Die Außenminister Péter Szijjártó und Marco Rubio unterzeichneten wichtige Vereinbarungen, die eine neue Qualität der Beziehungen zwischen den USA und Ungarn darstellen. Fotos: Außenministerium

Ungarns Energiebelange

Drei zentrale Themen

Die Außenminister Péter Szijjártó und Marco Rubio haben am Freitag in Washington ein zwischenstaatliches Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der Nuklearenergie unterzeichnet.

Ungarn brauche für seine Strategie der Reindustrialisierung immer mehr Elektroenergie. „Für unsere Energiesicherheit und die Wahrung der niedrigen Energiekosten für Haushalte stellt eine zentrale Frage dar, ob wir unsere KKW-Kapazitäten ausbauen können“, erläuterte Szijjártó die Hintergründe.

Historische Entscheidungen

Konkret wurde die historische Entscheidung getroffen, dass Ungarn erstmals Brennstäbe aus den USA bezieht. Außerdem erhält das AKW Paks (für schätzungsweise 200 Mio. Dollar) die modernsten US-Technologien für die sichere Einlagerung der verbrauchten Brennstäbe unmittelbar vor Ort. Drittens geht es um eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung der sog. kleinen modularen Reaktoren (SMR), die für die Versorgung größerer Industriezonen oder Städte in Frage kommen. Jeder einzelne SMR mit 300 MW Leistung kostet ca. 2 Mrd. Dollar; Ungarn könnte Interesse an 5-10 solcher modularen Reaktoren haben. In Bezug auf diese drei Schwerpunktthemen unterzeichneten die Außenminister Szijjártó und Rubio ein zwischenstaatliches Abkommen.

Des Weiteren wurde das Projekt AKW Paks 2. im Ergebnis des Arbeitsessens der ungarischen Regierungsdelegation im Weißen Haus endgültig von den Sanktionen befreit, die noch von Seiten der Regierung unter Joe Biden verhängt worden waren und durch die Trump-Administration zunächst nur provisorisch bis Mitte Dezember ausgesetzt worden waren. Das Bauprojekt wird in Fragen der Digitalisierung durch ein internationales Konsortium begleitet, zu dem neben Firmen aus Ungarn und Australien auch IBM gehört.

Westinghouse in Paks

Die staatliche Energieholding MVM unterzeichnete ebenfalls am Freitag einen Vertrag mit der Westinghouse Electric Company. Dabei geht es um die langfristige Diversifizierung der nuklearen Brennstoffversorgung des AKW Paks. Westinghouse wird im Falle eines erfolgreichen Genehmigungsverfahrens ab 2028 sog. VVER-440-Brennstäbe für ca. 100 Mio. Dollar liefern, um die stabile Versorgung des einzigen ungarischen Kernkraftwerks sicherzustellen. MVM-CEO Károly Mátrai sprach von einer strategischen Entscheidung, um den fortlaufenden Betrieb des AKW Paks sicherer und flexibler zu gestalten. Westinghouse-Handelsdirektor Tarik Choho verwies auf den Umstand, dass die US-Firma nunmehr sämtliche AKW-Betreiber in Europa versorgen kann, die technologisch von russischen Lieferungen des Kernbrennstoffs abhängig sind oder waren. Neben Ungarn betrifft das AKW-Standorte in Tschechien, Bulgarien, der Ukraine und Finnland.

LNG, ESG, Green Deal

Ungarn wird offenbar auch Flüssiggas (LNG) von einer noch nicht näher bestimmten US-Firma beziehen, im Wert von ca. 600 Mio. Dollar. Handelsminister Péter Szijjártó sagte am Sonntag im Kossuth-Radio, es gehe um einen fünfjährigen Vertrag über insgesamt 2 Mrd. m3, also 400 Mio. m3 pro Jahr. Paradoxerweise könnte diese Übereinkunft aber letztlich an den wahnwitzigen ESG-Anforderungen scheitern, mit denen die EU-Kommission sämtliche globalen Partner auf ihre Standards heben will. Nach Katar erklärte zuletzt Exxon, die LNG-Lieferungen nach Europa einzustellen, sollte die EU an ihren irrealen ESG-Prinzipien festhalten. Dabei wollte Brüssel mit dem US-Flüssiggas ja eigentlich das russische Pipeline-Gas ablösen – auch wenn das schmutzige und überteuerte LNG wie eine Verhöhnung der Klimaziele der EU erscheinen muss.

An der Seite von Voyager ins All

Szijjártó erwähnte sieben weitere Projekte von US-Firmen, darunter in den Segmenten IT, Elektronik und Medizintechnik, die noch in diesem Jahr konkret verkündet werden. Das Gesamtvolumen der diesjährigen Investitionen werde mit ca. 570 Mio. Dollar Dimensionen erreichen, die seit mehr als einem Jahrzehnt unbekannt waren. So bereite Ungarn eine umfassende Vereinbarung mit der US-Firma Voyager Technologies vor, die eine aktive ungarische Teilnahme auf den Gebieten Investitionen, Bildung, Weiterbildung und Technologien bei Projekten zum Bau von Raumstationen ermöglicht. Grundlage ist die kürzlich erfolgte zweite bemannte Mission im Weltall unter Beteiligung eines ungarischen Astronauten. Tibor Kapu konnte im Rahmen von Axiom-4 eine Reihe wissenschaftlicher Experimente vornehmen, die der technologischen Entwicklung dienen.

8 Antworten auf “Drei zentrale Themen

  1. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/orban-usa-haben-ungarn-finanziellen-schutzschild-garantiert/ar-AA1Q7Acr
    Wie auch immer dieser Schutzschild aussehen wird – und ob Ungarn ihn in Anspruch nimmt.
    Ich meine: die Brüsseler Bürokraten versuchen Ungarn politisch und finanziell Schachmatt stellen und eine Regierung ihrer Wahl – wie in Polen, Rumänien und so weiter zu etablieren. Die finanzielles aushungern lassen wird wohl nicht so einfach gehen. Es ist eine wichtige Nachricht. Politisch so wie so nicht, finanziell wird so Ungarn auch nicht erpressbar.

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  2. Natürlich gibt es immer zwei Seiten, aber unter Trumps Fittichen ist es allemal sauberer und sicherer als in der EU Korrumpel Elite. Victor Orban ist klar ein Mann der Demokratie und des Volkes, wo bleiben die Statements der Kommunisten in Ungarn dazu ?

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12. Dezember 2025 13:40 Uhr