Gasprom
Kurzsichtige Europäer
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Das stellte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag im russischen Staatsfernsehen klar. Europa leide in Wirklichkeit unter einer Wetterlage, welche die „unberechenbaren erneuerbaren Energien lähmt“, unter der Energie- und Preisbildungspolitik der EU sowie darunter, dass die LNG-Partner ihr Flüssiggas heute lieber an Kunden in Asien verkaufen, die bei weitem mehr zu zahlen bereit sind. Gasprom habe derweil eine Rekordmenge an Erdgas nach Europa geliefert und sei bereit, jeden weiteren Auftrag anzunehmen. Peskow bezeichnete es als „negative amerikanische Propaganda“, von Moskau zu fordern, Gasprom solle die Gastransporte via Ukraine erhöhen. Der EU bescheinigte er „sinnlose und primitive“ Weichenstellungen mit dem 3. Energiepaket, das im Geiste einer Anti-Monopol-Politik den Gasförderunternehmen untersagte, das Erdgas auch zu transportieren, und den Transporteuren untersagte, das Gas womöglich auch noch zu veräußern. Die überall an den Küsten Europas errichteten LNG-Terminals hätten die Erwartungen sinkender Gaspreise nicht erfüllt.

In russischen Medien wurde ebenso der „Unsinn“ vorgeführt, die Europäer klagten, Russland habe die Preise am freien Markt bis auf 1.000 Dollar je 1.000 Kubikmeter in die Höhe getrieben. In Wirklichkeit beziehe z. B. Deutschland sein Erdgas auf der Grundlage der langfristigen Verträge für 220 Dollar von Gasprom. Die Europäer wollten sich erst unabhängig von Gaslieferungen aus dem Osten machen und fordern nun in ihrer Not „billiges“ Gas via Ukraine, als würden plötzlich nicht mehr die Marktgesetze gelten. Dabei hätten die Amerikaner ein „Dumping an Flüssiggas“ in Aussicht gestellt, die nun Abnehmer in Asien präferierten. Warum wohl komme niemand in Europa auf die Idee, deshalb die Amerikaner anzugreifen, fragt man sich in Russland.
