Áder, der bereits seit seiner Zeit als Abgeordneter im Europäischen Parlament für seinen Einsatz für den Umweltschutz bekannt ist, war trotz seines hohen Amtes ein lockeres und freundliches Miteinander mit den Studierenden wichtig. Über einhundert Studenten und Dozenten der Andrássy Universität konnten im Spiegelsaal der Universität seien Vortrag mit dem Titel „Climate Change and the Drama of Water – Where is the World heading“ mitverfolgen.

Durch den Abend führte der Präsident mit einer Präsentation anhand von zehn Fragen, bei welchen die Zuhörer direkt über ihr Smartphone mitentscheiden und miträtseln konnten. Das durchaus schwerwiegende Thema des Vortrags konnte so immer wieder durch interaktive Elemente belebt werden.


Áder: „Es gibt einen menschengemachten Klimawandel“

Gleich zu Beginn stellte Áder fest, dass es unbestreitbar einen von Menschen gemachten Klimawandel gibt. Eindrücklich zeigte er durch verschiedene Grafiken und Animationen, wie der CO2-Gehalt in der Erdatmosphäre in den letzten Jahren angestiegen ist, und wie sich auch die Temperaturen parallel dazu in die Höhe bewegen.

Zahlreiche Umwelt- und Klimaprobleme des Planeten wurden am Abend angesprochen. Wie der Präsident dabei immer wieder betonte, handelt es sich bei all diesen Problemen nicht nur um Krisen, die unsere Umwelt betreffen. Auch die Menschheit stehe damit vor Herausforderungen, die sie momentan noch nicht lösen könne, so Áder.

Dürren, Überschwemmungen und Naturkatastrophen beginnen sich in den letzten Jahren zu häufen. Und auch Probleme wie die starke Luftverschmutzung in manchen Ländern oder eingewanderte Pflanzen betreffen die Menschen direkt. Als Beispiel hierfür wählte der Präsident das Traubenkraut, gegen welches mittlerweile fast jeder vierte Ungar allergisch ist. Obwohl es eigentlich nicht in Mitteleuropa heimisch ist, kann es sich durch den Klimawandel und bessere Bedingungen immer weiter ausbreiten.


1,5-Grad-Ziel UN-Weltklimakonferenz von Paris ist nicht einzuhalten

Bereits auf der UN-Weltklimakonferenz in Paris 2015 hielt Áder eine wichtige Rede zum Thema Umweltschutz. Es verwundert also kaum, wenn er auch im Vortrag dieses politisch wichtige Thema wieder aufgriff. Die 1,5 Grad Erderwärmung, welche als Ziel der Konferenz gesetzt wurden, seien heute kaum noch zu erreichen, so der Präsident. Und um die 2 Grad Erderwärmung einzuhalten, welche als maximale Grenze festgelegt wurden, müssten wir noch viel stärkere Einschränkungen als bisher in Kauf nehmen. „Wir müssen uns strengere Grenzen setzen!“, ermahnt Áder die Zuhörer.

Doch wie kann Ungarn diese Ziele erreichen? In diesem Bereich gab sich der Präsident optimistisch. Anders als Deutschland – wo vor einigen Jahren ein kompletter Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen wurde – setzt Ungarn auf den Ausbau von Kernenergie, um den Anteil fossiler Energiequellen wie Öl und Kohle am Energiemix reduzieren zu können. Bis 2030 müssten alle ungarischen Kohlekraftwerke außer Betrieb sein, um die Klimaziele des Landes erreichen zu können. Zusätzlich stellt Áder in Aussicht, dass es bis 2030 in den ungarischen Großstädten nur noch E-Busse geben wird. Generell setzt Ungarn besonders auf innovative umweltfreundliche Technologien, um in Zukunft zum Beispiel Landwirtschaft und Energiegewinnung klimaschonend betreiben zu können.

Durch die Maßnahmen, die Ungarn bereits heute ergreift, sind die Ziele, welche sich das Land für 2050 gesetzt hat, realistisch. „Manche Ziele wird Ungarn auch schon 2030 erreichen können.“, meint Áder.


Zu hoher CO2-Ausstoß

Um die Problematik der CO2-Belastung darzustellen, griff der Präsident zu einem anschaulichen Experiment. Eine Studentin sollte Wasser aus kleineren Flaschen in ein großes Gefäß füllen. Die kleinen Flaschen symbolisierten den derzeitigen und zukünftigen CO2-Ausstoß der Menschheit, das große Gefäß sollte darstellen, wie viel CO2 tatsächlich entstehen können, um Klima und Umwelt nicht zu schaden. Immer weiter forderte Áder die Studentin auf, Wasser in das Gefäß zu gießen. „Gott sei Dank haben wir hier eine Wanne untergestellt!“, scherzte der Präsident als das Gefäß überlief. Er mahnte aber auch, dass die Realität leider anders aussehe. So stoßen die Menschen inzwischen so viel CO2 in die Atmosphäre aus, dass diese es nicht mehr aufnehmen könne.

#

„Anders als Deutschland setzt Ungarn auf den Ausbau von Kernenergie, um den Anteil fossiler Energiequellen am Energiemix zu reduzieren.“


„Welches Land hat seinen CO2-Ausstoß seit den 90er Jahren am meisten reduziert?“, fragte der Präsident. Die Studierenden tippten auf ihre Smartphones, um mitzuraten. Die Ergebnisse waren auf der Leinwand zu sehen. Die richtige Antwort? Tatsächlich Ungarn! Áder zeigt die Bilanzen, nach denen Ungarn seinen CO2-Verbrauch seit 1990 um mehr als 30 Prozent reduzieren konnte. Zwar gelang auch einigen anderen Ländern eine deutliche Reduktion – so konnte auch Deutschland den Ausstoß um etwa 20 Prozent senken – andere europäische Länder, wie zum Beispiel Österreich oder Spanien, stoßen jedoch mehr CO2 in die Atmosphäre als noch vor 30 Jahren.


Die drei Probleme mit dem Wasser

Vor allem lag es Áder am Herzen, den Studierenden das Problem mit dem Wasserverbrauch zu verdeutlichen. Gerade im Oktober fand der ‚Budapest Water Summit‘ statt, bei welchem sich über 2.400 Teilnehmer aus 118 Ländern über das Thema austauschten. „Es gibt vor allem drei Probleme mit Wasser“, erklärte der Präsident. „Zu viel Wasser, zu wenig Wasser und verschmutztes Wasser.“ Dabei spielte er vor allem auf Dürren und Überschwemmungen, aber auch auf das Problem mit der Wasserverschmutzung an.

Um darzustellen, wie gravierend das Problem ist, fragte Áder wie viele Liter Wasser für die Herstellung eines Paar Jeans verbraucht würden. Die meisten Studierenden tippten auf 760 Liter Wasser – eine enorme Menge. In Wirklichkeit sind es allerdings 7.600 Liter Wasser, die in die Herstellung fließen. Auch von anderen Alltagsgegenständen, wie Pizzen oder Pullovern, wurde der Wasserverbrauch durch eine Grafik gezeigt. „Ich sage nicht, dass Sie nie wieder eine Pizza essen sollten“, erklärte Áder lächelnd. Aber er wolle, dass alle sich bewusst machen, wie viel Wasser für verschiedene Sachen verbraucht wird – um dann nachhaltiger handeln zu können. Auch merkte er an, dass man bereits 7 Prozent der Heizkosten sparen könne, wenn man das Thermostat in der Wohnung von 23 auf 22 Grad herunterdrehe. Schon kleine Veränderungen im Alltag könnten eine enorme Wirkung entfalten.


Die umweltfreundlichste Energie …

„Die umweltfreundlichste Energie ist die, die wir nicht verbrauchen.“, schloss Áder seinen Vortrag. Er regte damit die Anwesenden dazu an, sich mehr Gedanken um den eigenen Energieverbrauch und die Nachhaltigkeit zu machen.

Nach einer kurzen Fragerunde mit den Studierenden zeigte der Präsident noch ein Musikvideo. Er wolle die gedrückte Stimmung nach dem ernsten Vortrag ein wenig auflockern, scherzte er. Das Lied war ‚Love Song to the Earth‘ – eine Komposition, welche von zahlreichen prominenten Sängern und Sängerinnen aufgenommen wurde, um auf den Umweltschutz aufmerksam zu machen.

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Ungarisch-amerikanische Kooperation

Erstes Luftfahrzeug mit Brennstoffzelle

Geschrieben von Bettina Nemes

Innovationsminister László Palkovics stellte am Mittwoch in Jakabszállás (Komitat Bács-Kinskun) die…

Gesundheitswesen

Reform oder Feuerlöschen?

Geschrieben von Imre Frajna

Wer sich mit dem Gesundheitswesen beschäftigt, dem dürfte der kurz vor Weihnachten gefasste…

Europa und der Brexit

Eine zentraleuropäischere EU

Geschrieben von Boris Kálnoky

Mit dem Brexit verlagert sich Europas Schwerpunkt nach Osten. Deutschland und die neue EU-Kommission…