Ministerpräsident Viktor Orbán verteidigt seine Position zu russischen Energielieferungen auch gegenüber dem US-Präsidenten. Foto: MTI/ Zoltán Fischer

Orbán zum Ukraine-Krieg:

„Der Westen will sich den Rest nehmen“

Als Farce ohne jede Bedeutung hat der Ministerpräsident den angeblichen Drohnen-Zwischenfall an der Grenze Ungarns zur Ukraine bezeichnet. Viktor Orbán stellte im Podcast „Stunde der Patrioten“ einmal mehr klar, dass die Ukraine ohne den Westen nicht lebensfähig wäre.

„Das Hinterland der Ukraine ist in Sicherheit, von hier greift sie niemand an. Die ganze aufgebauschte Sache ist eine Farce“, meinte der Ministerpräsident zum vermeintlichen Drohnen-Skandal, den der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor dem Wochenende inszenierte. Viktor Orbán fügte hinzu, weder Polen noch Rumänen, Ungarn, Slowaken oder Bulgaren wollen die Ukraine angreifen. „Wir mögen in manchen Dingen nicht mit der Ukraine einer Meinung sein, aber wir sind deshalb noch keine Feinde. Der Westen hält die Ukraine aus, die sich nicht benehmen sollte, als wäre sie ein souveräner Staat.“

Stärkere reden, als wären sie schwach

Zu den gehäuften Attacken russischer Drohnen gegen westliche Länder merkte Orbán an, die Reaktionen ließen tief blicken. „Westeuropa tut so, als sei man in größter Gefahr. Dabei kann sich Russland mit Westeuropa weder wirtschaftlich noch militärisch messen. Wir sind in jeder Hinsicht stärker. Ich habe nie verstanden, dass jemand aus der Position des Stärkeren so redet, als wäre er schwach.“ Auf die Frage, was passieren würde, sollten russische Drohnen nach Ungarn einfliegen, sagte der Ministerpräsident, laut Verteidigungsministerium sei man imstande, diese Drohnen auszuschalten. „Und wir werden nicht zögern, eindringende Drohnen abzuschießen.“

Wer normal denkt, bleibt bei den Russen

Warum er darauf bestehe, allen Sanktionen zum Trotz auch weiterhin Öl und Gas aus Russland zu beziehen, rechtfertigte Orbán mit der Versorgungssicherheit und den Preisen. „Wer normal denkt, wird eine sichere Bezugsquelle nicht gegen eine unsichere eintauschen.“ Jene Landsleute, die Ungarn wünschen, dass es von der russischen Energie abgeschnitten wird, sind entweder verrückt oder Verräter. Als ihn US-Präsident Donald Trump beim jüngsten Telefonat auf die russischen Energielieferungen ansprach, habe er ihm diese Zusammenhänge dargestellt und Trump habe das verstanden. „Wir sind kein Vasall der USA, es ist nicht so, dass Washington telefoniert und wir zu springen haben.“ Es handele sich um zwei souveräne Staaten mit ihren souveränen Staatschefs.

„Das wäre der sichere Weltkrieg“

Trump erkundigte sich auch, welche Meinung der ungarische Ministerpräsident zum Ukraine-Krieg habe. Für Orbán ist dieser Krieg entschieden, die Russen hätten gewonnen, es wäre an der Zeit für eine Vereinbarung zwischen Amerikanern und Russen oder gerne auch zwischen Europäern und Russen. Dieser Krieg könne auf dem Schlachtfeld nicht entschieden werden, es sei denn, der Westen und die USA schickten zig Tausende Soldaten. „Aber das wäre der sichere Weltkrieg, was niemand will.“

Im Übrigen sieht der ungarische Ministerpräsident hinter der Haltung des Westens ein anderes Motiv als den vorgetäuschten Kampf gegen Russland. „Die Russen haben sich ein Fünftel der Ukraine einverleibt, und der Westen meint nun, man habe das Recht, sich den Rest zu nehmen. Das ist ein echter imperialistischer Krieg, auch wenn das niemand offen ausspricht.“ Die bedauernswerten Ukrainer werden ausgeraubt, aber man verkauft das im Westen als Verteidigung der Ukraine.

15 Antworten auf “„Der Westen will sich den Rest nehmen“

  1. Die Ukraine ist also nach Herrn Orbans Meinung kein souveräner Staat.
    Was ist die Ukraine seiner Meinung nach dann?

    Der Westen tut so als wäre er wegen der Drohnen in Gefahr?
    Ja wirklich, wer regt sich auch auf wegen dieser Spielzeuge (so lange sie nicht im eigenen Land nieder gehen)?

    Herr Orban meint die Russen haben den Ukrainekrieg gewonnen?
    Läuft er denn nicht mehr, wurde die Hauptstadt schon eingenommen?

    Hält Herr Orban die Ungarn für dumm?

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    1. Was die Ukraine ist? Ein Marionettenstaat der NATO, der EU, der Multis. Was sonst?
      Die Drohnen sind meist Propaganda-Behauptung des Westens. Selenski behauptet sogar, von ungarischen Drohnen angegriffen zu werden.
      Dumm ist, wer das alles nicht durchschaut. Gauner ist, wer bewußt lügt. Klar, jeder sagt das von Gegner.

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      1. Aha, die Drohnen die nun schon mehrmals Flughäfen lahm gelegt haben sind also nicht wahr?
        Die Fotos, auch die privaten Aufnahmen, alles Propaganda der EU und der ominösen Multis sind kein Beweis? Die Schließung der Flughäfen nur Quatsch und Kinderkram, unnötig denn es gab ja keine Drohnen. Die “Multis” verzichten freiwillig auf die Millionen die so eine Flughafenschließung kostet?
        Völlig egal das so eine Drohne Flugzeugabstürze provozieren kann mit vielen Passagieren. Das traue ich nicht mal der “EU” und irgendwelchen “Multis” zu.

        Ihre Sorglosigkeit und Ihre Gutgläubigkeit ist schon erstaunlich.

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  2. Alles richtig. Dabei sind die Dinge noch nicht mal wirklich beim Namen genannt. Vielleicht fürchtet Orbán einen westlichen Terror gegen Ungarn wie den der Sowjetunion 1956, würde er die Dinge wirklich beim Namen nennen. Die Sorge wäre wohl berechtigt.
    Beim Namen: Knapp die Hälfte der ukrainischen Bezirke ist mit großer Mehrheit seit jeher rußlandfreundlich (abgesehen davon, daß seit dem Putsch 2014 viele geflohen oder vertrieben sind). Die West-Propagandisten nennen das Propagandalüge, aber es ist das amtliche ukrainische Archiv der Wahlen vor dem Putsch 2014. Z.B. Parlamentswahl 2007 und Präsidenten-Stichwahl 2010:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ukrainian_parliamentary_election_2007_%28HighestVote%29.PNG https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%D0%94%D1%80%D1%83%D0%B3%D0%B8%D0%B9_%D1%82%D1%83%D1%80_2010_%D0%BF%D0%BE_%D0%BE%D0%BA%D1%80%D1%83%D0%B3%D0%B0%D1%85-en.png
    Hinzu kam eine erhebliche russischsprachige Mehrheit in Donezk, Lugansk und auf der Krim laut Volkszählung 2001:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ukrainian_parliamentary_election_2007_%28HighestVote%29.PNG
    Man findet nirgends Erklärungen dazu, wie sich die Ukraine 1917 Neurußland unter den Nagel reißen konnte, aber die Krim ist klar: Sie wurde 1954 durch den Ukrainer Chruschtschow aus Willkür der Ukraine zugeschlagen, ohne eine ukrainische Bevölkerung zu haben. Und das nennt der Westen Völkerrecht! Die Grenzen so, wie Stalin und Chruschtschow sie wollten. Hätte bloß die Sowjetunion jemals die Konsequenzen anders herum gezogen und die Ukrainische SSR geteilt, dann hätte es nie zu diesem Krieg kommen können.

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  3. Es ist nicht abzustreiten, wird nur verdrängt: Janukowitsch kam 2010 nicht durch Putsch an die Regierung, sondern durch Wahl. Aus der Opposition heraus, also war die Wahl nicht für ihn gefälscht. Der rußlandfreundliche Teil der Ukraine wurde also knapp der größere. Aber seine Gegner wurden völlig undemokratisch, als sie die nächste Wahl nicht abwarteten, sondern 2014 gewaltsam nach der Macht griffen – auch nicht zu leugnen. Und die USA zettelten das an: Victoria Nuland im US-Außenministerium gab am 13. Dezember 2013 zu, daß die USA über 5 Milliarden Dollar in den Umsturz in der Ukraine gesteckt haben. Damalige Links sind mittlerweile entfernt. Die Mehrheit zählte also nicht mehr, sondern das westliche orientierte Gebiet bestimmte einfach über den Rest der Ukraine, eigentlich nur die Stadt Kiew über den Rest. Seither wird die russischsprachige/rußlandfreundliche Bevölkerung in Neurußland nur noch unterdrückt, verfolgt oder sogar vertrieben. Und Selenski ist ein brutaler Diktator im westlichen Auftrag.

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  4. Ukrainische Elite-Truppen (wie die Asow-Brigade) kämpfen mit Hakenkreuzen, SS-Runen u.ä. Dort in der Ukraine stört es den Westen nicht. Berichte dazu findet man manchmal bei kleineren Zeitungen, aber sogar bei der Frankfurter Rundschau kam es schon vor:
    https://www.fr.de/politik/ukraine-krieg-nazi-symbole-totenkopf-putin-propaganda-russland-zweiter-weltkrieg-asow-brigade-92328093.html
    https://www.belltower.news/militaerorden-centuria-und-asow-wie-rechtsextreme-soldaten-in-der-ukraine-vom-westen-ausgebildet-werden-127085/

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    1. Ja, die Asow-Brigade gab es. Das hat damals auch niemand bestritten.
      Nazis mit ihrem rechten Gedankengut gibt es mittlerweile in fast jedem Land, auch in der geliebten und bewunderten USA.
      Stört kaum jemanden so richtig, nur in der Ukraine ist es plötzlich etwas Schlechtes.
      Sie messen mit zweierlei Maß weil es ins Konzept passt.

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      1. Nicht ich, sondern Sie und die anderen. Sie finden das nämlich dort gut, in Deutschland aber schlecht. Unterstellen Sie mir das Umgekehrte? Aber es stimmt doch gar nicht, es störe in Deutschland kaum jemanden richtig. Es wird dort scharf verfolgt und anderen angehängt, um sie schlecht zu machen. Aber ich gehe davon aus, daß die deutsche Obrigkeit gegen deutsche Nazis dann plötzlich auch nichts mehr hat, wenn die in die Ukraine zu Asow usw. gehen. Spätestens dadurch müßte man zugeben, daß sie sich sehr von der AfD unterscheiden, was Ihre Obrigkeit ja trotzdem bestreitet.

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  5. Es entspricht nicht immer der Wahrheit, wenn man die Beurteilung Dritter über Herrn Höcke zitiert.
    Besser und authentischer wäre, wenn man die Verlautbarungen von Herrn Höcke sich einmal detailliert ansieht und auch versteht, was er sachlich meint und nichts hineindenken will.
    Auch wenn einem dieser gute Rechercheur mit exzellenten Geschichtskenntnissen unsympathisch durch linkste Propaganda geworden ist.

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    1. Ich habe mir die Äußerungen dieses Herrn schon seit Jahren detailliert angehört und gelesen und finde seine Sicht der Geschichte und der Gegenwart für einen ehemaligen Lehrer für Geschichte sehr beschämend.

      Dieser Herr meint genau das was er sagt. Da gibt es nichts zu beschönigen.

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16. März 2026 9:37 Uhr