Ist das noch Humor? Mit viel Körpersprache und vulgären Zoten versucht Carolin Kebekus das flache Niveau ihrer Texte auszugleichen. Foto: Screenshot aus dem besprochenen Beitrag

BZ-Kommentar: Die deutsch-ungarische Freundschaft und ihre Feinde

Der Mann mit dem Presslufthammer

Orbán ist ein „ungarischer Gulasch mit Ohren“ und „Gangster“. „Was in Ungarn passiert, ist zum Kotzen.“ Die Ungarn sind „bekloppt“ – Was das ist? Kaum zu glauben, aber wahr: dem Etikett nach handelt es sich um Humor. Denn all diese vulgären Beleidigungen verlauteten in der ZDF-Satire-Sendung Heute-Show.

Nun sollte man diese Art von Meinungsäußerung sicher nicht überbewerten. Humor ist formal auch dann noch Humor, wenn er in Form von primitiven Zoten daherkommt und wirklich gar nichts mehr mit dem geistreichen Humor gemein hat, für den etwa die beiden großen Dieter der Zunft, also Hildebrandt und Nuhr, stehen.

Übers Ziel hinausgeschossen

Auf keinen Fall sollte man Oliver Welke beziehungsweise Carolin Kebekus, aus deren Mund die oben erwähnten Verbalinjurien stammen, mit Steffen Seibert verwechseln. Insofern war es sicher etwas über das Ziel hinausgeschossen, als sich Regierungssprecher Kovács sogleich bemüßigt fühlte, sich öffentlich zu den Welke-Kebekus-Angriffen zu äußern.

Noch dazu mit einem Nazi-Vergleich. Aber wenn schon, denn schon … Kovács weiß, womit man sich in Deutschland am leichtesten Gehör verschafft. Unfreiwillig hat er sich damit jedoch zum Teil dieses niveaulosen Schlagabtauschs gemacht.

Was Welke ausspricht, denken einige Politiker nur

Die Heute-Show ist natürlich nicht das Heute-Journal. Allerdings drängt sich zuweilen der Verdacht auf, dass das, was Hofnarr Welke ausspricht, nicht allzu weit von dem entfernt ist, was bundesdeutsche Politiker des Regierungslagers über ihre politischen Gegner denken, sich aber (noch) nicht offen zu sagen trauen. Quasi als Seismograph der Stimmungslage des Berliner politischen Establishments könnten die Äußerungen von Welke und seinem Team also durchaus mehr als nur einen fragwürdigen Unterhaltungswert besitzen.

Wenn dem so wäre, dann könnte der antiungarische Tiefschlag bei Welke auf einen neuerlichen Tiefpunkt bei den deutsch-ungarischen Beziehungen hindeuten. Zumindest ist kaum vorstellbar, dass bei exzellenten deutsch-ungarischen Beziehungen in einer Sendung des deutschen Staatsfernsehens so hemmungslos und platt gegen Ungarn gehetzt würde.

Verschiebung von Grenzen

Ebenso wie nach den Sprüchen bundesdeutscher SPD-Politiker, die davon handelten, dass Ungarn „am Kragen gepackt“, „ausgehungert“ und mit „sehr schmerzhaften Instrumenten“ bearbeitet werden sollte, hat sich mit dieser Heute-Show die Grenze des über Ungarn öffentlich Sagbarem erneut verschoben.

Langsam scheint es in Bezug auf Ungarn kaum noch Hemmschwellen zu geben. Wer weiß, auf welche verbalen Tiefpunkte wir im Zuge der derzeitigen Veto-Krise noch zusteuern! Wobei die aktuelle Welke-Vorlage eigentlich kaum noch unterboten werden kann.

Demnächst Boykott-Aufrufe?

Und überhaupt: Was soll kommen, wenn der Bereich des Verbalen demnächst vollständig ausgereizt ist? Wird es dann etwa Boykott-Aufrufe gegen ungarische Lebensmittel geben? Oder physische Angriffe auf ungarische Einrichtungen in Deutschland?

Vielleicht werden die Gestalter der bundesdeutschen Politik nach der jüngsten Heute-Show aber auch peinlich berührt innehalten und erkennen, dass ein Weiter auf diesem Weg nichts Gutes verheisst.

Ja, derzeit gibt es zwischen beiden Ländern in zahlreichen politischen und ideologischen Fragen größere Differenzen. Ob diese allerdings rechtfertigen, das solide Fundament der deutsch-ungarischen Freundschaft zu zerstören und Erfolge auf anderen Gebieten zu gefährden, darf bezweifelt werden.

12 Antworten auf “Der Mann mit dem Presslufthammer

  1. Die Deutschen haben allzu oft in ihrem Wesenskern das, was Menschen dazu bringt, andere Menschen zu denunzieren, zu diskreditieren. Die beiden sozialistischen Diktaturen von 1933 bis 1989 – und 2005 bis 2021 sollte auch nicht vergessen werden – zeugen davon. Im schlimmsten Fall stecken sie andere Menschen in Gaskammern. Oliver Welke ist vermutlich Sprössling solch unmenschlicher Missetäter. Sein glaube an den tieferen Sinn von Überheblichkeit ist jedenfalls gewaltig groß. Wenn zwischen Propaganda und angeblichem Witz im ZDF kein Unterschied erkennbar ist, ist höchste Zeit, diese deutsche Regierung abzuwählen. Mein Tipp an Welke und andere Besserwisser: Er sollte sich mal mit den elenden Jahren unter den ungarischen “Sozialisten” beschäftigen. Dann müsste er voller Freude jauchzen: “wir haben es verfickt”, genau so wie es Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány 2006 voller Inbrunst tat, als er seinen eigenen Leuten in Balatonöszöd die Leviten las. Leider steht dieser Gyurcsány politisch auf Soros´ Seite. Was wäre wohl los, wenn Orbán einen Wahlbetrug hinlegen würde wie die linke ungarische MSZP im Jahre 2006. Die SPD und ihre bayerische Schwesterpartei CSU würden Kavallerie schicken. In einer nahezu gleichgeschalteten Medienlandschaft wie der deutschen wird es keinen Aufschrei geben, auch wenn es manche für taktisch unklug halten, was die heute-show da bringt. Nun ja, die rote Linie hat die rote Pissnelke aus der DDR schon oft überschritten, man denke nur die Annullierung des Wahlergebnisses von Erfurt oder die Suspendierung von Hans-Georg Maaßen nach den Vorfällen in Chemnitz. Madame ist ja noch in Amt und Würden. Ob danach etwas mehr Niveau aus dem Land der Dichter und Henker zu erwarten ist? Eines ist gewiss, Ungarn hätte damals besser daran getan, die Bürger aus der DDR zurück zu senden, denn mit so einem Land wie Deutschland kann man schwerlich Freundschaft halten.

    1. Danke lieber Herr Nyül,

      dieser Beitrag, ist zu 100(0) % genau wie Sie es beschrieben haben. Deshalb habe ich schon vor 5 Jahren meine Koffer gepackt und bin in das Land gegangen, weil ich das vorausgesehen habe und diesmal steht keiner wie 89 auf. Ich war damals eigentlich der Verfechter, diese St……Leute alle an die……….Danke noch einmal für diesen Beitrag, der mich voll bestärkt

  2. Sehr guter Kommentar von Jan Mainka !! Nur passt das Bild nicht zur Überschrift. Da freut sich kein Mann mit Presslufthammer, sondern eine Zotenfrau.
    Ansonsten habe ich mich sehr gefreut über Welkes Beitrag im evangelischen Staatsfernsehen. Momente, in denen eigene Vorurteile bestätigt werden, gehören zu den glücklichen im Leben.

  3. Ich als Deutscher, hier lebend im schönen Magyaren Land, möchte mich auch für diesen Artikel des Herrn Mainka, recht herzlich bedanken, bringt diesen Artikel in alle deutschen Kanäle,, es gibt nach wie vor viele Deutsche, die das als Bestätigung brauchen.

  4. Dass die Heute Show die Gefühlslage der Politiker (natürlich mit Ausnahme von AFD und CSU, die ja auch ein – zurecht! – sehr beliebtes und Ziel des politischen Kabaretts sind) wiederspiegelt und das Unausgesprochene auf provokante, überzeichnete Art darstellt, sehe ich auch so.

    Allerdings: warum auch nicht? Orban darf sich nicht beschweren, dass er mit der Blockade-Haltung das Unverständnis und den Unmut sämtlicher EU-Staaten (minus Polen) auf sich zieht. Und damit die Kabarettisten auf den Plan ruft, die mit dem in der Versenkung verschwindenen Trump nun auch mal Zeit für andere Themen haben.

    Dass Orban bei politischem Gegenwind dann immer die gleichen Kaninchen namens “Soros” und “Immigration” aus dem Hut zaubert, ist ermüdend und man kann es eigentlich auch nur ertragen, wenn man es kabarettistisch aufbereitet bekommt. Denn auf den von ihm beschriebenen Zusammenhang zwischen Rechtsstaatsmechanismus und Zwang zur Aufnahme von Flüchtlingen muss man auch erst mal kommen, es steht ja nichts davon im Gesetz.

    Ich stimme allerdings nicht zu dass es ein ungarn-deutsches Beziehungsproblem gibt. Es ist ein Orban-deutsches Problem, und egal wen wir sprechen, Freunde und Bekannte: sie schätzen die Ungarn sehr und mögen das Land, aber sie sind angewidert von der Orbanschen Rhetorik und der Art und Weise, wie mit abweichenden Meinungen in der Medienlandschaft umgegangen wird. Natürlich (und leider) ist die Berichterstattung über Ungarn inzwischen sehr einseitig, und über die eigentliche Politik und die Verdienste Orbans für die Verbesserung der Lebensumstände der Ungarn in der Zeit seit 2010 erfährt man wenig. Das erklärt vielleicht die Schieflage des Bildes, das man im Ausland hat. In den letzten Tagen habe ich einige recht ausgewogene Artikel in der NZZ gelesen, immerhin.

    Ich finde es nur schade, dass Orban sich durch das Bündnis mit Polen (deren Pläne und Taten zum Abbau des eigenen Rechtsstaates schaudern lassen), in eine scheinbar ausweglose Situation manövriert hat. Die Tragödie ist, dass ganz Ungarn nun darunter leiden muss, dass er weder für sich noch für seinen Klan Rechenschaft ablegen möchte vor einem internationalen Gericht, und diese Tatsache nun zu einer Frage des Patriotismus erklärt.

    1. …”sind angewidert von der Orbanschen Rhetorik und der Art und Weise, wie mit abweichenden Meinungen in der Medienlandschaft umgegangen wird.”
      In letzter Zeit habe ich ein paar mal versucht, in deutschen Medien wie “die Zeit”, WeLT oder auf dem Portal des ARD-Europamagazins Kommentare zu platzieren. AUSNAHMSLOS !!!!! wurden meine Beitrage blockiert, und jedes Mal hatte ich den Eindruck, dass der sachliche Dialog unerwünscht ist. Informationen, die nicht dem Mainstream entsprechen oder dem Prüfenden in den Medienhäusern nicht bekannt sind, werden ausgesiebt, unflätige Kommentare dagegen werden oft nicht blockiert, wie man sieht. Ausdrücke wie das ZDF in der heute-show verwende ich dagegen nie. Interessant, dass vor allem der Name “Ferenc Gyurcsány” sofort zum Ausschluss führt. Genau dies habe ich schon vor Jahren erfahren, als in der BRD die diktatorischen Tendenzen noch nicht so offensichtlich waren wie heute. In Ungarn ist die Meinungsfreiheit extrem viel besser als in A oder D, da besteht kein Zweifel.

      Hierzu ein Beitrag, den Sie lesen sollten. Tun Sie doch nicht so, als wäre die Situation der Medien in Deutschland oder Österreich prima. Dort ist der Umbau der Gesellschaft in vollem Gange, und wer sich gegen diesen wehrt, wird diffamiert.

      https://austrian-institute.org/de/blog/political-correctness-selbstzerstoerung-des-liberalismus-und-der-abendlaendischen-kultur/?fbclid=IwAR0YUF7trhXzj__3zVIbd42l5NvmxnFfcRZOveO0W9UERwySM1yaRZog_hI

      Was den Einfluss vonSoros betrifft, werden Sie hier schlau:

      https://eclj.org/geopolitics/coe/how-soros-open-society-and-microsoft-invest-in-the-council-of-europe–the-united-nations?fbclid=IwAR2UBry32x1EiYyAvMf-fqQVy34AzHT9aHzZ26ncpzHQvTmm2kHw2ChuXz4

      PS: Nett, dass Sie wenigstens darauf hinweisen, dass die Lebensumstände unter Orbán wesentlich verbessert sind. Sie sollten ihre Freunde in Deutschland mal auf den Wahlbetrug im Jahr 2006 von Ferenc Gyurcsány hinweisen. “Wir haben es verfickt” !! So geht die Linke Rhetorik. Der Westen hat daraus gemacht: “Wir haben es verbockt.” Und nun möchten sie Orbán entsorgen, wie es die SPD schon mal mit Johannes Kahrs formuliert hatte.

      Und sie sollten vor allem eins: Ihnen Freunden mitteilen, dass unter Gyurcsány auch Geld von der EU nach Ungarn floss, und dieser Gyurcsány 2006 trotzdem zugeben musste, dass seine Regierung nur Mist gebaut hatte, das Land bereits zwei Jahre nach dem EU-Beitritt pleite und ausgeraubt war.

  5. Wie ein jiddischer Spruch sagt: wenn jemand ein Stock in der Hand hat, früher oder später wird einen Hund finden, der bestraft werden muß.

    Deutschland war oft der Mann mit dem Stock für die sozusagen Osteuropäer. Die Idee, wie man diese Region behandeln muß kommt von Kanzler Metternich und geht auf anderthalb Jahrhundert zurück. Konzept ist unverändert, die Mittel dafür sind wechselhaft. Drei Jahrzehnte nach deutscher Wiedervereinigung die Wirtschaftliche Überlegenheit ist der Stock, womit man die renitente Hunde bestrafen kann. Heutige deutsche Hinterland ist noch nicht vorbereitet an “unschöne Biler” der Verprügelung, jedoch die Propagandamaschine ist los schon.

    Soviel über diese deutsche “Witze”, die man eher als Mahnung betrachten soll.

  6. Fuck ju Göhte
    „Deutschland, du mieses Stück Scheiße“? wird in der BRD auf Anitfa-Demos getragen. Petra Roth (Grüne) hat nix dagegen. Hier schließt sich der Kreis, der irgendwo in der BRD beginnt und in Polen sich schließt. Deutschland war schon immer sehr vulgär-primitiv, die anderen Länder merken das. Seit Angela das blöde, kleine Fähnchen von der Wahlkampfbühne verbannt hat, darf dieses Land gut und gerne vor die Hunde gehen. Den Brexit haben die Europäer dieser Frau zu verdanken, den Rest werden die beiden anderen weiblichen Lichtgestalten in Brüssel und Frankfurt erledigen. Professorinnen für Genderstudies und Kommissarinnen für Gendersprech, die uns beaufsichtigen, werden bis zuletzt fettes Beamtengehalt beziehen, während der Rest ausgemerkelt im Straßendreck liegend an die schönen alten Zeiten denkt, als man noch mit dem Auto nach Italien fahren konnte.

    1. Dr. Mokus

      voll auf den Punkt getroffen, diese “Weiberwirtschaft” hat das Land und die EU ruiniert. Dann noch ein Wirtschaftsminister, der “weinend” sich darstellt, nach den Fragen einer “Demonstrantin” im Bundestag. Einen Innenminister, der Senile ist, genauso, wie der Bundestagspäsident…….was will man mehr. Hurra, Deutschland befindet sich im freien Fall, Ach ja, den kleinen G. Den Herrn Außenminister habe ich ja vergessen……der ist ja zu allem noch die Krönung.

        1. Lieber Dr. Mokus,

          vielen Dank für den Link, super , genau wie ich es auch sage, aber warum findet sich keiner der diese Personen , es ist ja nicht nur der Ungar, zum Teufel in die Hölle jagt, es gibt doch sehr gute Geheimdienste…….eines jeden Landes und Ungarn hat einen Spitzen Geheimdienst….?????????

  7. Ja, der Artikel von Herrn Mainka hat alle relevanten Aspekte dieser unseligen und törichten deutschen Sendung beleuchtet. In einigen Passagen hätte ich mir eine schärfere “Zunge” gewünscht, denn die Rechtstaatlichkeit ist in diesem Jahr, hier in Deutschland massiv abgerutscht.
    Erfreulich ist es, bei den vielen interessanten Kommentatoren zu erkennen, dass alle im Prinzip der gleichen Meinung sind.
    Hoffentlich können der ungarische Premier Herr Orban und der polnische Ministerpräsident M. Morawiecki noch stramm auf ihrer Meinung beharren und sich durchsetzen, denn dadurch würde Deutschland noch nicht für die exorbitant hohen Schulden der Südstaaten Griechenland, Italien, Spanien und auch Frankreich zur Tilgung der Coronakrise herangezogen werden.
    Fallen beide Staatsmänner um oder werden zum Einknicken gezwungen, so wird D. die Hauptschuldenlast zu tragen haben.

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

BZ+
24. Juni 2022 15:40 Uhr