Impfstoff aus China
„Hoffnungslos veraltet“
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Noch am Sonntag behauptete der Staatssekretär des Außenministeriums, Tamás Menczer, ganz Europa stehe in China um den begehrten Impfstoff gegen das Coronavirus an. Kaum dass am vergangenen Donnerstag bekannt wurde, Ungarn befinde sich in fortgeschrittenen Verhandlungen, hätten sich 14 andere europäische Länder binnen weniger Stunden bei den chinesischen Herstellern gemeldet. Das Schlangestehen bei den Chinesen sei noch zu gut in Erinnerung aus der Zeit der ersten Corona-Welle, als ein Wettlauf um Schutzausrüstungen begann.
Dabei warnte der Virologe Ernő Duda gerade am Wochenende im Regional-TV, der Impfstoff von Sinopharm sei gemessen an den modernen mRNA-Impfstoffen von Pfizer/BioNTech oder Moderna hoffnungslos veraltet. Die klassische Methode, durch abgetötete Viren eine Immunreaktion auszulösen, gehe immer mit dem Risiko einer Überreaktion einher, meinte der Professor derUniversität Szeged.
Diese Meinung untermauerte der EU-Abgeordnete Peter Liese (CDU), der im Interview für die linke Tageszeitung „Népszava“ erklärte: „Europa braucht keinen Impfstoff aus China!“ Mit dem heutigen Kenntnisstand hätte die EU im vergangenen Jahr selbstverständlich mehr Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna ordern sollen, aber diese Kenntnisse hatte man im Sommer 2020 einfach nicht. „Auch Viktor Orbán hätte keinen besseren Abschluss als die EU-Kommission herausholen können, ganz im Gegenteil“, meinte der EVP-Politiker mit dem Verweis auf das Beschaffungschaos im Frühjahr, als gerade in Norditalien viele Mitarbeiter des Gesundheitswesens wegen der fehlenden europäischen Solidarität in Ermangelung von Schutzausrüstungen ums Leben kamen.
Liese würdigte im Interview im Übrigen den technologischen Hintergrund des russischen Impfstoffs „Sputnik V“, der auf dem gleichen fachlichen Niveau angesiedelt sei, wie die Vakzine von AstraZeneca oder Johnson&Johnson. Er lobte die Leistung der russischen Wissenschaftler, die jedoch durch voreilige politische Entscheidungen in Misskredit gebracht worden sei.

Jawohl Herr Liese! Die Gratwanderung deshalb, weil ihr Kanzlerin bei Putin jetzt vorspricht für Lueferung? Vor einigen Wochen wurde Orban Anbiederung an Russland vorgeworfen.