Am 15. November 1953, also auf den Tag genau vor 66 Jahren, hatte die Fußball-Nationalmannschaft an gleicher Stelle im legendären Volksstadion (Népstadion) gegen Schweden ein 2:2 erreicht. Jenes Népstadion war einige Monate zuvor, am Nationalfeiertag des 20. August, mit dem Klubvergleich Honvéd-Spartak Moskau eingeweiht worden. Im Team der Gäste stand damals jener Nikita Simonjan, der am Freitagabend im Alter von 93 Jahren den symbolischen Anstoß vollzog – gemeinsam mit Zoltán Gera, der nach 97 Länderspielen für Ungarn seine Karriere offiziell beendete und heute die U21 trainiert.

Den Ball ins Spiel brachte schließlich Luis Suárez, der bereits in der 4. Minute Ungarns Torhüter Dénes Dibusz zur ersten Glanztat nötigte. Das erste Tor in der neuen Puskás-Arena erzielte in der 15. Minute aber nicht Suárez, sondern Edinson Cavani. Auf das erste ungarische Tor mussten die Fans zum Glück auch nicht viel länger warten: In der 24. Minute spielten Varga und Dzsudzsák die Verteidigung Uruguays aus, Ádám Szalai schob den Ball aus 10 Metern ins Gästetor. Zwar war dieses Tor nicht mehr als ein Anschlusstreffer, weil der Weltranglisten-Fünfte zwischenzeitlich seinen Vorteil verdoppeln konnte, doch nun gerieten die 65.000 Zuschauer im Stadionrund erst richtig in Ekstase. Die Stimmung hielt sich bis zum Spielende, mit Blick auf anstehende Pflichtspiele wurden die größten Stars reihenweise ausgewechselt, weshalb das Geschehen auf dem Rasen eine weniger spektakuläre Fortsetzung fand. Augenzeugen berichteten von einer unglaublichen Atmosphäre in dem neuen Stadion, das letztlich mit 190 Mrd. Forint (580 Mio. Euro) doppelt so viel kostete, wie ursprünglich geplant waren. Die Akustik z. B. ist dermaßen berauschend, dass die Tontechniker bei einer Probe im Sommer eine ganze Nacht lang „Deutschland“ von Rammstein in einer Endlosschleife spielten!

Am Dienstagabend ab 20:45 Uhr entscheidet sich in Cardiff beim abschließenden Spiel der EM-Qualifikation gegen Wales, ob die Ungarn in der Endrunde im kommenden Sommer mindestens zwei Spiele in der Puskás-Arena bestreiten können. (Das neue Budapester Stadion ist bei der EM 2020 Austragungsort für drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale.) Motiviert sollte die Mannschaft nach dem tollen Einstand vom Freitagabend sein, allerdings benötigt Ungarn in Wales alle drei Punkte, um sich direkt zu qualifizieren. Sollte diese kleine Sensation nicht gelingen, bleibt das Play-off der Nationenliga, bei dem eine Qualifikation aber nur mit zwei Siegen gegen verschiedene Rivalen möglich ist.

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