USA
Die New Yorker Freiheitsstatue. Die USA sollten wieder das Wahrzeichen für Freiheit, Meritokratie, Pragmatismus, Leistungskult und Würde sein. Fotos: BZ / Jan Mainka

Essay über die fatale Wachablösung zweier Imperien

Die USA in den Fußstapfen der Briten

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das Produkt einer Rebellion gegen das britische Imperium. Diese Tradition des Aufbegehrens gegen den einstigen Kolonialherren werfen die Amerikaner heute allerdings über Bord.

Die USA haben sich jedoch die Methoden, die Arroganz, den belehrenden und herablassenden Stil der Briten zu eigen gemacht, um würdig in die Fußstapfen des imperialistischen British Empire treten zu können. Dabei hatten die ersten Siedler der Neuen Welt ja gerade deshalb mit ihrem alten Leben gebrochen und sich eine neue Heimstatt gesucht, um nach eigenen Kräften und Fähigkeiten glücklich zu werden und ihr Leben nach den eigenen Regeln und Gesetzen zu leben. Sie sehnten sich nach Souveränität, Freiheit und Unabhängigkeit, um Talent und Fleiß völlig ungebunden ausleben zu können.

„Nicht einmal Gott traut den Engländern“

Damals befanden sich die Briten weltweit noch auf dem aufsteigenden Ast, weshalb sie den Verlust ihrer Kolonien in Amerika leicht verschmerzen konnten. Sie waren so sehr damit beschäftigt, ihre Macht auf alle anderen Kontinente auszudehnen, dass sie nicht wahrnahmen, wie ein Herausforderer heranwuchs, der sie später in ihrer Rolle ablösen sollte.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts blieben die Briten Kolonialherren. In reichlich zwei Jahrhunderten erlangten sie eine unglaubliche Routine darin, wie man die besiegten Völker aussaugt, erniedrigt, ihrer Eigenständigkeit und Kultur beraubt. Es gibt nur zwei Dutzend Staaten auf der Welt, die nicht von den Briten angegriffen wurden, um sie irgendwie in die Abhängigkeit zu pressen. Der indische Politiker Shashi Tharoor prägte nicht umsonst den Satz: „Die Sonne geht im British Empire niemals unter, denn nicht einmal Gott traut den Engländern in der Dunkelheit.“

„Großbritannien ist das Trojanische Pferd der amerikanischen Interessen in Europa.“

Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts dehnte sich das Vereinigte Königreich weiter aus, als es das Römische Reich je vermochte. Nach dem Sieg über Napoleon – den sie im Übrigen mehr den Russen und Kutusow als Wellington zu verdanken hatten – waren die Briten überzeugt, sie hätten nicht nur den Anspruch auf die führende Rolle in der Welt, sondern auch die Befähigung dazu. Mit ihrer Flotte, die die Weltmeere beherrschte, eigneten sie sich alle greifbaren Güter und Schätze zur unentwegten Stärkung ihres Imperiums an. Sie bildeten sich mehr und mehr ein, ihr Prosperieren, verbunden mit der edlen Aufgabe zur Zivilisierung der Welt, sei eine gottgegebene Berufung.

Die Sprachrohre der Propaganda

So wie das Englische das Französische als Vermittlersprache ablöste, nahmen es die Briten in die Hand, Geschichte und Politik zu thematisieren und zu interpretieren. Mit Hilfe der aufkommenden Nachrichtentechnik fluteten sie die ganze Welt mit ihrer Propaganda. Die British Broadcasting Corporation (BBC) wurde 1922 mit der klaren Zielstellung gegründet, die Propaganda der britischen Regierung in die entferntesten Winkel der Welt zu transportieren. Nichtsdestotrotz konnten sie bis Ende des 20. Jahrhunderts den Schein wahren, sie seien die zuverlässigen Garanten einer unparteiischen Berichterstattung.

In den Jahrzehnten der kommunistischen Diktatur in Osteuropa mit ihren gleichgeschalteten Massenmedien galten die „Stimme Amerikas“ und „Radio Freies Europa“ als Sender der amerikanischen Gegenpropaganda, die BBC aber als unvoreingenommen und sachbezogen. Erst in den jüngsten Jahren hat sich ein breiter Konsens herausgebildet, der die britischen Medien mitsamt ihrer BBC als voreingenommene, niveaulose Sprachrohre der Propagandamaschinerie entlarvt.

Ganze Generationen wurden in die Irre geleitet, denn darin sind die Briten Meister. Wenn sie sich auf etwas verstehen, dann sind das Verrat, Intrigen, Betrug und natürlich das Belehren. Und sie verstehen es, die Geschichte nach ihrer Fasson umzuschreiben. Die Briten sind richtig gut darin, Geschichte neu zu interpretieren. Sie zeigen ein besonderes Geschick beim Umschiffen der dunklen Kapitel, dem Verschleiern brutaler Momente, von Bürgerkrieg, Mord und Verrat, sie bestreiten jede Mitverantwortung für die beiden Weltenbrände des 20. Jahrhunderts und den Kalten Krieg.

Churchill ein großer Staatsmann?

Dabei waren die Briten seit der Herstellung der deutschen Einheit 1871 fest entschlossen, das Deutsche Kaiserreich zu zerstören. Dazu schmiedeten sie Allianzen, die großen Anteil daran hatten, dass der Erste und dann auch der Zweite Weltkrieg vom Zaun gebrochen wurden. Churchill, einer der größten Kriegstreiber seiner Zeit, wurde zum Helden des 20. Jahrhunderts gekürt. Tatsache ist jedoch, dass er 1915 die Schlacht von Gallipoli erbärmlich verlor und 1940 vergebens die Invasion Norwegens plante, bei der ihm die Nazis zuvorkamen.

Die Propaganda aber stellt ihn als Staatsmann dar, der weise in die Zukunft zu schauen vermochte. Dafür wird stellvertretend seine Rede in Fulton angeführt, in der er die Zweiteilung Europas und den Beginn des Kalten Krieges voraussagte und den Begriff vom „Eisernen Vorhang“ prägte. Für diesen weisen „Blick“ in die Zukunft brauchte er freilich nur auf die Vereinbarungen zurückzugreifen, die er zwei Jahre zuvor mit Stalin in Moskau getroffen hatte.

Am 9. Oktober 1944 hatte Churchill Osteuropa, als gehörte es ihm, auf einem Fetzen Papier zynisch an die Sowjets abgetreten. Es war also zutiefst verlogen, als er sich in Fulton darüber echauffierte, dass der östliche Teil Europas von der Sowjetarmee besetzt worden war. Muss man sich angesichts solcher Tatsachen eigentlich noch wundern, dass die Budapester Churchill-Büste von Zeit zu Zeit mit roter Farbe übergossen wird?! Das sind Aktionen ungarischer Patrioten, die dem Briten nie verzeihen werden.

Die großzügigen Deutschen

Um über die Kriegsverbrechen der Briten großzügig hinwegzusehen, muss man schon Deutscher sein. Nur Deutsche sind imstande, jene Million toter Landsleute zu vergessen, die durch die britisch-amerikanische Seeblockade weit über das Ende des Ersten Weltkriegs hinaus zu Tode gehungert wurden. Ähnlich wie jene drei Millionen indischen Opfer während des Zweiten Weltkriegs, denen Churchill das Getreide wegen Eigenbedarfs seiner Truppen vorenthielt, mit der Begründung, Inder seien Menschen zweiter Klasse. Nicht zu vergessen die Terrorbombardements der Bevölkerung deutscher Städte, die später nur deshalb nicht als Kriegsverbrechen eingestuft wurden, weil diese Briten und Amerikaner ausführten. Diese Einäscherung ziviler Ziele war eine bewusste Entscheidung Churchills, um die Kampfmoral der Deutschen zu brechen.

Zum größten Helden des Zweiten Weltkriegs, ja gleich noch zum größten Staatsmann des 20. Jahrhunderts wurde Churchill schlicht und ergreifend dadurch, dass er genau dies von sich selbst behauptete. Seinen exklusiven Zugriff auf amtliche Dokumente missbrauchend schrieb er als Erster die Geschichte des Zweiten Weltkrieges. In dieser Geschichte wurde er zum Helden, während er andere zu Naivlingen degradierte. So geschehen mit Roosevelt, dem er eigentlich alles zu verdanken hatte. Bis heute stützen sich nicht wenige Forscher bei der Analyse des Zweiten Weltkriegs auf Schriften Winston Churchills. Dabei war die Wirklichkeit eine ganz andere.

Doch die Wahrheit aufzudecken lag nicht im Interesse der Briten. Bereits 1947 ließen sie bei ihrem Auszug aus Indien sämtliche Beweise einer brutalen Fremdherrschaft verbrennen. Unter dem Code „Operation Legacy“ wurde dieses Tun zwischen 1950 und 1970 zur gängigen Praxis der Briten, die aus den Archiven ihrer Kolonien alle Urkunden, Dokumente und sonstigen Belege aussortierten, die sie in einem schlechten Licht hätten erscheinen lassen. Jede Spur ihrer Unmenschlichkeit sollte beseitigt werden. Man wollte den Historikern die Arbeit erleichtern, damit sie nicht von Gewissensbissen geplagt womöglich das zivilisatorische Vermächtnis der Großmacht hätten verfälschen müssen. Wir haben es hier mit einer frühen britischen Perle der Cancel Culture zu tun!

Das Stockholm-Syndrom der Amerikaner

Die Briten hätten den mitprovozierten Ersten Weltkrieg verloren, wenn ihnen die USA nicht zur Hilfe geeilt wären. Die von ihnen geführte Entente konnte die Mittelmächte nicht niederringen, obgleich man diese in einen Zweifrontenkrieg verwickelt hatte: Im Osten kämpfte Russland und im Westen Frankreich gemeinsam mit dem britischen Weltimperium. Ohne den Kriegseintritt der USA hätten die Europäer einen einvernehmlichen Frieden geschlossen.

„Es fällt leicht, dein Gewissen reinzuhalten,

wenn Du es nie benutzt.“

Die USA verhinderten dies, indem sie Partei ergriffen für ihre einstigen Kolonialherren. Die bis zum heutigen Tage unter dem Stockholm-Syndrom leidenden Amerikaner warfen den Rettungsring aus dem Kalkül, dass der Stern der einst so großen Kolonialmacht bereits im Sinken begriffen war. Den Aufstieg der Deutschen wiederum fürchteten sie. Die letzte Alleinherrschaft der Briten, die über den Krieg hinaus noch auf den Weltmeeren bestand, wurde 1922 mit dem Washingtoner Flottenabkommen beendet.

USA
Laden mit Weihnachstartikeln in Manhattan – Die USA führen, wie einst die Briten, permanent Kriege in allen Ecken der Welt.

Das britische Imperium befand sich nach dem Ersten Weltkrieg im Niedergang, ohne dies zur Kenntnis zu nehmen. Man handelte, als hätte man nicht militärisch, wirtschaftlich und ideologisch verloren. Die Briten haben bis heute keine Vorstellungen von der Zukunft, weil sie sich in dem Irrglauben wähnen, die Geschichte immerfort genauso weiterzuschreiben, auf dass der verblichene Ruhm alter Zeiten irgendwann wie gebratene Tauben zurückkehren möge.

Nach dem ersten Weltenbrand wollten sie ihr Imperium nicht nur restaurieren, sondern sogar noch weiter ausdehnen. Die Welt aber wollte nach fünf Jahren des Blutvergießens einen Neuanfang. Lenin und Wilson versprachen eine neue Welt, die auf der Selbstbestimmung der Völker beruht. Das hätte das Aus für die Kolonialmacht bedeutet. Die Briten aber glaubten, die Zügel weiter fest in der Hand zu halten. Bereits 1916 hatten sie die Grenzen im Nahen Osten gemeinsam mit den Franzosen neu gezogen. Nach bestem britischen Brauch wurden dabei Stämme, Religionen, Sprachen und Kulturen bewusst durchschnitten. Nicht, dass auch nur die Hoffnung für ein friedliches Zusammenleben aufkeimt! Treffend bemerkte der türkische Außenminister noch 2014, dass der Erste Weltkrieg für sein Land bis heute nicht abgeschlossen sei.

USA fochten drei parallele Kriege

Wilson wiederum sah die Zeit gekommen, die USA geopolitisch zu positionieren. Nachdem die Kontrolle über Lateinamerika erlangt war, sollte nun die ganze Welt ein sicherer Ort für die Demokratien werden. Diese Absicht zielte eindeutig auf ein Ende der britischen Hegemonie. Die Amerikaner boten Selbstbestimmung, Demokratie, Meritokratie sowie Freiheit von Unternehmen wie Individuen. Im krassen Affront zu den feudalen Strukturen des British Empire, mit seiner Kolonialisierungspolitik und dem überholten Kastensystem.

Die USA verwandten das ganze 20. Jahrhundert darauf, die Weltmacht Großbritannien abzulösen und sich auf die Übernahme der Hegemonie zu konzentrieren. Eben aus diesem Grunde führten sie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs gleich drei parallele Kriege. Einen gegen die schwachen und den Feinden ausgelieferten Briten, denen man im Tausch für den Beistand schrittweise ihre Stützpunkte wegnahm und sie auf Jahrzehnte verschuldete. Präsident Roosevelt machte kein Geheimnis daraus, dass man die Briten aus ihren Kolonien verdrängen wollte. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit fragte er Churchill: „Wann räumen Sie endlich Indien?“

Natürlich kämpften die USA in erster Linie gegen das Dritte Reich. Das taten sie mit den gleichen Beweggründen, wie schon im Ersten Weltkrieg, nämlich eine Vereinigung Europas unter deutscher Führung zu verhindern. Schließlich führte man noch einen Krieg im Fernen Osten, gegen Japan. Zwar war der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 der offizielle Grund für den Kriegseintritt der Amerikaner. Der Bedeutung nach folgte der Ferne Osten aber an letzter Stelle. Dort erwartete man von den Chinesen, die Japaner zu besiegen – so wie man den Sowjets die Hauptlast bei der Zerschlagung des Dritten Reichs aufbürdete. Gar nicht in den Sinn kam den Amerikanern damals, dass China nicht durch die Kuomintang, sondern durch die von den Sowjets unterstützten Kommunisten vereint würde, die eine Volksrepublik ausrufen sollten.

Stellvertreterkriege der Briten

Der Zweite Weltkrieg war im Übrigen die erste internationale Unternehmung eines Stellvertreterkriegs, bei dem die Briten die Amerikaner für ihre Zwecke ausnutzen wollten. Denn obgleich London schon seit 1939 im Krieg mit Nazi-Deutschland stand, und bis zum Sommer 1941 ohne einen echten Verbündeten durchhalten musste, überstand man den Weltkrieg am Ende mit weniger Toten, als die Amerikaner. Die Briten hatten aus dem Blutzoll des Ersten Weltkriegs gelernt und verlegten sich im Zweiten lieber auf die „smarte“ Position, die Ereignisse zu steuern, militärische Aufklärung zu betreiben, die Kriegspropaganda hochzufahren und Desinformationen zu streuen.

Die USA hofieren gerne die weltgewandten Briten, denn den Self Made-Amerikanern ist es eine Ehre, sich mit Aristokraten und Lords zu umgeben. Während die Briten unverändert glauben wollen, die Amerikaner würden ohne sie nicht glücklich, benutzen die USA den Verbündeten hingegen wie einen Lakaien. Die Briten sind zu dieser Rolle verdammt, weil sie mehr zu leisten nicht länger imstande sind. Bester Ausdruck für diese Rollenverteilung war das amateurhafte Scheitern der Briten in der Suezkrise im Herbst 1956. Dieser Konflikt war eine besondere Tragödie für die Ungarn, weil er die Weltöffentlichkeit vom eigenen Volksaufstand ablenkte, der von der Sowjetarmee blutig niedergeschlagen wurde. Gemeinsam mit den Sowjets hinderten die Amerikaner die Briten daran, eigene geopolitische Akzente zu setzen.

Die Briten ihrerseits ließen auch in Ägypten wieder andere für sich kämpfen und sterben. Aus dem sicheren Hintergrund taten sie, als wäre ihnen an einer friedlichen Lösung gelegen. Die von den Briten ausgelöste Suezkrise, mit der sie Präsident Gamal Abdel Nasser stürzen wollten, bewies einmal mehr, dass sich Großbritannien nicht von der Wahnvorstellung lösen konnte, der Nahe Osten sei seine Spielwiese. Ihre politische Niederlage musste den Briten die Augen öffnen, dass sie ohne die Zustimmung der USA keine Kriegsabenteuer mehr wagen sollten.

Als sie dann 1982 den Krieg um die Falkland-Inseln führten, hatten sie sich diese Zustimmung im Vorfeld eingeholt. Es war ein Krieg, der abgesehen von der Besessenheit einer Kolonialmacht durch nichts zu rechtfertigen war. Binnen 74 Tagen starben etwa tausend Menschen, damit die Briten von einer Inselgruppe, die 13.000 Kilometer entfernt im Südatlantik liegt, auch weiterhin behaupten können, sie gehöre ihnen. Es ist unverständlich, wie die Welt diesen imperialistischen Aggressionskrieg dulden und Premierministerin Margaret Thatcher als Siegerin feiern konnte.

Russen erst ins Land gelockt

Später beteiligten sich die Briten an einer langen Reihe von Stellvertreterkriegen vom Irak und Afghanistan über den Arabischen Frühling und den Balkan bis heute in der Ukraine. Im Jahre 2003 trat man im Falle des Irak nicht nur als Kriegstreiber in Aktion, sondern versorgte die Amerikaner gleich noch mit Geheimdienstinformationen über angebliche Massenvernichtungswaffen im Arsenal Saddam Husseins. Diese Informationen waren natürlich wieder einmal gefälscht. Ähnlich stattete man den Clinton-Clan und die US-Demokraten beim Kampf gegen Donald Trump mit „Beweisen“ einer russischen Einmischung aus.

In gleicher Weise finden sich die britischen Lakaien im russisch-ukrainischen Krieg seit dem 24. Februar 2022 in der ersten Reihe bei Kriegshetze, Desinformationen und Waffenlieferungen. In ihrer Russophobie sind sie nicht zu überbieten. Dabei war es London, das nach dem Brexit die russischen Oligarchen ins Land lockte, um Finanzsektor und Immobilienmarkt am Leben zu erhalten. Bis zum Februar 2022 interessierte der zweifelhafte Ursprung der russischen Vermögen dort niemanden. Um dann die russischen Staatsbürger auf eine Weise, die an die dunkelsten Kapitel des Kommunismus erinnert, von einem Tag auf den anderen all ihres Vermögens zu berauben, ihre Konten einzufrieren und sie zu unerwünschten Personen zu erklären. Ob die Briten dies aus eigenem Antrieb oder auf Weisung ihrer amerikanischen Herren taten, ist dabei zweitrangig.

Gebt uns den „American Dream“ zurück!

Seit die USA begonnen haben, das britische Imperium als Weltmacht abzulösen, ähneln sie ihrem Vorgänger in zunehmendem Maße. Man verdrängte den Mythos um den eigenen Ursprung und avancierte zu einer Republik der Aristokraten. Die Präsidenten entstammen Dynastien, ihre Angehörigen führen sich auf wie Politstars. Das meritokratische Prinzip, dem Stärke und Leistungsfähigkeit der USA entsprangen, wurde durch das Prinzip der positiven Diskriminierung abgelöst. Die US-Gesellschaft verliert ihren Charakter als pragmatisch und geschäftsorientiert, um sich stattdessen von Ideologien leiten zu lassen, wie dies aus den Zeiten des Kommunismus bestens in Erinnerung ist. Progressivität ist das oberste Gebot, die Indoktrination der Massen gleicht jener im Osteuropa der 1950er Jahre.

„Das US-Imperium wird um 2050 nicht mehr sein.“

Die USA führen, wie einst die Briten, permanent Kriege in allen Ecken der Welt. Nur stellvertretend seien Vietnam, Afghanistan, der Irak und der Balkan sowie heute die Ukraine genannt. Überall wird sich eingemischt, für den Demokratieexport, um Chaos zu stiften, um Farbenrevolutionen zu organisieren und um zu amerikanisieren. Es war einmal, dass man der Welt Freiheit und das Versprechen einer erfolgreichen Gesellschaft ohne privilegierte Bürger verhieß. Dieses Modell nannten wir den „American Dream“.

Das Rad der Geschichte

Heute erleben wir zutiefst gespaltene Vereinigte Staaten mit einer am Boden liegenden Infrastruktur. Dieses Land kann seine Grenzen nicht länger sichern, nicht für Ordnung in den Städten sorgen, die Verbrecherbanden nicht unter Kon­trolle halten. Derweil sind die Eliten mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Sie verwenden alle Energien darauf, sich gegenseitig zu neutralisieren.

Der die USA beherrschende Deep State hat das Land in den Morast gezogen. Das Überleben sollen immer neue Kriege garantieren, denn ohne externe Feinde wäre dieses Kon­strukt längst zerfallen. Die Briten sind es, die den Amerikanern immer neue Feinde auf dem Tablett servieren. Sie halten sich wie seit Jahrhunderten für unersetzlich. In Wirklichkeit aber ist Großbritannien eine Insel am Rande des Abgrunds, unbedeutend klein, ohne Industrie, Innovationen oder eine autarke Landwirtschaft. Nur die Arroganz ist die alte…

Die USA verwenden alle Energien darauf, ihre Hegemonie zu bewahren. Das Rad der Geschichte können aber auch sie nicht zurückdrehen. Längst kristallisiert sich eine neue, multipolare Weltordnung heraus. Würden die Amerikaner dies anerkennen, könnten sie versuchen, sich anzupassen und das Beste aus der Situation herauszuholen.

Auch in unserem Interesse. Denn wir brauchen die USA als führende Kraft des Westens. Aber als eine Macht, die sich aufrappelt, um zu ihren ureigensten Werten zurückzukehren, um die wir sie einst bewunderten und beneideten. Und die vor allem nicht mehr dem britischen Imperialismus blind nachzueifern versucht. Die USA sollten wieder das Wahrzeichen für Freiheit, Meritokratie, Pragmatismus, Leistungskult und Würde sein. Unbedingt aufgeben sollten sie das Projekt, die ganze Welt umerziehen zu wollen. Denn das braucht wirklich niemand. Was wir bräuchten, wäre der „American Dream“.

Die Autorin ist Historikerin und Direktorin des Budapester Terrorhaus-Museums. Der leicht gekürzte Essay erschien ursprünglich auf Ungarisch auf ihrem Blog Látószög. Aus dem Ungarischen übertragen von Rainer Ackermann.

„Wir brauchen die USA als führende Kraft des Westens. Aber als eine Macht, die sich aufrappelt, um zu ihren ureigensten Werten zurückzukehren, um die wir sie einst bewunderten und beneideten.“

2 Antworten auf “Die USA in den Fußstapfen der Briten

  1. Hervorragendes Essay, welches die unselige Rolle der Angelsachsen in der Weltpolitik ins richtige Licht rückt. Churchill war ein charakterloser Kriegsverbrecher, Deutschenhasser und Massenmörder (Bombenterror auf deutsche Großstädte).
    Die USA wird den Gang des britischen Empire gehen und Ihre Vormachtstellung in der Welt verlieren – und das ist gut so!

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  2. Es ist Zeit objektiv- also nicht ” Sieger schreiben Geschichte” das Weltgeschehen untersuchen und beschreiben. Napoleon, Churchill, eine Reihe von US Politiker waren Kriegsverbrechen. Diese Tatsache relativiert nicht Hitler, Stalin, Lenin oder Pol Pot.

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12. Juli 2024 9:25 Uhr