Doch worum geht es bei TheTailorNetwork (TTN)? Um Anzüge, die den Kunden nicht nur auf den Leib geschneidert sind, sondern auch deren sehr individuelle Vorstellungen wahr werden lassen.


Beschränkte Möglichkeiten

Die Möglichkeiten, sich heute einen Anzug nach Maß und den ureigensten Vorstellungen fertigen zu lassen, sind relativ beschränkt. Entweder man wählt einen klassischen Herrenschneider wie Simon Skottowe, der sein Wissen und Handwerk aus London nach Budapest brachte. Jedoch ist das englische Bespoke Tailoring nicht nur eher preisintensiv, sondern auch in der Umsetzung recht konservativ. Was natürlich insbesondere in Sachen Qualität von Vorteil ist, aber für Kunden, die nach etwas Ausgefallenerem suchen, die Anzugswahl teils schwierig macht. Und dann wären da noch die Damen, die hier außen vor bleiben.

Ein anderer Weg ist die sogenannte Made-to-measure-Schneiderei. Man wird vermessen und ein Anzug in Konfektionsgröße wird auf Maß geändert.

Und dann ist da TheTailorNetwork. Der neugedachte Produktionsprozess für Anzüge schafft eine Hybridform zwischen Bespoke und von der Stange. Wie, erklärt Firmengründer und Ideengeber Michael Bist: „Die Idee kam mir, als ich meinen ersten Maßanzug in Peking habe machen lassen. Tolle Qualität, super schnell. Ich dachte mir, das muss doch auch in Europa möglich sein.“ Und so war die Idee geboren.

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Firmengründer und Ideengeber Michael Bist: „Ich dachte mir, das muss doch auch in Europa möglich sein.“


Michael Bist, der mit Mode bis dato wenig zu tun gehabt hatte, kommt eigentlich aus dem Consultant-Bereich. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass, als die Idee zu TTN geboren wurde, dies unter dem Gedanken von Effizienz und höchster Kundenzufriedenheit geschah. „Wer einmal einen maßgeschneiderten Anzug anhatte, der weiß, wie anders es sich anfühlt.“ Dafür braucht es jedoch für jeden Kunden eigens erstellte Schnittmuster.”


Zweite Chance für ungarische Schneider

Hier kommt die Technikexpertin Virág Uranceceg ins Spiel. Die geborene Mongolin ist eine Meisterin der digitalen Schnittmuster – und damit der Schlüssel zur Innovation im TTN-Konzept. „Der Ablauf ist folgender”, erklärt Bist. „Wer sich für einen Anzug interessiert, schaut auf der unserer Homepage vorbei und stellt sich im Online-Konfigurator seinen Traumanzug zusammen. Dann bei einem Firmen- oder öffentlichen Pop-up-Event wird er von einem Mitarbeiter unseres Teams vermessen. Anhand der gemessenen Daten erstellt unsere Tech-Expertin Virág dann das individuelle Schnittmuster.“

So weit, so bekannt, wenn es um den Ablauf geht. Doch ab hier nimmt der Kurs zum fertigen Anzug eine komplett neue Wende. Denn das fertige Schnittmuster geht nun an einen erfahrenen Herrenschneider, der den Kunden selbst nie zu Gesicht bekommt. Michael Bist hat Ungarn nicht ohne Grund als Ort für sein Start-up gewählt: „Zum einen habe ich familiäre Bande hierher und zum anderen weiß ich, dass es hier einfach viele Schneider gibt, die ihr Handwerk verstehen, aber aufgrund der ökonomischen Entwicklungen gezwungen waren, in andere Bereiche zu wechseln oder nur schwer überleben.”

Diesen Schneidern wird nun eine zweite Chance gegeben, ihr teils über Jahrzehnte erworbenes Wissen und Können wieder einzusetzen – und fair dafür bezahlt zu werden. An diese Schneider gehen nun also die Schnittmuster. Dank einer detaillierten technischen Beschreibung und einer erfahrenen Managerin, die als Kontaktperson zwischen TTN und den Schneidern steht, läuft auch die Informationsweitergabe problemlos und alle der mehr als 40 individuell zu gestaltenden Einzelheiten an einem Anzug landen sicher und vollständig beim Schneider. Rund zwei Wochen nach dem Vermessen kommt dann der Anzug zur Probe zum Kunden.

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„Wir hatten am Anfang Schwierigkeiten damit, dass die Schneider sich nicht wirklich auf unsere Schnittmuster verlassen wollten, sondern aus ihrer Erfahrung heraus insbesondere an den Schultern und am Rücken viel Überschuss gelassen haben.” Doch schnell merkten die Schneider, dass dies einfach überflüssig ist und die auf Grund der Schnittmuster gefertigten Anzüge wie angegossen passen. „Es war interessant zu sehen, wie aus der ‚Das haben wir schon immer so gemacht-Haltung‘ einzelner Schneider eine viel offenere und für Veränderungen aufgeschlossene Einstellung wurde“, erinnert sich Bist. Der deutsche Firmengründer hofft außerdem, mit diesem Schritt in Richtung digitales Zeitalter dem altehrwürdigen Handwerk der Herrenschneiderei einen Schub in Richtung Zukunft geben zu können.


Perfektion mit sozialem Aspekt

Nach der ersten (und einzigen) Anprobe geht der Anzug zurück zum Schneider, wird fertiggestellt und binnen inzwischen zwei Wochen ausgeliefert. „Wir sind tatsächlich so überzeugt von unserer Vorarbeit, dass wir den Schneidern mehr zahlen, sollten sie unverhältnismäßig viel ändern müssen nach der Probe, obwohl sie sich an unser Schnittmuster gehalten haben.” Lachend fügt Bist hinzu, dass das bisher aber noch nicht vorgekommen sei.

Kundenzufriedenheit ist das A und O bei TTN, doch es gibt noch einen weiteren Punkt, der das deutsche Start-up aus Ungarn für Kunden so interessant macht.

„Wir haben den Produktionsprozess für Anzüge vollkommen auseinander genommen und neu gedacht.“ Das Ergebnis: Ein Kurs für Näherinnen, die dann in Zukunft in Heimarbeit die Bestellungen der Kunden ausführen können. Und dieser Kurs richtet sich ausgesprochen an Mütter und Väter in schwierigen Lebenssituationen, der erste Kurs wird als Pilotprojekt gemeinsam mit der wohltätigen NGO SZÉRA realisiert.

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„Der Kurs selbst dauert drei Monate, in diesen drei Monaten können natürlich keine Schneider ausgebildet werden“, erklärt Bist. Doch dank des neuartigen Produktionsprozesses können binnen drei Monaten eben jene Arbeitsschritte perfektioniert werden, die nötig sind, um zuallererst Hosen zu fertigen.

„Einerseits möchten wir mit unseren Kursen über unsere Stiftung Tailor Empowerment erreichen, dass auch solche Menschen in Lohn und Brot gelangen, die bisher eher wenig Anteil am Arbeitsmarkt hatten. Andererseits müssen wir jedoch sicherstellen, dass die gefertigten Produkte den höchsten Anforderungen unserer Kunden entsprechen. Zum Glück haben wir dafür die perfekte Lehrerin gefunden.” Mária Szilágyi ist gelernte Schneiderin, unterrichtet ihr Handwerk seit langer Zeit und hat sogar bereits Erfahrungen im Sozialbereich. Die perfekte Kombination also, um die ersten Teilnehmer des Pilotkurses zu unterrichten.

„Die wohl größte Besonderheit bei TTN und Tailor Empowerment ist, dass wir nicht nur den Kurs anbieten, sondern danach auch den Weg in die Arbeitswelt eröffnen.“ Im Gegensatz zu vielen Initiativen, die oft zu kurz greifen, geht es bei Tailor Empowerment darum, den erfolgreichen Kursteilnehmern sowohl Arbeitsgeräte, sprich Nähmaschine und Bügeleisen, als auch Aufträge zu stellen. „Wer den Kurs erfolgreich beendet, der bekommt Zugriff auf unser Bestellsystem, aus dem er sich Aufträge ziehen kann, die dann daheim in Heimarbeit erfüllt werden können.” Von zuhause aus arbeiten, das ist es, was das Projekt für die Sozialarbeiter von SZERA so überzeugend macht, denn viele schlecht ausgebildete Eltern könnten maximal als angelernte Arbeitskräfte in Fabriken oder in anderen schlecht bezahlten Jobs, dafür aber mit extremen Arbeitszeiten und teils auch Reisezeiten arbeiten.

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Dies ist, insbesondere bei mehreren Kindern schwer bis unmöglich zu stemmen. „Wir glauben fest daran – und das ist auch die Rückmeldung, die wir von Experten aus dem Sozialbereich erhalten –, dass Tailor Empowerment ein neuer Weg der Hilfe ist, denn wir wollen nicht mildtätige Gaben verteilen, sondern den Menschen eine Chance auf fair bezahlte Arbeit geben, die die persönlichen Bedingungen und Besonderheiten von Familien in sozial schwieriger Lage eben nicht außen vor lassen”, erklärt Bist.


Das Konzept überzeugt auch die ersten Großkunden

Dass die Kunden für dieses neuartige Konzept offen sind, zeigen erste erfolgreiche Verkäufe und Events. „Besonders stolz sind wir auf unseren Brand Ambassador Dr. Farkas Bársony, Vorsitzender der amerikanischen Handelskammer hier in Ungarn. Er war einer unserer ersten Kunden und ist seitdem unser engagiertester Botschafter, der nicht müde wird zu betonen, wie sehr ihm sowohl der Service als auch die gelieferte Qualität, aber nicht zuletzt auch der soziale Aspekt gefallen.” Doch auch BlackRock, Morgan Stanley und die schweizerische Privatbank Falcon zählen zu den Firmen, die bereits Events im eigenen Hause haben abhalten lassen.

Die Reaktionen insbesondere aus der Schweiz geben Bist Grund zur berechtigten Hoffnung, dass seine Idee funktionieren wird: „Wir sehen und hören immer wieder von Kunden, dass die Möglichkeiten der individuellen Gestaltung in Kombination mit der Möglichkeit, etwas Gutes zu tun und am Ende auch noch einen perfekt sitzenden Anzug zu haben, einfach ankommt.”

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Übrigens, wer glaubt, dass es nur Herren sind, die in Zukunft den Service von TTN nutzen können, der irrt gewaltig, denn auch klassische Damenkostüme sind erhältlich. Dank der endlos scheinenden Variationsmöglichkeiten wird hier auch die modebewussteste Dame etwas für sich finden können.

Mehr Informationen zu kommenden Events, dem Konfigurator oder zur Buchung eines eigenen (kostenlosen) Firmenevents gibt es hier:

www.thetailornetwork.com

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