Der bisherige Parteivorsitzende Tamás Sneider hatte die Jobbik nach dem Fiasko bei den Parlamentswahlen 2018 übernommen. Für den ursprünglich auf November 2019 anberaumten Parteitag stand er nicht mehr zur Verfügung, Jakab wiederum lehnte ein Mandat ab, das nicht bis zu den nächsten Parlamentswahlen 2022 gelte. Daraufhin wurde der Parteitag auf Ende Januar verschoben – der Auftrag der neuen Parteiführung ist nunmehr bis Mitte 2022 befristet.

„Viktor Orbán ist ein Albtraum“, sagte Jakab in seiner Programmrede, der dem seit 2010 regierenden Fidesz vorwarf, „sich in unseren Nacken gesetzt zu haben, um nicht nur nach unserem Geld, sondern auch nach unserem Leben zu trachten“. Unter seiner Führung werde die Jobbik am lautstärksten die unterdrückten ungarischen Arbeitnehmer gegen das korrupte, multifreundliche System verteidigen. Gegen das Elend der Rentner, verrottende Krankenhäuser und ungeheizte Klassenzimmer bedürfe es jedes anständigen Menschen, weshalb die Jobbik aber eine christlich-konservative Partei bleibe.

Der früher als Lehrer tätige Jakab führte die Jobbik in Miskolc seit 2009 und unterlag bei den Parlamentswahlen 2018 in seinem Wahlkreis hauchdünn, woraufhin er über die Landesliste ins Parlament gelangte. Als Márton Gyöngyösi im Anschluss an die Europawahlen nach Straßburg wechselte, übernahm Jakab im Sommer 2019 die Führung der Jobbik-Fraktion im Parlament.

Das Nézőpont-Institut schreibt in einer Analyse für die regierungsnahe Tageszeitung „Magyar Nemzet“, die Jobbik befinde sich in einer Krise, nachdem sie systematisch Wähler verliert. Für die im Oppositionslager des Parlaments über die größte Fraktion verfügende Partei stimmten einst mehr als 20% der Wähler, bei den Europawahlen 2019 waren es bereits weniger als 6,5%. Das Institut erklärt diesen Rückgang mit der Identitätskrise der Jobbik, die durch ihren Richtungswechsel vom rechten radikalen Rand immer weiter zur Mitte und nach links verursacht wurde.

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Kunst-Ausstellung „The Art Of Banksy“

Das unbekannte Genie

Geschrieben von A.K.

Nach Städten wie Istanbul, Amsterdam und Paris, wird jetzt auch in Budapest die Kunst des…

Interview mit dem syrischen Regisseur Talal Derki

„Beide Seiten haben Kriegsverbrechen begangen”

Geschrieben von Sonja Lázár

Im Rahmen des 6. Budapest International Dokumentary Festival (BIDF) gab der Oskar-nominierte…

Die rechte Seite / Kommentar zur Entwicklung in Thüringen

Auf Deutsch geführte Demokratie

Geschrieben von Gellért Rajcsányi

Mit einem „Jawohl!“ fügte sich die FDP der Weisung der Kanzlerin und regte die Selbstauflösung des…