„Mich knüpfen fast familiäre Bande an Budapest“, gesteht die Schwedin mit dem strahlenden Lächeln. Mehr als zehn Jahre war sie mit einem ungarischstämmigen Schweden liiert, durch den sie einerseits die westungarische Grenzstadt Szentgotthárd kennen und lieben lernte und sich auch der ungarischen Sprache annäherte.

Als es beruflich kein Vorankommen mehr gab in ihrer Heimat, beschloss Lina nach Ungarn zu übersiedeln. Ihr Hauptanliegen war es, die ungarische Sprache zu meistern, „von der Idee bis zur Umsetzung brauchte ich weniger als fünf Monate“.


„Budapest ist die Stadt, die mich geerdet hat“

Einmal in Budapest angekommen, machte Lina ganz neue Erfahrung: „Bis heute klingt das vielleicht ein wenig dahergesagt, aber Budapest ist die Stadt, die mich geerdet hat und wo ich die Grundlage für mein Sein in der Welt schaffen konnte. Budapest wurde irgendwie zu meiner besten Freundin in der ganzen Welt. Egal, wo ich bin, Budapest bleibt für immer mein Zuhause.“

So war es auch nicht verwunderlich, dass sie ihre Guilty Pleasure, ihre verwerfliche Leidenschaft, hier in Ungarn Wirklichkeit werden lassen wollte: „Ich glaube, es gibt Sachen, die sind vorherbestimmt in deinem Leben. In meinem ist, an einem Eurovision Song Contest teilzunehmen.“

Die Liebe zur Musik begleitet Lina schon ihr Leben lang. Bereits mit 6 Jahren sang sie im Chor. Da musikalische Frühförderung in Schweden generell eine wichtige Rolle spielt und Kinder ermutigt werden, ein Instrument zu lernen, versuchte sich Lina mit dem Klavier, „oder vielmehr schlug ich mich damit herum“. Auch daheim war sie von Musik umgeben, „meine zwei älteren Brüder waren Rocker und spielten beide Gitarre, sie haben mich stark beeinflusst.“ Außerdem gab es immer ein „nie richtig gestimmtes Piano im Wohnzimmer für mich, um mich auszuprobieren“.


Gänsehaut von eigener Stimme

Doch erst als Teenager, mit 14 Jahren, realisierte sie die eigentliche Kraft ihrer Stimme: „Ich nahm mich damals das erste Mal selbst mit meinem Computer auf. Meine Sprechstimme habe ich nie gemocht, aber als ich mich das erste Mal singen hörte, hab ich Gänsehaut bekommen“, erinnert sich Lina.

Seitdem ist Musik ihr Leben und ihr Leben die Musik. Noch in Schweden begann sie mit einem Gitarristen zu arbeiten, „Gustav Nilsson ist ein wirklich unglaublicher Mensch. Ich glaube, es war während eines Brunchs bei mir, als wir uns gegenseitig eingestanden, dass es unser beider geheimer und irgendwie beschämender Wunsch war, am Eurovision Song Contest teilzunehmen.“ So intensivierten sie ihre gemeinsame Arbeit. Ihr erster Versuch, ein Land im namhaften Sängerwettbewerb zu vertreten, galt Ungarn. „Aber leider wollte Ungarn unseren Song nicht.“

#

Wahl-Budapesterin Lina Sanden.


Doch Lina und Gustav ließen sich davon nicht entmutigen, schrieben und produzierten Songs und versandten diese im folgenden Jahr an alle Länder, die ihnen nur in den Sinn kamen. „Rumänien lud uns schließlich ein, was mir wie ein Zeichen des Schicksals vorkam, weil ich damals viel Zeit in Bukarest verbrachte.“ Nur eine Woche nach der Einsendung ihres Songs stand sie auch schon auf der Bühne in Rumänien. Beflügelt von diesem Erlebnis bewarb sie sich auch im Folgejahr – und schaffte es fast aus dem Stand bis ins Halbfinale des berühmten Wettbewerbs.

„Ich möchte, dass meine Songs mit einer positiven Botschaft enden”

Linas Erfolg im Songcontest ist wohl – wie bei den meisten Musikern – zwei Faktoren geschuldet. Zum einen einer kraftvollen, mitreißenden Stimme, bei der man sich unweigerlich fragt, wie sie aus so einer zierlichen Person hervorbrechen kann. Zum anderen Texten, die mehr zu sagen haben, als nur Party, Geld und Blödsinn machen. „Die meisten meiner Lieder sind eng mit persönlichen Erlebnissen verbunden, solchen, die mich gezeichnet haben. Manchmal arbeite ich in Songs auf, was ich anders nicht rauslassen kann, so beispielsweise in meinem Song ‚Another‘. Andere wiederum halten nur ein Gefühl oder einen Moment fest, wie ‚You‘.“

Doch eines ist allen Songs gemein: „Egal mit was, aber ich bemühe mich immer darum, dass meine Songs mit einer positiven Botschaft enden. Ich glaube einfach nicht daran, dass wir in Problemen versacken sollten, sie sind lediglich das, was uns zum Vorankommen zwingt.”

Doch manchmal kommen die Inspirationen für Linas Songs auch von ganz ungewöhnlicher Stelle. Beispielsweise ihrer Liebe für neuzeitliche Geschichte. „Ich bin absolut vernarrt in diesen Themenbereich und viele Stories aus Geschichtsbüchern schleichen sich dann auch in meine Lieder ein, Geschichten von hinter der Berliner Mauer oder aus Revolutionen.“

Was Lina am Ende wirklich singt, entscheidet jedoch stets die Melodie: „Meist ist es so, dass urplötzlich eine Melodie in meinem Kopf erscheint, dazu gesellen sich dann ein oder zwei Sätze oder Satzfragmente, die einfach kleben bleiben auf der Melodie, so, als sei das ihr vorherbestimmter Platz. Und ab da beginne ich dann zu arbeiten und suche nach einer Geschichte, die zur Melodie passt. Fast so, als würde die Melodie selbst entscheiden, was sie am Ende sein möchte.”


Nur live das wirklich Wahre

Lina Sanden ist eine geborene Performerin. Auch wenn Studioaufnahmen für eine Sängerin unerlässlich sind, wirklich zuhause fühlt sie sich nur auf der Bühne, mit einem Publikum vor sich, mit dem sie flirten, das sie unterhalten und mitreißen kann. Wer sie auf der Bühne erlebt, der wird Zeuge eines Wandels. Ihre Gesten sind nicht wirklich markant, ihre Stimme eher durchschnittlich. Doch sobald die Spots an und Lina in ihrem Element und auf der Bühne ist, verändert sie sich. Das Glitzern in ihren Augen wird zum gierigen Feuer, ihre Stimme kämpft darum, sich endlich Bahn zu brechen und beginnt sie zu singen, dann scheint es, als würde sie ihre Flügel entfalten und ihre Zuhörer mit auf eine gefühlvolle Reise durch die Geschichte und ihr Innerstes nehmen.

#

„Ich hatte immer das Gefühl, dass meine Stimme im Studio nie so groß wirkt, wie live. Und hinzu kommt die Anspannung, das aufregende Element der Live-Performance. Du gehst auf die Bühne und eigentlich weißt du nicht wirklich, was passieren wird. Die wundervollsten Momente passieren live, denn manchmal – wie aus dem Nichts – übernimmt meine Stimme das Kommando und schlägt dann ganz neue, unerwartete Wege ein. Diese Momente sind unbezahlbar.“

Doch auch die Verbindung zum Publikum, das Wissen, gemeinsam eine gute Zeit zu haben, ist für Lina wichtig. So ist es ihr auch gleich, ob sie in intimen Clubs, in privaten Wohnzimmern, bei Firmenevents oder gar auf großer Bühne auftritt. „Ich bin gern Hintergrundmusik, aber ich genieße es auch sehr, im Mittelpunkt zu stehen wie in London, als ich bei den New Media Europe Awards meinen eigens dafür geschriebenen Song performt habe.“

Neben allen internationalen Erfahrungen, Lina liebt Budapest innig: „Wenn ich Budapest jemandem beschreiben müsste, der noch nie hier war, ich würde sie die wildere, unverschämtere kleine Schwester Wiens nennen. Wo Wien zwar wunderschön, aber doch etwas steif ist, hat Budapest immer noch das Glitzern in den Augen. Budapest ist wunderhübsch mit seinen Boulevards, dem Fluss, den eleganten Restaurants. Die Stadt hat aber auch eine schmutzige, raue Seite und die ist so unglaublich kreativ! Ich mag, dass, egal, wie viel in Budapest gemacht und getan wird, die Stadt behält immer ihre Kontraste. Du kannst am Donaukorso flanieren und dich elegant und wohlhabend fühlen und nur wenige Schritte weiter eintauchen in den jungen, hippen 7. Bezirk. Oder die großen, pompösen Kirchen, die das jüdische Viertel kontrastieren. Und dann noch das Essen! Es geht nichts über die ungarische Küche!“


Wer mehr von Lina Sanden hören will oder sie buchen möchte, hier gibt es mehr Infos:

lina@sanden.com

www.linasanden.se

facebook.com/linasandenmusic

instagram.com/linasanden_

Telefon/whatsapp: 0046-708-158-546

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Parlament

Der letzte Tag in der Demokratie?

Geschrieben von BZ heute

Das Parlament hat am Montagnachmittag mit klarer Zweidrittelmehrheit das Gesetz über den Schutz…

Ungarischer Alltag in Zeiten der Coronavirus-Epidemie

Self-made-Masken und Tele-Seelsorge

Geschrieben von G. F.

Wohin man auch schaut, die Welt ist nicht mehr dieselbe. Wir sprachen mit Ungarn und Expats darüber,…

Die letzte Seite

Schnee im März? Das hatten wir doch schon mal!

Geschrieben von EKG

Erinnern Sie sich noch an den plötzlichen Wintereinbruch am 15. März 2013? Damals stand die…