Natürlich widersprachen schon die idiotischen Juncker- und Soros-Plakate jedweder Rationalität, selbst wenn wir politischen Erfolg in der zynischsten aller Weisen messen: nichts gefährdete den ausgesprochen stabilen Sieg der ungarischen Regierungspartei. Auch ohne die Plakate hätte sie die EU-Wahlen ohne Probleme gewonnen.


Keine eindeutige Kommunikation

Nun – so scheint es – gehen sie, obwohl es immer noch einige gibt, die sagen, noch ist nichts entschieden und es ist klar zu beobachten, dass auch die EVP nicht eindeutig kommuniziert: Parteivorsitzender Donald Tusk und Fraktionsvorsitzender Manfred Weber verurteilen Orbán und die Seinen fortlaufend, nur um dann dem stellvertretenden Vorsitzenden der Partei, Antonio Tajani das Wort zu überlassen, der wiederum davon spricht, dass die Situation mit dem Fidesz noch zu retten sei.
Natürlich wäre das Verhältnis noch zu kitten – fraglich nur, ob auch der Wille dazu da ist. Die Volkspartei muss abwägen, ob sie den Fidesz in ihren Reihen behält und damit eine fortwährende Spannungsquelle schafft, denn dies wäre eindeutig ein politischer Sieg für die bisherige Politik von Viktor Orbán. Der Fidesz würde sich von da an ständig als „inneres Gewissen“ der Volkspartei aufführen, denn Viktor Orbán hat sich jetzt schon dieser Rolle verschrieben. Partout geißelt er die EVP als „entwurzelt“, „bar ihrer Grundwerte”, „liberal” und „nach links verschoben“ und schafft damit eine starke Spaltung.


Orbán gewinnt in jedem Fall

Sicher, der ungarische Premier kann selbst dann gewinnen, wenn man ihn ausschließt. Dann nämlich könnte er sagen: „Seht nur, hier kann man nicht einmal mehr die Wahrheit über Migration und Soros sagen, ohne dass die in PC ertrinkende dekadente europäische Elite diejenigen ausgrenzen würde, die sie mit der Wahrheit konfrontieren. Und dann könnte er auf einem anderen Misthaufen König spielen. Sicher, der wäre bedeutend kleiner, aber Gott sei Dank kommt der polnische Freund des Fidesz, die PiS-Partei auch ganz gut in dieser peripheren Fraktion zurecht.

Orbán würde gewinnen und das Land verlieren, denn die Möglichkeit, ungarische Interessen durchzusetzen, würde bei einem Austritt oder Ausschluss stark sinken. Wobei fraglich ist, ob diese überhaupt noch weiter sinken kann (...).

Es kann also sein, dass sich in Wahrheit nichts ändern würde. Wir würden nur noch ein wenig weiter aus dem europäischen Zentrum weg und dichter an die neuen östlichen Freunde von Viktor Orbán rücken.


Ich würde eine entsprechende Wette gern verlieren und mir täten die zwei Kisten Bier nicht einmal leid.


Der leicht gekürzte Kommentar erschien am 20. Januar auf dem Onlineportal der linken Tageszeitung Népszava.

Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

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