Gorbatschow
Ministerpräsident Viktor Orbán auf dem Weg zum aufgebahrten letzten Präsidenten der Sowjetunion: „Wir sind Michail Gorbatschow dankbar und möchten ihm mit unseren Blumen Respekt zollen. Gott sei mit ihm, möge er in Frieden ruhen!“ Foto: Ministerpräsidentenamt/ Vivien Cher Benkő

Orbán in Moskau

Letzte Ehre für Gorbatschow

„Es brauchte sehr Vieles, damit wir uns vor gut dreißig Jahren ohne Blutopfer von der Sowjetunion und vom Kommunismus befreien konnten. Ohne Michail Gorbatschow wäre das nicht eingetreten“,

schrieb Ministerpräsident Viktor Orbán am Samstag in den Sozialmedien, der persönlich am aufgebahrten Sarg des letzten sowjetischen Staatschefs in Moskau kondolierte. „Wir sind ihm dafür dankbar und möchten ihm mit unseren Blumen Respekt zollen. Gott sei mit ihm, möge er in Frieden ruhen!“

Einziger Staats- und Regierungschef eines EU-Landes

Orbán war der einzige Staats- oder Regierungschef eines EU-Landes, der nach Moskau reiste. Wegen des Ukraine-Krieges und der Sanktionen gelten weitreichende Einreise- und Flugverbote. Der russische Präsident Wladimir Putin rechtfertigte seine Abwesenheit mit dringenden Terminen und schickte seinen Vorgänger Dmitri Medwedjew. Ohnehin hatte Putin bereits am Donnerstag in dem Moskauer Krankenhaus, in dem Gorbatschow verschieden war, ihm seine letzte Ehre erwiesen.

Gorbatschow, der am Dienstag im Alter von 91 Jahren verstorben war, erhielt anders als z. B. Boris Jelzin auch kein Staatsbegräbnis. Seine „Perestroika“ leitete ab 1985 die Befreiung Osteuropas vom kommunistischen Joch ein, aber auch den Untergang der Sowjetunion, was ihm viele Russen schwer ankreideten.

Gorbatschow
Foto: Ministerpräsidentenamt/ Vivien Cher Benkő

4 Antworten auf “Letzte Ehre für Gorbatschow

  1. Dass die anderen Staats- uund Regierungs-Chefs sich weggeduckt haben, einen Staatsmann zu ehren, der Mittelosteuropa von der bolschewistischen Knute befreit hat, spricht Bände.

    Auch die Ausrede, wegen der Sanktionen nicht nach Moskau fliegen zu können, hat Orban widerlegt.

    R.I.P. Gorbi!

  2. Immerhin wurde in westlichen Medien mitgeteilt, dass Orbán als einziger Regierungschef in der EU an Gorbis Grab stand. Typisch Orbán, dass er auch in diesem Fall gegen den Haupt-Strom der Heuchelei schwamm. 1989 stand er am Mikrophon auf dem Hösöktere (Heldenplatz), um den Abzug der Sowjets zu fordern. Weiß im Westen fast niemand.
    Warum ist Merkel eigentlich nicht hingeflogen? Schließlich wäre sie nicht Kanzlerin geworden, ohne das Handeln derer, die gegen die linke sowjetische Diktatur standen.

  3. Gorbatschow gehörte zu den kommunistischen diktatorischen Herrschern, ließ aber große Schwäche des Kommunismus erkennen, die er vergeblich auszugleichen suchte, durch einen gelockerten Anschein. Von 1989 bis 1991 brach der Ostblock zusammen, durch den Druck des Volkes gegen die Obrigkeit, auch gegen Gorbatschow; ausgelöst war es durch Ungarns Einlenken gegen die Grenzsperrung.

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