MNB-Präsident Matolcsy drängt darauf, die Eurozone zu reformieren und die Maastricht-Kriterien zu überdenken. Er strengt in diesem Sinne, wie er am Montag auf der Lámfalussy-Gedenkkonferenz in Budapest sagte, einen Dialog an, bei dem auch die Meinung von EU-Mitgliedstaaten gehört werden sollte, die der Eurozone noch nicht angehören. Ungarn habe sein Programm für diesen Dialog bereits erstellt und lade dazu alle EU-Mitgliedstaaten ein. Matolcsy gab den Entwicklungsstand Ungarns mit 73% des durchschnittlichen Pro-Kopf-BIP der EU an, nachdem die hiesige Wirtschaft seit 2013 im Schnitt um 3,8% gewachsen sei. Ein weiterer wichtiger Aspekt im Modernisierungsprozess werde sein, wenn die Staatsschulden 2022 unter 60% am BIP fallen.


Kein Zinserhöhungen in Sicht

Unterdessen hat die MNB bei der üblichen Devisenswap-Auktion am Montag überhaupt keine Angebote entgegengenommen. Die Handelsbanken hatten für die verschiedenen Laufzeiten Offerten im Volumen von bis zu 500 Mio. Euro eingereicht; angeboten hatte die MNB ursprünglich jeweils 28 Mio. Euro. Der Swap-Devisenbestand sank infolgedessen in einer eher symbolischen Größenordnung und liegt weiterhin nahe am Rekordniveau von 2.200 Mrd. Forint. Dennoch sehen Experten eine Botschaft der Notenbank an den Markt im Hintergrund, wonach ihr der schwache Forint und die bei 4% angelangte Inflationsrate nicht gleichgültig seien. Der Forint kehrte jedenfalls am Nachmittag auf dem Jahrestief oberhalb von 337 HUF/EUR, also nur knapp vor dem historischen Tiefstand, um und korrigierte anschließend markant bis 334,50 HUF/EUR.

Parallel bescheinigten Londoner Analysten der ungarischen Geldpolitik einen „Modus der Feinabstimmung“, der auf größere Korrekturen verzichte, solange kein externer Schock dazu Anlass gebe. Die MNB befinde sich in einer „komfortablen Lage“, da die Kerninflation seit Monaten wieder abwärts tendiere und sich der Forint in einem relativ schmalen Band bewege. Die Experten im In- und Ausland gehen gleichermaßen davon aus, dass die MNB auch in diesem Jahr weiterhin keine Zinserhöhungen vornehmen wird.

Die Ungarische Nationalbank (MNB) hat den diesjährigen Lámfalussy-Preis an den ehemaligen Chefvolkswirt der EZB, den Belgier Peter Praet, verliehen. Damit wurde das Lebenswerk des Absolventen der Universität Brüssel (ULB) anerkannt, der u. a. beim IWF und mehreren Handelsbanken tätig war, bevor er um die Jahrtausendwende als Kabinettchef des Finanzministers aktiv an der großen Steuerreform in Belgien beteiligt war, die von einer Reformierung der Banken- und Versicherungsaufsicht begleitet wurde. Nach einem Jahrzehnt im Direktorium der belgischen Nationalbank wechselte Praet 2012 zur EZB, wo er in der Position des Chefvolkswirts dem Deutschen Jürgen Stark folgte.

Der Lámfalussy-Preis wurde durch die MNB 2013 im Gedenken an den „Vater des Euro“, den aus Ungarn stammenden Sándor Lámfalussy (Alexandre Lamfalussy), gestiftet.

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