arbeitszimmer eine historische Großungarn-Karte. Neu ist, dass er die Zugehörigkeit Siebenbürgens und des Szeklerlandes zu Rumänien offen in Frage stellt, auch wenn er dafür die raffinierte – und formal korrekte – Aussage wählt, dass dies keine rumänischen Verwaltungsgebiete seien. Tatsächlich ist keine der großen rumänischen Regionen ein offizielles Verwaltungsgebiet – Rumänien hat 41 Landkreise.

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    Eines ist sicher, so löst Ungarn kein einziges nachbarschaftliches Problem, sie werden nur zunehmend unlösbar. Vielleicht bezweckt Ungarn ja das damit?

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  5. Das Széklerland gehörte nie zu Rumänien. Warum sollte hier Orbán lügen, so wie Olaf Bundeskanzler, wenn er behauptet, die Krim habe schon immer zur Ukraine gehört.

    Groß-Rumänien ist seit dem 1.Weltkrieg Realität, a cause des francais. Und dem wird sich kein Ungar beugen, denn es ist historisches und kulturelles Kernland der Ungarn.
    Orbán hat die Situation humorvoll behandelt. Eine andere Wahl hatte er auch nicht. Daran kann auch ein blasierter Schreiber aus Kleve nix ändern.

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    1. Dann wird es aber auch niemals Frieden in Europa geben. Das wäre die Konsequenz daraus, da alle Länder irgendwie alte Gebietsansprüche an andere Länder haben. Trotzdem schätze ich Ihre ehrlich Aussage sehr, weil viele nur verklausuliert darüber sprechen. Und wie soll man darüber sprechen, wenn der andere Gesprächspartner aus Angst oder anderen Gründen seine Meinung versteckt und man nur merkt, dass irgendetwas in der Logik nicht stimmt. Dann kann man nur vermuten, was der Grund ist.

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      1. In dieser Rede – finden Sie deutsch in UNGARNREAL – waren tiefgründige Zusammenhänge und Fakten zusammengestellt.
        Vermutlich kennen Sie Ungarn Geschichte nicht und auch nicht die Geschichte Siebenbürgen seit 2019.

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        1. SORRY!!!!! 1919 natürlich. Ich habe mich verschrieben. Entschuldigung.
          Übrigens: was die EU Finanzen angeht. Gutes Beitrag in “thecritic.co.uk” von Balazs Orban über die “Buchführung” der EU.
          Wenn jemand die ganze Misere nicht verstanden kann viel lernen.

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      2. Naive Position. Es hat sich seit 1989 schon viel geändert. Nur wird die Ukraine aufgeteilt, der Kosovo wurde mit amerikanischer Macht von Serbien abgetrennt, die russische Krim ist wieder russisches Staatsgebiet und die Slowakei hatte sich auch abgetrennt, die BRD ein Staat aus zwei Staaten. Manchmal entsteht Frieden so, manchmal ein Krieg.
        Und die linksgrünen unterstützen den amerikansichen Imperialismus. Gedankt sei Soros.

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  6. Und der Ablenker, Verdreher und Negierer W. K. hat wieder die Propagnda-Textbausteine seiner Anti-Orban -Programme eingestreut! Solche Störer sind gekauft und sollen Verunsicherung, Angst und Gegenstimmung erzeugen! Der Weste hat allen Grund, sich vor der programmatischen Politik zu fürchten Der Untergang der Hegemonie des größten Schurkenstaates der Welt – den USA – und seinen kriecherischen Vasallenregierungen ist historisch bedingt! Die wütende westliche Propaganda zeigt deutlich, dass man es auch dort erkannt hat! Es ist eine einfache Wahrheit, dass alle- Staaten, Personen, Gruppen Parteien…- was der Westen verunglimpft und vehement ablehnt auf der richtigen Seite der historischen Entwicklung steht! Leider wird es keine “friedliche” Revolution in die bessere Zukunft geben. Sie muß erkämpft werden!!

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  7. Auch wenn Index.hu hier nicht besonders beliebt ist:

    Rumänien erwägt derzeit bedeutende Verwaltungsreformen, die die Kreisstruktur des Landes umgestalten könnten. Der von Wirtschaft und Wissenschaft vorangetriebene rumänische Vorschlag zielt darauf ab, die bestehenden 41 Kreise auf nur 15 zu reduzieren, Bukarest ausgenommen.

    Grundlage für die Neuordnung wäre die Einwohnerzahl von Kleinstädten und Städten, wobei vorgeschlagen wird, dass Gemeinden eine Einwohnerzahl von mindestens 5.000 und Städte von mindestens 10.000 Einwohnern haben sollten. Befürworter argumentieren, dass eine solche Umstrukturierung die Effizienz des rumänischen Verwaltungsapparats steigern würde.

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    1. Bogdan Daniel Vișan, Präsident der rumänischen Industrie- und Handelskammer, unterstützt die Idee und betont die Notwendigkeit, Bevölkerungsschwellenwerte für Gemeinden und Städte festzulegen. Darüber hinaus erkennt Rumäniens sozialdemokratischer Ministerpräsident Marcel Ciolacu die Notwendigkeit einer Verwaltungsreform an, warnt jedoch davor, dass diese nicht über Nacht umgesetzt werden könne. Er gibt an, dass eine Neuordnung nicht vor den Parlamentswahlen 2024 erfolgen werde.

      Während der Vorschlag die historischen Grenzen Rumäniens respektiert, bestehen Bedenken hinsichtlich seiner Auswirkungen auf kulturelle, demografische und historische Aspekte, insbesondere in Siebenbürgen. Das Szeklerland mit einer ungarischen Bevölkerung von 38 % im Kreis Mureș steht vor einer Spaltung, was Fragen zur Autonomie aufwirft. In einem besonders problematischen Schritt würden Harghita und Covasna mit 85 % bzw. 74 % ungarischer Bevölkerung mit Brasov zusammengelegt. Dies eliminiert nicht nur jede Aussicht auf Autonomie, sondern verwässert auch die ungarische Mehrheit im entstehenden Landkreis auf 43 %, was eine deutliche Verschiebung gegenüber der aktuellen Bevölkerungsstruktur darstellt.

      Auch die Slowakei, der Nachbar Rumäniens, führt derzeit Verwaltungsreformen durch, wobei durchgesickerte Vorschläge auf erhebliche Änderungen schließen lassen. Das bestehende System, das ohne Verwaltungseinheiten mit ungarischer Mehrheit konzipiert ist, unterliegt potenziellen Änderungen, die sich nachteilig auf die ungarische Gemeinschaft auswirken könnten.

      Trotz eines anerkannten Reformbedarfs zögern slowakische Politiker, das bestehende, von Vladimir Mečiar geschaffene System in Frage zu stellen. Die vorgeschlagenen Änderungen könnten möglicherweise die ungarischen Interessen politisch und wirtschaftlich untergraben.

      Der durchgesickerte Vorschlag in der Slowakei deutet auf ein weniger günstiges Szenario für die Ungarn hin als das derzeitige System. Zu den Besonderheiten gehören der Anschluss von Šamorín an Bratislava, die Zusammenlegung von Trnava und Nitra zu einer größeren Verwaltungseinheit und die Abschaffung des mehrheitlich von Ungarn bewohnten Bezirks Komárno.

      Rumänien und die Slowakei über Verwaltungsreformen nachdenken, bleibt das empfindliche Gleichgewicht zwischen Effizienz und dem Schutz der Minderheitenrechte, insbesondere der Rechte der ungarischen Gemeinschaften, ein entscheidender Gesichtspunkt. Die Ergebnisse dieser vorgeschlagenen Änderungen werden wahrscheinlich in den kommenden Jahren die politische und kulturelle Landschaft in beiden Ländern prägen.

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