Die Veranstaltungsteilnehmer waren neben Vertretern von „Hungary helps“ auch Verantwortliche verschiedener Hilfsorganisationen aus der Slowakei, Tschechien, Norwegen und den USA. Sie analysierten unter anderem die Aussichten multilateraler Allianzen bei der Gewährung von humanitärer Hilfe. Dabei waren sich die Teilnehmer darin einig, dass eine unmittelbare Kommunikation mit den Betroffenen, eine schnelle Reaktion auf Notlagen und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit wesentliche Faktoren für eine erfolgreiche Hilfe sind.

Generell brauche man „holistische“ Lösungen. Direkt sinnlos sei es, die Infrastruktur aufzubauen, wenn man nicht auch gleichzeitig für Arbeit sorge, beispielsweise in der Landwirtschaft. Alles hänge miteinander zusammen, also müsse man auch politische, wirtschaftliche und religiöse Maßnahmen koordinieren.


Hilfe und Unterstützung für verfolgte Christen

Eingangs rief Georg von Habsburg in seiner Funktion als Präsident des Ungarischen Roten Kreuzes in Erinnerung, dass es weltweit über siebzig Millionen Flüchtlinge gibt. Davon sind etwas mehr als vierzig Millionen innerhalb ihrer eigenen Länder auf der Flucht. Die meisten von ihnen, so von Habsburg, wollen ihre Heimatländer keineswegs verlassen, wenn es nicht unbedingt notwendig sei. Aus diesem Grund wolle man ihnen auch dabei helfe, dort zu bleiben, wo sie zuhause sind. Hier komme auch „Hungary Helps“ mit ins Spiel.

Bei dieser Organisation, erklärte von Habsburg, handle es sich um ein staatliches, gemeinnütziges Programm, das 2017 gestartet wurde, um die internationale humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe Ungarns zu koordinieren. Das Programm umfasst humanitäre Hilfe und Unterstützung für verfolgte Christen, einen Soforthilfefond, ein internationales Stipendienprogramm für christliche Jugendliche, den Kapazitätsaufbau und die Projektüberwachung. Im Rahmen dieser Organisation arbeiten sechs Ministerien und acht verschiedene Regierungsstellen zusammen, um die humanitäre Hilfe möglichst optimal zu gestalten. Ein wichtiger Punkt sei die Transparenz im Umgang mit den Geldern, da man gegenüber den Gebern rechenschaftspflichtig sei.

Von 2016 bis 2019 wurden insgesamt 32 Millionen Euro für die Förderung von Menschen in Not im Rahmen von „Hungary helps“ eingesetzt. „Dadurch konnten Zehntausende von Familien in ihrer Heimat verbleiben beziehungsweise dahin zurückkehren“, würdigte von Habsburg. Die Hilfe trage auch zur regionalen Stabilität bei und bewahre die ethnisch-kulturelle Heterogenität der betroffenen Länder. Der geografische Schwerpunkt der Unterstützungen liegt vor allem im Nahen Osten, in Subsahara-Afrika und in solchen Gebieten, wo schnelle materielle und finanzielle Hilfe nötig ist.

Von Habsburg betonte, dass Ungarn sehr intensiv auf der Suche nach geeigneten Partnern sei, mit den man sich die Aufgaben effektiv teilen könne. Speziell im Rahmen der Visegrád-Staaten arbeitet man zurzeit daran, die humanitäre Hilfe der verschiedenen Staaten zu bündeln. Auch innerhalb der Europäischen Union will man langfristig zusammenarbeiten. Denn nur gemeinsam kann man die Menschen dabei unterstützen, in ihren Heimatländern zu bleiben.


Präzise Absprachen sind wichtig

Bei der anschließenden Paneldiskussion kamen nun die einzelnen Teilnehmer zu Wort und brachten zum Ausdruck, worauf es bei einem erfolgreichen karitativen Engagement ankomme. Moderiert wurde die Runde von Gábor Márki, dem Generaldirektor von Hungary Helps.

Lucia Kiss, Direktorin von SlovakAid, der Offiziellen Agentur für Entwicklungshilfe der Slowakei, betonte, wie wichtig es sei, ebenso leidenschaftliche wie erfahrene Mitarbeiter zu haben. In Bezug auf die Finanzierung müsse man sich unbedingt auf positive Ergebnisse konzentrieren und diese auch öffentlichkeitswirksam kommunizieren.

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Experte Stephen Rasche (4.v.l.):„Hungary Helps hört den betroffenen Menschen genau zu und ergreift anschließend sehr schnell die entsprechenden Maßnahmen.“



Die verschiedenen Partner sollten sich auf ihre jeweiligen Stärken besinnen, hob Tore Svenning, Berater beim Norwegischen Roten Kreuz, hervor. Dabei spiele eine funktionierende Kommunikation zwischen den Partnern eine herausragende Rolle. Nur wenn man sich präzise miteinander abspricht, kann man auch seine Ziele erreichen. Ansonsten kann es allzu leicht vorkommen, dass man am Ende noch – und zwar sehr zum Schaden der Betroffenen – gegeneinander arbeitet.

Der stellvertretende Leiter des zur Caritas gehörenden tschechischen Humanitarian Aid and Development Cooperation Department Evzen Divis erklärte, wie wichtig es auch sei, dass man sich auf einzelne Länder fokussiere, in denen man bereits Erfahrung und Kontakte habe.


Ungarn hilft schnell

Bezüglich der Arbeit von „Hungary helps“ meinte Stephen Rasche, ein internationaler Experte für verfolgte Christen, dass die ungarische Hilfsorganisation vor allem aus zwei Gründen so außerordentlich erfolgreich sei: „Sie hört den betroffenen Menschen genau zu und ergreift anschließend sehr schnell die entsprechenden Maßnahmen.“ Sehr oft komme es nämlich vor, dass Hilfsorganisationen bis zu zwei Jahren brauchen, bevor sie den Menschen konkret vor Ort helfen können. Diese Reaktionszeit sei nicht nur viel zu lang, sondern würde auch dazu beitragen, dass sich die Probleme vor Ort in der Zwischenzeit weiter verschlimmern.

Gábor Márki, Generaldirektor von „Hungary Helps“, kritisierte wiederum, dass Hilfsorganisationen zu den notleidenden Menschen vielfach mit bereits fertigen Systemen kommen würden, die sie den Menschen einfach überstülpen wollen. „Das würden wir bei Hungary Helps nie tun“, unterstrich er nachdrücklich. Das Zuhören spiele eine herausragende Rolle. Immerhin leben die Menschen teilweise seit Jahrtausenden in ihren Heimatländern. „Wer könnte besser wissen als sie selbst, was sie gerade benötigen?“

Auch Andrew Walther, der Vizepräsident für Kommunikation und strategische Planung der Knights of Columbus, weltweit eine der größten römisch-katholischen Laienvereinigungen mit Sitz im US-amerikanischen New Haven, schwärmte von der „hohen Geschwindigkeit“, mit der Hungary Helps den Menschen helfe.


Christen spielen eine stabilisierende Rolle

Auf die Frage von Gábor Márki, warum die Christen eigentlich so wichtig für die Stabilität des Irak seien, antwortete Stephen Rasche: „Die Christen werden als das ‚Salz der Erde‘ bezeichnet.“ Das sei vielleicht ganz besonders wahr im Irak. Ohne die Christen wäre der Irak ein ganz anders Land, ihre Anwesenheit dort sei für das Land von großer Bedeutung. „Und was würde es über uns als Menschen sagen“, fragte der Amerikaner, „wenn wir zusehen würden, wie die Menschen dort eliminiert werden?“ Die Christen seien in vielen Ländern in Gefahr. „Was für ein Verlust wäre es, wenn die Christen im nahen und mittleren Osten komplett verschwinden würden!“, mahnte Rasche eindrücklich.

Andrew Walther berichtete, dass jedoch ausgerechnet die christlichen Gemeinschaften im Irak von den internationalen Hilfsorganisationen stark vernachlässigt würden. Für die Knights of Columbus dagegen sei es ganz selbstverständlich, dass man gerade den Christen im Irak helfe – immerhin teile man doch mit ihnen einen gemeinsamen Glauben. Außerdem seien die Christen für den Irak als Ganzes sehr wichtig: aus ihrer Mitte gingen oft Ärzte, Anwälte oder Lehrer hervor, was für das ganze Land von Bedeutung sei.

Márki fügte hinzu, dass diese Regionen durch die Vertreibung der Christen nicht homogener und stabiler würden, sondern nur noch labiler und gefährlicher. Die Hilfe vor Ort diene auch die friedliche Koexistenz der Religionen, da in den meisten Fällen, etwa bei der medizinischen Betreuung von überwiegend muslimischen Patienten, das Vorhandensein von Christen vor Ort auch der muslimischen Bevölkerung zugutekomme.

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Gábor Márki, Generaldirektor von „Hungary Helps“: „Die Menschen leben teilweise seit Jahrtausenden in ihren Heimatländern. Wer könnte besser wissen als sie selbst, was sie gerade benötigen?“

Überblick über abgeschlossene und aktuelle Projekte von Hungary Helps:

1. Gesundheit

Im Nord-Irak flohen Zehntausende von Familien vor den IS-Terroristen nach Erbil, was das Gesundheitssystem der Stadt erheblich belastete. Seit 2017 finanziert Ungarn die medizinische Versorgung der dortigen Sankt-Joseph-Klinik, damit die Bedürftigen – unabhängig von Religion und ethnische Zugehörigkeit – mit kostenlosen Medikamenten versorgt werden können.

Seit 2018 unterstützt Ungarn mit beträchtlichen Finanzmitteln die Initiative „Offene Krankenhäuser“ des Heiligen Stuhls, wobei die Betriebskosten von drei Krankenhäusern drei Jahre lang übernommen werden.

2018 unterstützte Ungarn die augenärztliche Mission von Bruder Richard Hardy im Kongo, einschließlich der Ausrüstungsentwicklung des Centre Ophtalmologique St. Raphael in Mbuji Mayi, sowie der Finanzierung von medizinischen Einsätzen in den wenig erschlossenen Gebieten des Landes.

2017–2019 unterstützt Ungarn den Wiederaufbau der vom Boko Haram zerstörten Gesundheitsinfrastruktur in Maiduguri im Nordosten Nigerias.

2019 ermöglicht „Hungary Helps“ die Entwicklung der medizinischen Versorgung, bzw. den Ausbau von Personal- und technischen Kapazitäten eines Krankenhauses in Addis-Abeba.


2. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Im Libanon und in Jordanien unterstützt „Hungary helps“ die Schaffung von Arbeitsplätzen für Einheimische und Flüchtlingsfamilien. Die Projekte beinhalten Workshops zur Ausbildung von Fachkräften und zur Förderung einer leichtindustriellen Infrastruktur. Außerdem werden Frauen bei Eintritt auf den Arbeitsmarkt gefördert.

In Talkalakh, Syrien, ermöglicht die ungarische Hilfe den Bau eines Marktgebäudes, in dem die Produkte von lokalen Landwirten verkauft werden können. Außerdem trägt Ungarn zum Bau von neuen Werkstätten für die Herstellung lokaler Handwerksprodukte sowie von Unterbringungsgebäuden für den Pilgertourismus bei.

In Nigeria fördert Ungarn landwirtschaftliche Aktivitäten, die die Selbstversorgung von rund 1.800 Haushalten sicherstellen.


3. Ausbildung

2016–2019 trägt „Hungary helps“ im Irak zum Bau von drei modernen Schulen bei. Die Schulen werden den Flüchtlingskindern eine hochwertige Ausbildung bieten.

Ungarn beteiligt sich im irakischen Alkosch am Bau eines Ausbildungszentrums. Die Arbeiten umfassen die Reparatur beschädigter Gebäude und ihre Ausrüstung mit Unterrichtsmitteln.

Im syrischen Aleppo unterstützt Ungarn den Wiederaufbau der Al-Amal Schule („Die Hoffnung“), die bei der Belagerung der Stadt schwer beschädigt wurde.

Die vom Krieg zerstörte Riaya-Schule in Damaskus wird ebenfalls im Rahmen des „Hungary helps“-Programms erneuert. Das Projekt umfasst die vollständige Ausstattung, den Kauf von Fahrzeugen für die Beförderung der Kinder, ein Jahresgehalt für Lehr- und Verwaltungspersonal und Weiterbildungstrainings.

4. Frieden und Gerechtigkeit

Im irakischen Tel-Eskof wurden nicht nur Wohnhäuser errichtet, sondern auch das Gemeindehaus, der Kindergarten und die Kirche mit ungarischer Hilfe wiedereröffnet. Das trug wesentlich zur Rückkehr von 1.000 Familien bei.

In Homs unterstützt Ungarn den Aufbau eines Gemeindezentrums.

Im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit mit dem Ungarischen Ökumenischen Hilfsdienst unterstützt „Hungary helps“ von IS-Kämpfern vergewaltigte jesidische Frauen bei ihrem Neubeginn.

Quelle: Angaben von Hungary helps.


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