Wie kam Ihnen die Idee zu diesem Preis?

Erst einmal muß man dafür wissen, daß die Namen Magda und Imre Kertész untrennbar mit dem Rotary Club Budapest-City verbunden sind und für immer bleiben werden und zwar nicht allein durch ihre Mitgliedschaft, sondern durch ihre großen Taten. Mit Fug und Recht kann gesagt werden, dass der Rotary Club Budapest-City heute ohne das Wirken von Magda Kertész nicht dort stehen würde, wo er steht.



Welche Verdienste erwarb sich Magda Kertész für Ihren Club?

Dafür lasse ich am besten eines unserer verdientesten Clubmitglieder, Henning Sorknaes, einen seit vielen Jahren in Budapest lebenden Dänen und von Anfang an engen Vertrauten von Magda Kertész direkt selbst zu Wort kommen: „Magda Kertész geschiedene Sass, ist Anfang der neunziger Jahre aus den USA zurück nach Hause gekommen und arbeitete damals als offizielle Vertreterin des Staates Illinois, wodurch mehrere Firmengründungen von dort ansässigen Firmen in Ungarn zustande kamen und viele Geschäftsbeziehungen zwischen den Staaten und Ungarn entstanden, als ein Beispiel sei die Firma Flextronics genannt.

Magda Kertész war nicht nur Gründungsmitglied unseres Clubs, sondern wurde bald zur ersten weiblichen Präsidentin des Distrikts 1910 für das Jahr1997-1998 gewählt, damals Ost-Österreich, Ungarn, Bosnien-Hercegovina, Slovenien. Verschiedene Projekte, die sie auch finanziell großzügig unterstützte, bleiben untrennbar mit ihrem Namen verbunden.

So wurde sie zur Mutter des Zirkus-Abends, ein Fundraising-Abend, der erstmals im Oktober 1998 durchgeführt wurde. Damals war es uns gelungen an einem Abend 4,5 Mio. Forint zu sammeln. Ich glaube, das ist auch heute noch ein Rekord in Ungarn…"

Aber ihr Ehemann Imre Kertész stand seiner Frau in nichts nach. Er nutzte seine Berühmtheit, um in unserem, aber auch in unserem Partnerclub RC München-Englischer Garten vor zahlendem Publikum ohne jegliches Honorar Lesungen zu halten, um damit unsere rotarischen Charity-Projekte zu unterstützen, was ihm natürlich problemlos gelang. Immer sagte er zu, wenn es ihm nur irgend möglich war. Bei all diesen Auftritten zog er wie ein Magnet ein großes Publikum in seinen Bann. In seinem Herzen war auch er ein echter Rotarier und wurde deshalb auch zurecht mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt.



Welche persönlichen Beziehungen haben Sie zu Magda und Imre Kertész?

Ich war schon immer ein glühender Verehrer der Werke von Imre Kertész. Natürlich hat das nicht zuletzt mit mir als Bürger Berlins zu tun, denn kaum eine Persönlichkeit wurde zu einem derart starken geistigen Bindeglied zwischen Berlin und Budapest wie es Imre Kertész war und für immer sein wird.

Denken Sie allein an seinen Geburtstag dem 9. November. Dieser Tag steht für die dunkelsten, am Ende aber auch für die hellsten Ereignisse deutscher Geschichte und sind untrennbar mit dem Leben und der Mission von Imre Kertész verbunden. Die Folgen der Reichskristallnacht von 1938 machten ihn zum Schicksallosen und später durch sein Werk gleichzeitig zum Bewahrer des Schicksals eines Volkes.

51 Jahre später fiel am 9.November die schreckliche Berliner Mauer, die letztendlich ohne jedes Blutvergießen zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Ein Ereignis, das ohne die Hilfe und den Mut der Ungarn niemals stattgefunden hätte und uns Deutsche mit großer Dankbarkeit erfüllt. Auch dabei war Imre Kertész wieder Zeuge, wurde als Festredner zu vielen Veranstaltungen eingeladen, gekrönt durch seinen Auftritt als Gastredner im Deutschen Bundestag auf Einladung von Präsident Dr. Norbert Lammert.

Berlin war die Stadt, der er mit großer Liebe verbunden war und erst seine schwere Krankheit zwang ihn zur Rückkehr in seine Heimatstadt Budapest.

Durch meine Mitgliedschaft im Club lernte ich Magda Kertész persönlich kennen und wir hatten sofort einen sehr guten Draht miteinander. Es dauerte nicht lange bis sie mich in ihre schöne Wohnung einlud – für mich die Erfüllung eines großen Traumes…



Wo Sie Imre Kertész endlich persönlich kennenlernen konnten…

Ich erinnere mich noch ganz genau, als ich erstmals vor Imre Kertész stand und er meine Hände ergriff und lange in seinen warmen Händen hielt.

Auch er freute sich sehr über meinen Besuch. Das vorher mit Magda vereinbarte Zeitlimit von einer halben Stunde – um seine schwindenden Kräfte zu schonen – wurde von ihm mit einer Handbewegung in den Wind geschlagen. Er wollte mich nicht gehen lassen. Er fing sofort an, aus seinem unglaublich reichen Leben zu erzählen. Als ich mich dann doch erhob, um ihm endlich seine wohlverdiente Ruhe zu gönnen, entließ er mich mit dem Versprechen, nur recht bald wiederzukommen.

Viele wunderbare Stunden verbrachte ich fortan in der schönen Budaer Kertész-Wohnung. Immer empfing er mich mit seinem so unvergeßlichen strahlenden Lächeln und den Worten: „Mein lieber junger Freund, ich freue mich, dass Du mich wieder besuchst“ Sein Blick hatte stets etwas Jungenhaftes und strahlte unendliche Güte aus.

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Michael Tulipán, Apor Szűts, Johannes von Duisburg, Mariann Peller, Preisträger Gyula Váradi und Aaron Hales am Dienstag bei der Preisverleihung in Budapest. (Foto: 4k media studio hungary / Kristóf Markos)


Ich fragte bewußt wenig, aber er erahnte wohl die mir im Herzen brennenden Fragen, immer sprach er von den Dingen, auf die ich gerade eine Antwort suchte. Seine unglaublich prophetische Gabe, Dinge zu erspüren, ist ja legendär und ich durfte das nun selbst erleben.

In seinem unerbittlichen Kampf für die Wahrheit scheute er auch nicht davor zurück, unangenehme Themen anzusprechen und setzte sich damit teilweise gnadenloser Kritik seiner Gegner aus. Liest man seine früheren Voraussagen über das Europa von heute, muss man blind oder kognitiv dissonant veranlagt sein, um nicht zu erkennen, dass er voll ins Schwarze getroffen hat.

Als Leuchttürme der Kultur bezeichnete er immer wieder Wagners Opern, Beethovens Streichquartette und die Tagebücher von Sándor Márai. Ihn verehrte er als den „letzten Bürger“ und eignete sich dessen Maxime an, „jeden Tag mit Größe in Berührung“ zu kommen und „den Traum nicht zu vergessen, der dich gebar“.

Magda war während unserer Gespräche immer um unser leibliches Wohl besorgt und verwöhnte uns mit Kaffee und feinen Leckereien… Noch immer sehe ich sein strahlendes Lächeln vor meinem inneren Auge und spüre die Wärme seiner Hände… Nach jedem Besuch verließ ich die beiden geistig bereichert und seelisch erfüllt.

Zufälligerweise liegt meine Budapester Wohnung in der gleichen Straße wie die des Ehepaares Kertész, nur trägt sie dort schon einen anderen Straßennamen. Aber auch die ehemalige Berliner Kertész-Wohnung war nur fünf Minuten von der meinigen entfernt und lag an der selben Straße.

Magda bat mich oft, ihr Medikamente aus „ihrer Apotheke“ mitzubringen und ganz wichtig waren ihr immer die lieben Grüße an den Inhaber „ihres Zeitungsladens“, mit dem sie immer ein Schwätzchen hielt und der sich immer so unglaublich über die Grüße aus Budapest freute und mich dann stets bat, nur ja nicht zu vergessen, die lieben Kertész´ ganz herzlich zu grüßen und ihnen zu sagen und dass er sie nicht vergessen habe



Was bleibt Ihnen von diesen Begegnungen besonders im Herzen?

Ich kann dieses Gefühl nur mit einem Wort beschreiben: Dankbarkeit! Die Notwendigkeit und das Bedürfnis für die Wahrheit und das Gute zu kämpfen. Dies beantwortet auch Ihre Eingangsfrage, wie es zu der Idee dieses Preises kam.

Schon lange fragte ich mich, wie man Magda und Imre Kertész die ihnen durch ihre Verdienste um unseren Club zustehende Ehre zuteil werden lassen könnte und fragte mich, worüber sich beide gefreut hätten.

Die Antwort kam dann irgendwann wie ein Blitz in meine Seele. „Nicht durch schöne Worte, nur durch gute Taten….“. So formte sich in meinem Kopf anläßlich seines bevorstehenden 90. Geburtstages die Idee eines Preises, dessen Sinn es ist, bedürftigen und außerordentlichen Talenten aus der Kunst und Kulturwelt zu helfen und ihnen mit diesem Preis die Mission von Magda und Imre Kertész ans Herz zu legen.

Sofort präsentierte ich diese Idee bei unsere Club, wo sie sogleich mit Begeisterung aufgenommen und vom Vorstand und dem jetzigen Präsidenten Aaron Hales bald zu einem offiziellen Projekt des Club erklärt wurde.


Wie fanden Sie den ersten Preisträger?

Natürlich war das die schwierigste Frage, aber ich dachte: „Dabei kann Dir nur einer helfen und das ist Dr. András Batta“. Er ist einer der führenden Musikwissenschaftler. Wir kannten uns durch die Zusammenarbeit an der deutschen Ausgabe der Erinnerungen von Kammersängerin Eva Marton, deren Autor er war und aus seiner Zeit als Rektor der Franz Liszt-Akademie. Heute ist er Vorsitzender der berühmten Virtuosos-Stiftung, die mit einer außerordentlich erfolgreichen TV-Talentshow für klassische Musik, die in Ungarn von einem Millionenpublikum gesehen wird und zunehmend internationale Aufmerksamkeit erregt. Auch Placido Domingo hat schon seine Arme über diese Stiftung ausgebreitet und unterstützt sie mit Rat und Tat, quasi ein Ritterschlag!

Dr. Batta griff meine Idee sofort mit großer Begeisterung auf und schon nach kurzer Zeit unterbreitete er mir einige Vorschläge. Meine Wahl war schnell getroffen und in diesem Jahr ging der erste „Magda und Imre Kertész-Preis“ an einen jungen ausserordentlich talentierten ungarischen Roma-Geiger, den erst 20jährigen Gyula Váradi.

Schon, als ich sein unvergleichlich berührend gespieltes „NIGUN“ von Ernest Bloch auf YouTube hörte, trieb mir Gyula Váradis Interpretation dieses wunderbaren Stückes die Tränen in die Augen und ich wußte, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte.



Erzählen Sie mehr von dem Preisträger!

Gyula Váradi zählt zu den vielversprechendsten jungen Geigern Ungarns und trat unter anderem schon unter dem Dirigat von Placido Domingo auf. Ich bin meinem Club, insbesondere Präsident Aaron Hales, Secretary Jeroen Massen van den Brink und Henning Sorknaes unendlich dankbar für alle Hilfe und Unterstützung. Mein besonderer Dank geht auch an die Vertreter der Virtuosos-Stiftung, deren Gründerin Mariann Peller sowie Finanzdirektor Michael Tulipán. Heute durfte ich sie bei der Preisverleihung persönlich kennenlernen und schon wurden viele Ideen für eine enge Zusammenarbeit ausgetauscht. Ich denke, die heutige Preisverleihung wird ganz im Sinne von Magda und Imre Kertész zum Grundstein der Zusammenarbeit unserer beider Organisationen. Ich freue mich schon jetzt über hoffentlich viele gemeinsame Projekte. Immer gilt das alte Wort des Gründers der SOS-Kinderdörfer Hermann Gmeiner: „Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen…“



Was beinhaltet der Preis konkret?

Die Preisträger erhalten kein Bargeld, sondern bis zur Höhe der vereinbarten Summe die Erstattung von mit ihrer Profession verbundenen Aufwendungen. Das kann von einem Frack für einen Musiker, bis zur Erstattung von Kosten für die Teilnahme an Wettbewerben und Meisterklassen gehen. Jungen Schriftstellern können wie vielleicht mit dem Kauf eines neuen Laptops unter die Arme greifen.

Außerdem wird der Preisträger mit dem Titel „Rotary Club Budapest-City Magda&Imre Kertész Artist in Residence“ ausgezeichnet. Der Preis möge Magda und Imre Kertész ein Denkmal setzen und das enge Band zwischen Berlin und Budapest weiter festigen. Dort, wo Worte versagen, soll die Kunst wirken. Das künstlerische Denkmal wurde schon heute Abend bei der Preisverleihung gesetzt, als Ernest Blochs Trauerstück „NEGUN“ zur Ehren von Magda und Imre Kertész erklang – einzigartig gespielt von Gyula Váradi, der von seinem Begleiter Apor Szűts vollendet am Klavier begleitet wurde. Die Musik drang weit hinaus. Dorthin, wo Magda und Imre Kertész jetzt sind, in die Ewigkeit des Seins…

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