Karácsony hat also sein Rad in den Hof des Rathauses geschoben. Er ahnt wohl aber, was in Zukunft auf ihn zukommt, denn nach dem Absteigen, hat er es sogleich sorgsam angeschlossen.

Vielleicht sollten wir der Kleinigkeit Aufmerksamkeit schenken, dass all unsere Hoffnungen seit 30 Jahren auf dieser Trabant-Fahrrad-Kombo ruhen. Darauf, dass ein Politiker das Land regiert, der, nachdem wir ihn gewählt haben, noch „einer von uns“ bleibt. Und der mit dem Trabant oder wie jetzt mit dem Fahrrad hinter die Mauern der Macht gelangt und dort umgehend damit beginnt, eben jene Mauern niederzureißen. So glauben wir, dass wir die Macht sind.

Das Bild des radelnden Karácsony ging auch durch die Regierungspresse, die – vielleicht wegen des eben Genannten – Bilder von radelnden westlichen Politikern normalerweise mit einer Prise Spott veröffentlicht. Kernpunkt ist jedoch, dass mit Karácsony auch wir demokratisch im Rathaus gelangt sind, um uns von Oberbürgermeister Tarlós zu verabschieden. Der Abschied war zu schnell, dabei würde es sicher nicht schaden, auch hier kurz zu verweilen. Warum dankt Tarlós dem Herrgott dafür, dass er ihn vor dem Weitermachen bewahrt hat?

Die Erleichterung ist eine Warnung: Während das Regierungsoberhaupt es für erforderlich hält, den Willen zur Kooperation auszudrücken und sicherzustellen, dass die Umstände zur Arbeit eines direkt gewählten Kommunaloberhauptes gegeben sind, sollten wir keine Wunder, ja noch nicht einmal etwas Gutes erwarten. Die Friedenshand des Premiers ist manchmal gefährlicher als seine Faust, denn sie wiegt den Menschen in Sicherheit.

Wenn sogar der regierungstreue Tarlós dankbar für seinen Abgang ist, mit welchen Kämpfen zwischen oppositioneller Hauptstadt und Regierung müssen wir dann erst rechnen?


Der hier wiedergegebene Kommentar erschien am 21. Oktober in der Onlineausgabe der linken Tageszeitung Népszava.
Aus dem Ungarischen von EKG

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