Fotos: MTI/ Noémi Bruzák

Energiepolitik

MOL-Chef: „Die Chinesen waren cleverer“

„Wir sprechen von Energiesouveränität in Europa, haben aber nichts weiter getan, als die eine gegen die andere Abhängigkeit auszutauschen.“

Diese frappante Meinung formulierte der CEO der MOL Nyrt., Zsolt Hernádi, auf einer Fachkonferenz am Montag in Budapest. Die Souveränität in Energiebelangen sei eine erklärte politische Absicht, die im krassen Kontrast zur Realität steht, wonach 3% des in der EU verbrauchten Erdöls und 5% beim Erdgas aus eigenen Quellen stammen. Die EU-Führung entschied politisch motiviert, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus Russland abzubauen. In Wirklichkeit aber wurden die Russen nur durch die Amerikaner ausgetauscht: die LNG-Exporte der USA nach Europa hätten sich seit 2022 verdoppelt.

Mit Stimuli statt Verboten arbeiten

Der Topmanager des größten ungarischen Unternehmens sieht die in der EU vor sich gehende Dekarbonisierung nicht als Ergebnis eines echten Strukturwandels. Die explodierenden Gaspreise hätten den Energiemarkt während der Corona-Pandemie völlig neu gezeichnet. Die Umstellung auf erneuerbare Energien brachte eine neuartige Abhängigkeit mit sich, denn China dominiert den Weltmarkt bei Solartechnik ähnlich wie bei Batterien. „Die Chinesen haben genau das Gegenteil von der EU gemacht. Sie sammeln Energievorräte an und kaufen weltweit erreichbare Kapazitäten auf. Da wird wahrlich entwickelt, die Souveränität gestärkt, die Importabhängigkeit reduziert.“ Der Drang nach Souveränität habe China „grün“ macht, die sinkenden Emissionen seien lediglich ein Nebenprodukt dieser Politik, zeigte sich Hernádi überzeugt. Die EU hingegen habe mit ihrer Energiepolitik den eigenen Spielraum systematisch eingeengt und verliert global in rasantem Tempo an Wettbewerbsfähigkeit, ohne eine strategische Autarkie erlangt zu haben. China lehre Europa, mit Stimuli statt Verboten zu arbeiten, weil man so weitaus effizienter vorankomme.

Ohne Überseehäfen schwieriger

Der MOL-CEO brach wieder eine Lanze für den Fortbestand der Energiebeziehungen zu Russland. Das sei für Ungarn als Binnenland von immenser Bedeutung, Staaten mit Zugang zum Meer könnten dies gar nicht beurteilen. Beim Erdgas sei Ungarn infrastrukturell gut vernetzt (mit Gaspipelines zu allen Nachbarn, ausgenommen Slowenien), beim Erdöl betrachte man die Abhängigkeit von Kroatien seit der Annexion der Krim 2014 als kritisch. Hernádi behauptete, aus Österreich kommend würde heute ebenso russisches Gas nach Ungarn fließen wie aus Richtung Süden via TurkStream.

„Die Dekarbonisierung ging nicht mit dem erhofften Effekt einer steigenden Souveränität einher“, meinte der CEO des größten ungarischen Unternehmens, Zsolt Hernádi.

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9. Februar 2026 12:05 Uhr