Im Jahr 2009 nahm die UNESCO das Busó-Festival von Mohács in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Seitdem erfreut sich das geradezu urtümlich wirkende Fest der slawischstämmigen „Šokac“, auch zunehmend internationaler Aufmerksamkeit. Nachdem das BZ Magazin (10/2019) im vorherigen Jahr mehr auf die historischen Hintergründe eingegangen ist, widmet sich der vorliegende Artikel der Darstellung ganz persönlicher Eindrücke.

Beim Busó-Festival taucht man in eine geradezu urtümliche Welt der Masken und Geister ein. Dabei sollte man sich jedoch keineswegs abschrecken lassen: Wer eventuell noch zögert, nächstes Jahr mal nach Mohács zu fahren, nur weil die aus Holz geschnitzten Masken mit Widderhörnern, die opulenten Schafsfellmäntel und die weißen, mit Stroh ausgestopften Leinenhosen doch allzu furchterregend wirken mögen, dem sei gesagt, dass dieser Eindruck durchaus trügt. In Wirklichkeit sind die Busós äußerst herzlich: sie umarmen die Besucher wie alte Freunde; sie sind dankbar und lassen sich auch immer wieder gerne mit den Besuchern ablichten.


Wie aus Urzeiten

Alleine schon die Geräuschkulisse hat etwas Beeindruckendes an sich, da die Busós nicht nur ständig ihre Ratschen schwungvoll rattern lassen, sondern auch mit Schafsglocken behangen umher spazieren und damit eine eigentümliche Atmosphäre entstehen lassen. Dazu spielen Gruppen auf dem großen Platz von Mohács traditionelle südslawische Musik, die einen mit ihren frenetischen Rhythmen in eine beschwingte Stimmung versetzen und dazu verlocken, am großen Reigen teilzunehmen.

Neben den Busós mit ihren vielfältigen Masken gibt es auch eine Menge junger Frauen und kleine Kinder in traditioneller Šokac-Tracht mit verschleierten Gesichtern, die mit ihren seltsam anmutenden traditionellen Kleidern das Stadtbild ebenso prägen wie die Männer. So scheinen zum Teil ganze Familien wie aus einer längst zurückliegenden Kulturepoche verkleidet am Festival teilzunehmen. Hinzu kommen die „Jankeles“: Jungen in zerlumpten Kleidern, die ihr Gesicht wie Vogelscheuchen mit Lumpen oder Strümpfen bedecken und mit Asche, Mehl oder Lumpen gefüllte Säcke tragen.

Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die üblichen moralischen Regeln für Busós, Jankeles und Maskenspieler während des Karnevalszuges nicht wie sonst üblich gelten. Der dabei beobachtete „Schwebezustand“ scheint allerdings weitgehend harmlos und würde auch den Kölner Jecken keine Schamröte ins Gesicht treiben.


Tanzend den Winter vertreiben

Am ersten Tag versammeln sich die Busós, Jankeles und Maskenspieler auf dem großen Platz vor dem Rathaus. Hier kommen auch Busós hinzu, die soeben mit Booten über die Donau gesetzt sind. Nach einem Kanonensignal beginnen alle gemeinsam ihre Prozession durch die mit Ständen gesäumten Hauptstraße. Begleitet werden sie von Pferdekutschen, Traktoren und diversen fantasievollen Fahrzeugen. Gefeiert wird anschließend am Donauufer – solange, bis die Gruppen bei Dämmerung auf den zentralen Platz mit seiner großen Bühne zurückkehren und um ein riesiges Lagerfeuer ihren traditionellen Šokac-Tanz vollführen, an dem Hand in Hand auch die Besucher teilnehmen. Für Essen und Trinken ist natürlich reichlich gesorgt.

Am Faschingsdienstag wird schließlich auf dem Platz ein, den Winter symbolisierender schwarzer Sarg verbrannt. Auf diese Weise wird die dunkle Jahreszeit verabschiedet und der Frühling freudig begrüßt. Das urtümlich wirkende Busó-Festival ist ein äußerst originelles Kulturereignis – eine von ganzem Herzen gelebte Tradition, die aus fernen Zeiten nicht nur in die Gegenwart gerettet wurde, sondern inzwischen sogar wieder in voller Blüte steht. Verpassen Sie es nicht, wenn die Busós auch nächstes Jahr wieder zur Faschingszeit in Mohács ihr bezauberndes Unwesen treiben!

Mehr über das sehenswerte Festival erfahren Sie auf: https://www.mohacsibusojaras.hu/

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