Wer ist Banksy?

Diese Frage beschäftigt die Kunstwelt seit den 1990er-Jahren, als die ersten illegalen Graffitis des britischen und bis heute anonymen Sprayers an den Fassaden auftauchten. Ein Bild der Queen als Schimpanse etwa oder eine lebende, mit Warhol-Köpfen im Pop-Art-Stil besprühte Kuh auf der Weide sowie der blumenstraußwerfende Demonstrant, den Banksy unter anderem in Israel an der Mauer zur Westbank verewigt hatte, sind nur einige Beispiele für seine kontroversen Motive, die immer wieder Krieg, Faschismus sowie übermäßiges Konsumverhalten kritisieren.

Dabei variieren seine Werke von Miniatur-Ratten bis hin zu großflächigen XXL-Formaten, wie das Bild im britischen Dover, das auf den Brexit hinweisen sollte – es zeigte einen Handwerker, der, auf einer Leiter stehend, einen Stern aus der EU-Flagge entfernt und wurde bereits überstrichen. Um auch solch monumentale Motive schnell und effektiv gestalten zu können, hat Banksy eine Methode entwickelt, die es ihm ermöglicht, zügig im Schutze der nächtlichen Dunkelheit zu arbeiten. Er nutzt für seine Motive Schablonen, sogenannte Stencils, die er zuvor anfertigt und mit denen er die Bilder rasch an Flächen im öffentlichen Raum aufbringt.


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…auf diese Frage bleibt die Ausstellung eine Antwort schuldig.


Kritik mit und an Kunst

Ebenso Thema der Arbeiten des Inkognito-Künstlers ist die millionenschwere Kunstwelt an sich sowie die Kritik an selbiger. So verkaufte zum Beispiel einmal ein älterer Herr auf einem Kunstflohmarkt im New Yorker Central Park Leinwände mit aufgesprühten Banksy-Motiven. Kaum ein Besucher des Marktes wollte die Bilder kaufen. Die meisten hielten sie für billige Kopien, lediglich ein Tourist erstand vier der Werke. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der ältere Herr der verkleidete, echte Banksy war – was für ein Glück für den Touristen!

Höhepunkt von Banksys Kritik an der Kunstszene war jedoch ganz klar der Schredder-Vorfall auf der Kunstauktion im Londoner Auktionshaus Sotheby’s 2018. Sein berühmtes Bild „Girl with a Balloon“ war gerade verkauft worden, als kurz nachdem der Hammer fiel, das Bild wie von Zauberhand durch einen, im dicken Goldrahmen verborgenen, Schredder lief. Übrig blieb nur der obere Teil des Bildes, der Rest hing in Streifen herunter – eine Panne, wie Banksy in einem Video später aufklärte, eigentlich sollte das Bild komplett zerstört werden. Stattdessen wurde es zu einem komplett neuen Kunstwerk und heißt jetzt „Love is in the bin“ – die Liebe ist im Eimer.


Enter Through The Gift Shop

Eine weitere Parodie Banksys auf die Reproduzierbarkeit von Kunstwerken und die Umwandlung von Kreativität in Kommerz ist sein Dokumentarfilm mit dem Titel „Exit Through The Gift Shop“. Ein Slogan, der in wirklich (fast) jedem Museum der Welt die Besucher am Ende einer Ausstellung durch den Souvenir-Shop führt, um den Kauf einiger Produkte anzuregen.

Angelehnt an diesen Titel beginnt die Ausstellung im Budapester Tesla Loft hingegen mit einem Merchandising-Bereich – nach dem Motto „Enter Through The Gift Shop“. Von hier aus geht es dann entweder erst in den Filmraum mit der Überschrift „Where’s Hollywood?“, wo man sich Banksys Dokumentarfilm ansehen kann oder direkt weiter in den Ausstellungsraum, in dem neben Banksys Werken zudem große Graffiti-Reproduktionen präsentiert werden. Kreiert wurden diese von den ungarischen Künstlern Ákos Csere, Zoltán Czímer, Gergő Horváth und Zoltán Németh mit denselben Schablonen wie Banksy sie nutzt.

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Eine tolle Überraschung der Budapester Ausstellung ist ebenfalls eine Augmented Reality Museumsführer-App, die die Originalwände der Banksy-Werke via Smartphone für die Besucher zum Leben zu erwecken scheint und es ermöglicht, komplett in die Welt des Künstlers einzutauchen.

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Im Merchandising-Shop können die Besucher einmal selber in die Rolle von Banksy schlüpfen.

Für die Runde durch die Ausstellung, sollte man sich daher auf jeden Fall ein wenig Zeit lassen – zum einen, um die wirklich interessanten Informationsschilder zu jedem Werk zu lesen und zum anderen um Banksys Kunst intensiv auf sich wirken zu lassen. Denn es ist ziemlich beeindruckend, auf welch grandiose Weise seine Bilder gesellschaftskritische Themen transportieren und reflektierendes Denken anregen.

Zum Schluss geht es dann, auch wenn Banksy selbst den Kunst-Kommerz kritisiert, zurück durch den kleinen Merchandising-Shop. Neben Postkarten und Postern gibt es hier auch Bücher zur Ausstellung sowie T-Shirts, Jutebeutel und Pullover mit Banksy-Motiven zu kaufen. Allerdings nicht in vorgefertigter Form, wie man es gewohnt ist. Nein, die Textilien können von den Besuchern selbstständig mit Banksy-Schablone und Spraydose gestaltet werden – ein perfekter Abschluss der Ausstellung, die man nun sogar mit dem Gefühl selbst ein wenig Graffitikünstler zu sein verlässt.

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