Fotos: MTI/ Zoltán Balogh

Kommunismus-Forschung

Auch heute noch Denkmäler für Lenin

„Der Kommunismus ist nicht tot, er lebt im Westen an Hochschulen, Institutionen, in den Medien und sogar in der Politik weiter.“ Diese Aussage machte die Historikerin Mária Schmidt auf einer Fachkonferenz am Mittwoch in Budapest.

Die Direktorin des Terrorhausmuseums ergriff auf der internationalen Wissenschaftskonferenz das Wort, die zum 10. Jahrestag der Gründung der Kommission „Nationales Gedenken“ (NEB) ausgerichtet wurde. Schmidt warf dem Westen vor, sich nie mit den Verbrechen des Kommunismus auseinandergesetzt zu haben. „Vor 33 Jahren mochten wir glauben, der Kommunismus ist am Ende, wir betreten eine Epoche der Freiheit.“ Der Osten hatte sich so sehr danach gesehnt, zum Westen zu gehören, doch diese Erwartungen wurden enttäuscht.

Die Direktorin des Terrorhausmuseums, Mária Schmidt, ist stolz auf die Neuinterpretation der jüngeren Geschichte.

Roter Stern kein Symbol des Unrechts?

Im Westen würden bis heute Denkmäler für Lenin und Marx akzeptiert, und niemanden „interessieren die Gefühle und Erfahrungen der Menschen aus dem Osten“. Ganz in diesem Sinne hätten es EU-Institutionen und EuGH abgelehnt, den Roten Stern als Unrechtssymbol anzuerkennen. Die Museumsdirektorin erinnerte an die Eröffnung ihres Terrorhausmuseums 2002, „mit dem wir eine Debatte auslösten, wie das 20. Jahrhundert zu interpretieren ist. Wir nahmen die Deutung des Kommunismus, die sich bis dahin in Händen der kommunistischen Elite befand, in die eigenen Hände.“ Heute spiele die Interpretation dieses Abschnitts der jüngeren Geschichte durch die Linken in Ungarn überhaupt keine Rolle mehr, verkündete Schmidt nicht ohne Stolz.

Deutscher Historiker: Kein wirkliches Interesse

Eine mangelhafte Aufarbeitung der Verbrechen der Kommunisten kritisierte auch der deutsche Historiker Hubertus Knabe. Selbst wenn sich zahlreiche Bücher, Forschungen und Ausstellungen mit dem Thema beschäftigten, wurde doch in der Praxis kaum jemand zur Rechenschaft gezogen. „Dass quasi niemand für diese Taten ins Gefängnis musste, ist eine große Schande.“ Gerichtsverfahren wurden in Deutschland nur gegen 250 Personen eingeleitet, von denen lediglich 40 zu Gefängnisstrafen verurteilt worden, deren längste vier Jahre betrug. Obgleich der politische Wille vorhanden war, die Verantwortlichen zu bestrafen, zeigten die alten Seilschaften und die neuen Parteien kein wirkliches Interesse daran.

4 Antworten auf “Auch heute noch Denkmäler für Lenin

  1. Verwirrte werden niemals aussterben, egal wie oft solche Versuche auch scheitern, denn beim nächsten Mal wird bestimmt alles gut werden.

    Man muss das akzeptieren, weil man es nicht ändern kann. Das ist auch eine Frage der Intelligenz, zu erkennen, was man verändern kann und was nicht.

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  2. Aber in Deutschland feiert der linke Kommunismus eine Wiedergeburt. Eine Aufarbeitung war wohl nicht erfolgreich. Das sieht man an den neuen geplanten Gesetzen des BMI und die derzeitigen geifernden Aussagen der Protagonisten.
    Die mangelhafte Aufarbeitung der Kommunisten wurde bereits vom Historiker H. H. Knabe genannt, der abberufene Leiter des Stasi-Gefängnisses Berlin Hohenschönhausen.
    Wurde ihm eine zugeschobene AfD-Nähe zum Verhängnis vor der plötzlichen Abberufung oder ein, aus der Luft gegriffene Sexismus-Vorwurf?
    Das sieht offensichtlich lt. Frau Maria Schmidt in Ungarn erfreulicher Weise ganz anders aus.

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  3. Der Kommunismus ist nun einmal Teil der Geschichte in vielen Ländern, auch weit außerhalb von Europa.
    Andere , wie zum Beispiel Könige, Kaiser und sonstige Despoten, die man mindestens 1000 Jahre zurück verfolgen könnte, sind doch auch nicht belangt worden, außer zufällig Marie Antoniette 1789 in Paris oder Ceausescu in Rumänien 1989. Wir sollten nicht so tun, als gäbe es in der heutigen Demokratie keine schwarzen Schafe.

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