Fidesz-Sieg
Matteo Salvini (2.v.l.) – hier zusammen mit Außenminister Péter Szijjártó im Juli 2019 in Triest – gehörte mit zu den ersten Gratulanten. Foto: MTI / KKM / Zsolt Burger

Stimmen aus dem Ausland

Salvini: „Bravo, Viktor!“

Als Erster gratulierte Lega-Chef Matteo Salvini noch in der Wahlnacht via Sozialmedien zum Sieg des Fidesz.

Salvini titelte seinen Eintrag in den Sozialmedien mit „Bravo Viktor!“ und gratulierte darin seinem Freund Viktor Orbán und dem ungarischen Volk. „Allein gegen alle“ habe Orbán jenen linken Fanatikern die Stirn geboten, die Europas jüdisch-christliche Wurzeln auslöschen wollen.

Morawiecki gegen Scheuklappen

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, der seinem Amtskollegen in der Nacht telefonisch gratuliert hatte, wurde von Journalisten am Montag auf einer Pressekonferenz zum Ukraine-Krieg mit dem Thema Ungarn konfrontiert. „In erster Linie sollten Sie endlich zur Kenntnis nehmen, egal wie Sie auch immer zu Ungarn stehen, dass der Fidesz die Wahlen bereits zum vierten Mal in Folge gewinnen konnte, noch dazu mit dem besten denkbaren Ergebnis, einer verfassungsgemäßen Mehrheit. Bitte respektieren Sie die Ergebnisse demokratischer Wahlen!“

Zum Streit um die Sanktionen gegen Moskau und der diesbezüglichen Haltung Ungarns angesprochen forderte Morawiecki die Pressevertreter auf, die öffentliche Meinung nicht ständig auf die falsche Fährte zu führen und einmal ihre Scheuklappen abzulegen. Dabei sei die Lage in Europa gar nicht so kompliziert, man bräuchte sich halt nur die Protokolle der Sitzungen des Europäischen Rates durchzulesen.

„Jeder, der diese Aufzeichnungen liest, weiß, dass harte Sanktionen vor allem durch Deutschland ausgebremst werden.“ Nicht Ministerpräsident Orbán habe die bisherigen Sanktionen blockiert, sondern jene großen EU-Mitgliedstaaten, die sich um ihre Geschäftsbeziehungen sorgen. Er werde Viktor Orbán bitten, schon wie bisher auch die geplanten, noch härteren Sanktionen gegen Russland mitzutragen.

Zeman: Du dienst Deiner Heimat aus Berufung

Ähnlich äußerte sich der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala, der in einem Glückwunschschreiben an Orbán seine Hoffnung ausdrückte, Ungarn werde nach den Wahlen aktiver an einer Lösung im Ukraine-Krieg mitwirken. Er betonte, Europa müsse geschlossen an der Seite der Ukraine stehen, auf deren Territorium Russland Kriegsverbrechen begehe.

Andere Regierungsmitglieder kritisierten Orbán offen für seine Pro-Kreml-Politik, wohingegen Staatspräsident Milos Zeman hervorhob: „Das ungarische Volk steht hinter Dir, weil es sich bewusst ist, dass Du Dir stets Ungarns Interessen vor Augen hältst und Deiner Heimat aus Berufung dienst.“ Unter den Gratulanten aus den Nachbarstaaten meldete sich auch Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer telefonisch.

Kiew reagierte reserviert auf Fidesz-Sieg

Russlands Präsident Wladimir Putin übersandte ein Glückwunschtelegramm, in dem er Orbán und dem Fidesz zum Wahlsieg gratulierte. Der Kreml sei zuversichtlich, dass „die weitere Entwicklung der Partnerschaft ungeachtet der schwierigen internationalen Lage voll und ganz den Interessen der Völker Russlands und Ungarns dient“. Außenminister Péter Szijjártó nahm Gratulationen seiner Amtskollegen aus China und der Türkei entgegen.

Die Ukraine reagierte derweil reserviert. Das Außenministerium aus Kiew ließ wissen, man respektiere den Willen des ungarischen Volkes, gleichzeitig müsse man jedoch die Behauptung zurückweisen, Orbán habe diesen Sieg auch gegen den Präsidenten der Ukraine erringen müssen. (Noch in der Wahlnacht sprach der Ministerpräsident von der größten Übermacht aller Zeiten, gegen die er sich behaupten musste: von der heimischen und der internationalen Linken über die Brüsseler Bürokraten und das Soros-Imperium bis zu den internationalen Medien und sogar zu Wolodymyr Selenskyj.

Gegen all diese Kräfte habe der Wahlausgang Unabhängigkeit, Frieden und Sicherheit für Ungarn bewahrt.) In Wirklichkeit hatte Selenskyj gar nichts mit dem Wahlkampf zu tun, meinte Kiew, der nun hoffe, dass die ungarische Regierung mit dem Wahlsieg im Rücken alle Sanktionen gegen Russland unterstützen werde.

2 Antworten auf “Salvini: „Bravo, Viktor!“

  1. Morawiecki ist wirklich raffiniert: Er baut Druck auf Orban auf, indem er ihn lobt. 😉
    Mit der “größten Übermacht aller Zeiten” hat Orban wohl leider recht. Er hat es geschafft, so ziemlich alle gegen sich aufzubringen.
    Das verlorene Grüppchen an Fidesz-Abgeordneten im EU-Parlament ist Sinnbild für die verhängnisvolle Konfrontationspolitik Orbans.

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13. Juni 2024 10:48 Uhr