Als erster und wohl einer der schwerwiegendsten Kritikpunkte ist zu nennen, dass der NAT ohne Konsultation mit denen erstellt wurde, die letztlich danach unterrichten müssen. Zuletzt wurde der Lehrergewerkschaft 2018 ein Entwurf des NAT zur Ansicht und Stellungnahme gesandt. Seitdem verlief die Arbeit am Landeslehrplan hinter verschlossenen Türen.

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Diese Lehrerin sieht durch den NAT das Denken eingeschränkt.


Mit wenig befriedigendem Ergebnis für die Lehrer, wie es scheint. Denn der zweite Kritikpunkt ist, dass die Stundenzahl für Schüler zwar verringert wurde, die Menge des Lehrstoffs jedoch erhöht. Damit finden sich die Lehrer in einer prekären Situation: Was eigentlich als Rahmen gedacht war, in dem es Zeit und Raum für eigene Ideen geben sollte, ist stattdessen ein starr durchstrukturierter Marschplan, wobei dem Lehrkörper einiges abverlangt wird, diesen Plan auch einzuhalten.

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Für diesen Lehrer endet der neue Lehrplan in einer Sackgasse.


Der dritte – und nun mit den Selfies auch sichtbar gemachte – Kritikpunkt bezieht sich auf den konkreten Inhalt. Gegen den nicht nur die Lehrer sondern auch die Vereinigung der Schriftsteller die Stimme erhebt. Zum einen, weil kaum noch lebende oder vor kurzem verstorbene Schriftsteller Raum im NAT bekommen haben, aber auch, weil der einzige ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész ausgespart wurde. Zum anderen bemängelt der Schriftstellerverband, dass es gerade einmal zwei Schriftstellerinnen in den NAT geschafft haben, eine dramatische Unterrepräsentation, wie der Verband findet.

Die Schriftsteller stellen dies „mit Entsetzen“ fest. Generell sei der NAT ungeeignet, um Grund- und Mittelschülern die Freude am Lesen zu vermitteln, viel eher sei er von Ideologie und Indoktrination geprägt. Und eben dagegen versuchen sich nun auch die Lehrer mit ihren Selfies zu wehren. Mit Aufschriften wie „Wo ist der Platz für die seelische Entwicklung?“ versuchen sie nun, nur wenige Monate vor Inkrafttreten des NAT doch noch etwas zu bewirken. Inwiefern dies von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt jedoch fraglich.

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