Ungarn sei an der möglichst baldigen Verbesserung der Beziehungen des Westens mit Russland interessiert. „Wenn die Beziehungen zwischen West- und Osteuropa, zwischen der NATO und Russland gut sind, so gewinnt auch Ungarn“, erklärte Orbán am Mittwochabend auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. Zu den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen merkte Orbán an, 2018 sei das erste Jahr seit Einführung der Sanktionen gegenüber Russland gewesen, in dem der russisch-ungarische Handelsverkehr wieder wuchs. Russland habe am bilateralen Handelsverkehr einen deutlichen Überschuss, da Ungarn von Russland Erdöl und Erdgas kauft. Deswegen wolle Ungarn künftig Kapitalinvestitionen sowie noch mehr exportfähige Produkte für den russischen Markt anbieten. Hinsichtlich der politischen Zusammenarbeit betonte Orbán den weltweiten Schutz der christlichen Gemeinschaften sowie den Kampf gegen die Migration und deren Gefahren.

Putin betonte die außerordentlich erfolgreiche, jahrelange Zusammenarbeit. Bei seinem jetzigen Besuch sei ein großes wirtschaftliches Paket geschnürt worden, neben Gas- und Erdöllieferungen sowie dem AKW Paks ging es auch um die Modernisierung der Budapester Metro und die Entwicklung der ungarischen Flussschifffahrt.

Außenminister Péter Szijjártó traf bereits am Vormittag mit dem russischen Industrie- und Handelsminister Denis Manturow zusammen. Mit der bilateralen Vereinbarung über die technische Beteiligung Ungarns an russischen Raumforschungsmissionen trete die russisch-ungarische Kooperation in eine neue Dimension. Über die Erweiterung des AKW Paks sprach Szijjártó mit Rosatom-Chef Alexei Lichatschow. Das französisch-deutsche Konsortium Framatom-Siemens hat den Zuschlag beim Tender für die Steuerungstechnik des AKW erhalten. Zudem sei das amerikanische Unternehmen General Electric der wichtigste Zulieferer des Generalauftragnehmers Rosatom. Somit sei das so oft kritisierte Projekt eine wichtige Kooperation zwischen Russland, den USA, Deutschland, Frankreich und Ungarn. Die Gasversorgung war noch nie so sicher wie heute. Zum ersten Mal sind die ungarischen Gasspeicher mit 6,4 Mrd. Kubikmetern zu 100% gefüllt. Szijjártó vereinbarte mit Gazprom-Chef Alexei Miller den Beginn weiterer Gaslieferungen mit einem Volumen von rund 2 Mrd. Kubikmetern. Außerdem begannen Verhandlungen über den Kauf von 3 Mrd. Kubikmetern für den Winter 2020. Dies gewährleiste Ungarn eine größere Berechenbarkeit und Versorgungssicherheit. Über die voraussichtlich im kommenden Jahr in Betrieb gehende Pipeline Turkish Stream werden über Bulgarien und Serbien jährlich 10 Mrd. Kubikmeter Gas aus südlicher Richtung nach Ungarn kommen.

Gegen den Besuch des russischen Präsidenten Putin demonstrierten am Mittwoch Aktivisten der Oppositionsparteien Párbeszéd am Clark Ádám tér sowie der LMP am Blaha Lujza tér. Die Regierung schließe mit Russland schlechte Verträge ab. Als Beispiele führte Párbeszéd-Sprecher Richárd Barabás den überteuerten russischen Kredit für die Erweiterung des AKW Paks oder die zweifelhaften Metro-Verträge an. Die LMP kritisierte den geheimen Zehn-Jahres-Energievertrag mit Russland, der nationale Interessen den russischen Großmachtbestrebungen unterordne. „Putin kommt nach Ungarn wie ein Eigentümer, der schaut, wie seine Projekte laufen. Zudem kommt Putin ungewöhnlich oft nach Ungarn. Deswegen wurde die ungarische Regierung von ihren Verbündeten der EU und der NATO schon oftmals kritisiert“, bewertete der stellvertretender MSZP-Vorsitzende László Szakács den Besuch des russischen Präsidenten.

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