Ich verstehe die Erscheinung und die Motivation der AfD, aber ihrem Führungspersonal kann ich nichts abgewinnen, schon gar nicht dem problembehafteten Björn Höcke in Thüringen. Was mich interessiert, sind jene mehreren hunderttausend deutschen Wähler, die für diese Partei stimmten, um ihre Unzufriedenheit zu artikulieren und ihr Gehör zu verschaffen. Diese einfachen Leute wollen, dass ihre Stimme genauso vernommen wird, wie die der Kölner Transgender-Medienkünstler mit ihrem Willkommens-Kulturtick. Und weil diese Leute von Sozialdemokraten und Christdemokraten immer weniger angehört wurden, haben sie sich am Ende halt eine andere Partei gesucht.


Nachfolgepartei der einst Menschen und Seelen tötenden DDR-Kommunisten

Was sollen diese Leute wohl jetzt denken, wenn sie unter Gebrauch ihres demokratischen Rechts für eine im demokratischen Rechtsstaat existierende Partei stimmten, die wiederum im Landtag von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machte, die Wahl eines Kandidaten zum Ministerpräsidenten zu unterstützen, woraufhin die komplette bundesdeutsche Politikelite diese Entwicklung ungeschehen machen will? Dabei ist es für diese Elite schon gar nicht mehr der Rede wert – nicht nur bei den Linken nicht, sondern ähnlich bei der CDU –, dass Thüringen in der vergangenen Legislaturperiode von der Nachfolgepartei der einst Menschen und Seelen tötenden DDR-Kommunisten regiert wurde. Als die jüngsten Wahlen dann ein Patt brachten, begannen selbst im Lager der CDU Gedankenspiele, wie weit man in der Zusammenarbeit mit der Linkspartei gehen dürfe. Das aber soll kein Problem sein.

Der zum Himmel schreiende Skandal sind stattdessen jene 242.000 Thüringer, immerhin 23 Prozent der Wähler, die im Herbst für die AfD zu stimmen wagten. Das ist ein NICHT IM GERINGSTEN KORREKTES ERGEBNIS. Obgleich die AfD also nahezu jeden vierten Thüringer hinter sich weiß, darf sie niemandem zur Macht verhelfen. Das reinste Germanogeddon! Die deutschen Mainstreammedien artikulierten sich sogleich in einer bewährten Einheitsfront. Doch nicht nur das, nein, auch Angela Merkel, die passivste Machthaberin der Welt, geriet ob des Skandals in Wallungen und verkündete die erste klare Ansage seit Jahren, als sie ihrem Wahlvolk aus dem fernen Südafrika zurief, dieser „unverzeihliche Vorgang“ müsse wieder rückgängig gemacht werden.


FDP kuschte vor Merkel-Verdikt

Und schon fügte sich die im Übrigen nicht mit der CDU verbündete FDP, die einen Tag lang den Ministerpräsidenten Thüringens stellen durfte, mit einem gewinselten „Jawohl!“ der Weisung der Kanzlerin und regte die Selbstauflösung des demokratisch gewählten Landtags von Thüringen an, um den Weg für Neuwahlen frei zu machen. Nun aber los, ab in die Ecke, schämt euch!

Ich stelle mir nur vor, was es für Wellen schlagen würde, mischte sich ein bürgerlicher Kanzler von oben in eine Regierungsbildung der Sozialdemokraten mit den Ultralinken ein, indem er die Parteien aufforderte, den Knopf zur Selbstauflösung zu drücken. Der unglückselige Ministerpräsident Kemmerich durfte noch am Vormittag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erklären, Neuwahlen würden nur den extremen Parteien in die Karten spielen. Bis zum Nachmittag war sein Ton bereits verstummt. Zum Wohle der bundesdeutschen Demokratie. Wer nun das Wort bekommt? Die wütenden Wähler Thüringens – für eine neue Wahl.

Aus dem Ungarischen von Rainer Ackermann.

Dieser Kommentar erschien am 6. Februar auf dem konservativen Portal mandiner.hu.

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