Um es vorab zu sagen: Unerwartet oder gar überraschend waren die Aussagen des Finanzexperten, der zwischen 2007 und 2010 bei der Europäischen Zentralbank arbeitete, nicht. Mit Blick auf die wichtigsten ökonomischen Parameter Ungarns stehen die Zeichen – laut Palotai – weiterhin auf Wachstum. Ein Wirtschaftswachstum von 4,9 Prozent wie im Jahre 2019 kann 2020 – auch mit Blick auf die weltwirtschaftliche Gesamtsituation – zwar nicht erreicht werden, dennoch gehen die Experten immer noch von einem Zuwachs um 3,5 Prozent aus.


Rekordzahlen und steigende Inflationsrate

Damit ist Ungarn zusammen mit den anderen Visegrád-Ländern im Vergleich zum Großteil der anderen EU-Mitgliedsstaaten deutlich im Aufwind. Hinzu kommt mit weniger als 3,5 Prozent die geringste Erwerbslosenquote seit der Wende. Rund 4,5 Millionen Menschen arbeiten in Ungarn. „Das sind Rekordzahlen“, sagte Palotai. Allerdings schlägt die Inflationsrate derzeit mit 4,7 Prozent weiter nach oben aus und liegt nicht auf Kurs der Maastricht-Vorgabe. Aber auch das werde in den nächsten Monaten wieder ins Lot kommen, meinte der Experte.

Eine besonders erfreuliche Entwicklung zeigt sich in der Automobilindustrie Ungarns. Dem Audi-Werk in Győr steht eine größere Auslastung der Kapazitäten bevor. Das hat vor allem damit zu tun, dass das Werk besonders modern ausgestattet ist und dort günstiger produziert werden kann, als in älteren Werken. Zudem werden dort hauptsächlich Autos der höheren Preisklasse produziert, deren Käufer nicht so stark von ökonomischen Zyklen betroffen sind. Ein weiterer Grund sind die geringeren Lohnstückkosten, mit denen Audi in Ungarn produzieren lassen kann.


Keine konkreten Aussagen bezüglich Coronavirus

Viele positive Aussichten also für die ungarische Wirtschaft, wie der Chefökonom nicht müde wurde zu betonen. Dennoch werde das Coronavirus seine Spuren hinterlassen. Wirklich konkrete Aussagen zu den Auswirkungen dieser Epidemie konnte Palotai jedoch nicht machen. Lediglich, dass Ungarn durch ein Stocken der chinesischen Lieferketten – China ist der wichtigste Handelspartner außerhalb der EU – sicher einen Schaden davontragen wird. Das werde in dieser hochvernetzten, globalisierten Welt jedoch nicht nur Ungarn treffen.

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